Eilsleben l Aus Halle rückten Spezialisten und Helfer an, um Grabungen in mühsamer Handarbeit vorzunehmen. Schon nach wenigen Tagen offenbarte sich ein alter Friedhof. Rund hundert Skelette waren bald freigelegt. Das sei nicht verwunderlich, meinen der Eilsleber Heimatforscher Günter Wagener und Grabungsleiterin Astrid Deffner vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, denn hier befand sich bis 1450 die Kirche St. Georg von Ostereilsleben, in deren Umfeld auch der Friedhof angelegt worden war. Schon beim Bau des bisherigen Sportplatzes 1948 hätte man hier den Rest des Taufsteins, der heute noch in der Kirche St. Lorenz zu sehen ist, und auch Knochenreste gefunden.

„Damals hat man sicher nicht viel darauf gegeben, die Sache weiter zu untersuchen. Man hatte ja auch nicht die Möglichkeiten wie heute“, erklärt Archäologin Deffner. „Wegen der heutigen naturwissenschaftlichen Möglichkeiten wie DNA-Untersuchungen ist es aber spannend, auch Skelette aus dem Mittelalter unter die Lupe zu nehmen. So kann man zum Beispiel feststellen, welches Wasser die Menschen getrunken haben, was sie aßen oder woher sie kamen.“

Die auf dem Areal zwischen altem Sportplatz und Bahndamm freigelegten Skelette lassen auch schon ohne tiefgreifende Analysen einige Erkenntnisse zu. „Es sind alle Altersgruppen vertreten“, so die Grabungsleiterin, „und alle wurden streng in West-Ost-Richtung orientiert. Das ist oft so bei mittelalterlichen Gräbern und hat etwas mit dem Sonnenauf- und -untergang zu tun.“ Hinweise auf Sargbestattungen liefern Nägel in den Grabstätten. Es sei aber auch zu erkennen, dass einige Leichname lediglich in Tücher gewickelt waren, so Archäologin Deffner. Wegen Platzmangels wurden die Verstorbenen oft übereinander oder eng nebeneinander bestattet. Ein sogenanntes Kopfnischengrab fällt dabei aus der Reihe und verweist laut Deffner auf eine Zeit im 12. oder 13. Jahrhundert.

Bilder

Die freigelegten Skelette werden in das Landesmuseum in Halle gebracht und dort weiteren Untersuchungen unterzogen. Astrid Deffner: „Es werden nach Abschluss unserer Grabungen hier etwa 150 Gräber sein. Ich denke, damit ist der Friedhof komplett untersucht. Es könnte sein, dass im nächsten Jahr mit geomagnetischen Untersuchungen noch der ehemalige Standort der Kirche unter die Lupe genommen wird.“

Für die Gemeinde Eilsleben nun bedeutet die Grabung zwar, zu weiteren Erkenntnissen über die Geschichte des Ortes, speziell über das einstige Ostereilsleben zu kommen. Damit einhergehend belasten allerdings die nicht vorhergesehenen Kosten den Gemeindehaushalt zusätzlich. Neben der Grabung betrifft dies auch den Bau an sich, da sich herausgestellt hat, dass der Untergrund nicht tragfähig ist (Volksstimme berichtete) und somit weitere Vorbereitungsarbeiten erforderlich sind.

„Wir tragen ja die Hälfte der Kosten für den Bau des Kunstrasenplatzes“, sagte Bürgermeister Manfred Jordan noch vor Abschluss der Grabungsarbeiten. Die andere Hälfte speist sich aus Fördermitteln. Etwa 850.000 Euro waren zunächst für das Projekt veranschlagt. „Insgesamt“, so Jordan weiter, „rechne ich mit mehreren Zehntausend Euro, die durch Grabungskosten und Baustopp anfallen.“