Wanzleben l „Ich habe keine Lust mehr, für die Unfähigkeit der Verwaltungsleitung einzustehen“, sagte Dr. Werner Jander (CDU), Ortsbürgermeister von Hohendodeleben, bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates Wanzleben im Seehäuser „Sonnensaal“. Ständig werde er von Bürgern wegen des schlechten Zustands der öffentlichen Grünanlagen im Dorf angesprochen. Seine Vorsprachen Ende Mai bei der Stadtverwaltung und beim Bauhof, doch endlich die Rasenflächen zu mähen, seien allesamt ins Leere gelaufen.

Das nicht rechtzeitige Mähen habe nach den Worten Janders in Hohendodeleben unter anderem dazu geführt, dass die Maifeier auf dem Sportplatz vor einer „herrlichen Kulisse hohen Grases“ stattgefunden habe. Besonders ärgere den Ortsbürgermeister jedoch der ungepflegte Zustand des Friedhofs. Als er Ende Mai die Ruhestätte der Verstorbenen besucht habe, habe er seinen Augen nicht getraut. „Ich habe das halbanonyme Grabfeld nicht mehr gesehen, es war total überwuchert“, beschrieb er vor dem Stadtrat seine Beobachtung. Wenn es in der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde so weiter gehen würde, würden die Ortsteile abgehängt werden. Jander appellierte an die Mitglieder des Stadtrates, „nehmen Sie Ihre politische Verantwortung wahr“. Verantwortlich für die Missstände machte Jander die Verwaltungsspitze in Wanzleben, die nicht wirtschaftlich führen könne.

Bürgermeister machen Unmut Luft

„Es ist nicht zu akzeptieren wie es jetzt läuft“, sagte die Wanzleberin Ute Kanngießer in der Einwohnerfragestunde. Ordnung und Sauberkeit in der Stadt ließen aus ihrer Sicht sehr zu wünschen übrig. Ob die Zentralisierung des Bauhofes eine so gute Lösung sei, bezweifelte die Bürgerin, die eine Verbesserung des Zustandes forderte.

„Ich bin im 20. Jahr Bürgermeister. In dieser Zeit habe ich es noch erlebt, dass auf dem Friedhof das Gras 30 Zentimeter hoch steht“, machte Seehausens Ortsbürgermeister und Stadtratsmitglied Eckhard Jockisch (Freie Wähler) seinem Ärger über den Zustand der öffentlichen Grünanlagen Luft. Schuld daran sei aus seiner Sicht die neue Struktur des Bauhofes der Stadt Wanzleben, die „Geld und Arbeitszeit verbrennt“. Die Seehäuser Außenstelle des Bauhofes zu schließen und die Mitarbeiter am Standort Klein Wanzleben zu konzentrieren sei aus Sicht von Jockisch ein Fehler und müsse umgehend korrigiert werden. Lediglich von den Standorten Wanzleben und Klein Wanzleben aus sei die Arbeit der Bauhofmitarbeiter nicht effektiv möglich. „Der Bauhof Seehausen hätte da bleiben sollen, wo er war“, sagte der Ortsbürgermeister. Jockischs Einschätzung, „der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken“, brachte ihm eine Ermahnung durch den Stadtratsvorsitzenden Dr. Ernst Isensee (CDU) ein, der vom Seehäuser mehr Sachlichkeit in der Debatte forderte.

„Wir sprechen hier über unsere Mitarbeiter, das gehört nicht in den öffentlichen Teil der Sitzung“, machte Klein Wanzlebens Ortsbürgermeister und Stadtratsmitglied Horst Flügel (SGE Sport) deutlich. Die Forderungen seiner Ortsbürgermeisterkollegen aus Hohendodeleben und Seehausen nach Veränderungen beim Bauhof könne Flügel hingegen nicht nachvollziehen.

Der Stadtrat folgte Flügels Hinweis und beendete die Debatte über den Bauhof, um sie später hinter verschlossen Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiterzuführen. Zuvor machte Wanzleben Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) deutlich, dass es nicht an den Mitarbeitern des Bauhofes liege, die hoch motiviert seien. Auch sei die technische Ausstattung ausreichend. Vielmehr sei die neue Struktur des Bauhofes mit der Konzentration an den Standorten Wanzleben und Klein Wanzleben „noch nicht ganz rund“. Damit werde sich die Stadtverwaltung kritisch auseinander setzen, um bei der vorhandenen personellen und finanzielle Ausstattung eine Lösung zu finden. Jedoch könne die Stadt nicht zwei Leute mehr einstellen, um die Situation zu verbessern. Eine Umkehr zur alten Struktur des Bauhofes sei aus Kluges Sicht „nicht meine erste Wahl“.

„Die Unzufriedenheit in den anderen Orten ist auch vorhanden“, verdeutlichte Stadträtin Silke Wiese (SPD). Die Arbeit des Bauhofes müsse „definitiv besser organisiert und für die Orte transparenter werden“, sagte die stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Domersleben.