Vogelschutz

Großer Tag für kleine Falken bei Familie Müller in Blumenberg

Silberfarbene Ringe schmücken jetzt die Füßchen der jungen Turmfalken, die bei der Familie Müller in Blumenberg heranwachsen. Sie sind praktisch die „Personalaus-weise“ der Vögel. Anhand der Beringung kann nämlich künftig ihr Leben verfolgt werden.

Von Lena Bellon
Thomas Suckow ist Zootierinspektor im Tierpark Bernburg, Er hat die jungen Falken beringt.
Thomas Suckow ist Zootierinspektor im Tierpark Bernburg, Er hat die jungen Falken beringt. Foto: Lena Bellon

Wanzleben - Kürzlich haben die vier kleinen Turmfalken in Blumenberg ihren großen Tag erlebt. Die Küken sind mittlerweile über zwei Wochen alt – da steht die Beringung der Jungen an. „Es ist jedes Jahr wieder spannend und überwältigend“, sagt Gertraude Schug-Müller. Das Turmfalkenpaar hat sich dieses Jahr erneut unter dem Dach der Familie Müller aus Blumenberg (Volksstimme berichtete) eingenistet und gebrütet. Vier der sechs Eier waren befruchtet und haben muntere Falkenjunge hervorgebracht.

„Einige der Jungvögel wollen schon alleine die Mäuse zerrupfen, die von dem Falkenmännchen in das Nest gebracht werden“, erzählt Franz-Josef Müller. Noch zerteile aber das Weibchen die Nahrung gut und gerecht für die Küken, so dass keines der Jungen zu wenig oder zu viel bekommt.

Am Tag der Beringung sind die vier Jungen munter und quietschen laut vor sich hin, als der Vogelexperte Thomas Suckow sie aus dem Nest nimmt, um die Beringung zu vollziehen. Suckow weiß was er tut, denn er ist Zootierinspektor im Tierpark Bernburg.

Die Falkenmama fliegt aus dem Nest, als der Fachmann die Küken aus dem Nest holt und in einem Eimer einsammelt. Wild flattern die kleinen Turmfalken mit ihren Flügeln, die schon erste Federn erahnen lassen. Das Beringen selber dauert nur wenige Minuten: Mit einer Zange befestigt Suckow die silbernen Ringe an einem Bein des Küken. Danach setzt er sie zusammen in eine Kiste und bringt sie zurück in ihr Nest.

„Die Nummern auf dem Ring sind mit denen auf dem Personalausweis zu vergleichen“, erläutert Suckow. Er selber trägt die Nummer mit den Geburtsdaten in ein Computer-Programm ein. Die Informationen werden an die Beringungszentrale weitergeleitet, somit sind die Falken registriert. „Die Beringung ist wichtig. Damit kann nachvollzogen werden wo die Falken sich niederlassen, wie alt sie werden und sie können jederzeit identifiziert werden. Das ist auch wichtig für Studien und Forschungen“, sagt Müller. Das Turmfalken-Paar ist nicht beringt und somit haben die Blumenberger keine Informationen über die Herkunft oder das Alter der Eltern.

Während die Küken nacheinander beringt werden, nimmt Gertraude Schug-Müller eines der Küken vorsichtig auf die Hand: „Die sind so weich und schauen so hilflos, ich will sie gar nicht mehr loslassen.“ Die Familie verfolgt die Fütterungen, das Verhalten der Eltern und die Entwicklung der Küken täglich über die Kamera. „Das ist besser als Fernsehen“, sagt Schug-Müller lächelnd.

Die Geschlechter der Falkenjungen sind erst später an dem ausgebildeten Gefieder erkennbar, bis dahin müsse sich Familie Müller noch etwas gedulden. „Immer wieder lernen wir so viel über die Turmfalken dazu. Sie sind interessant und besonders – wir mögen die Vögel jedes Jahr mehr“, erzählt die Blumenbergerin.

Nun bleibt das Falkenpaar mit den Jungen noch bis zu zwei Monate in dem Nest unter dem Dachgiebel von Familie Müller. „Wir beobachten, wie sie fliegen lernen. Auch wenn sie schon alle ausgeflogen sind, kommen sie manchmal zurück und setzen sich vor das Nest“, berichtet Franz-Josef Müller. Seine Familie ist übrigens schon seit 15 Jahren Gastgeber für die Falken.