Domersleben l Umweltschutz, Ökologie und das Klima haben die Domersleber Jäger schon seit jeher im Blick. „Das war schon vor der Wende so“, sagt Günther Mendt, der ebenso wie sein Jägerkamerad Eberhard Träger 60 Jahre bei den Weidgenossen dabei ist. „Schon als ich LPG-Vorsitzender in Klein Rodensleben war, haben wir die Feldwege mit Büschen und Bäumen versehen.“

Einen weiteren Aufschwung hat die heutige „grüne Lunge“ von Domersleben schon im Jahr 1991 bekommen. „Da wurde die Jagdgenossenschaft gegründet“, erinnert sich Träger. „Die frisch eingeführte Jagdabgabe wurde seinerzeit erstmals dafür genutzt, um die Feldränder zu begrünen.“ Die Aktion wurde von der Jägerschaft, dem Naturschutzbund (NABU) in Wanzleben und dem damaligen Landrat, Karl-Heinz Bärecke (CDU), unterstützt.

Erster Baum war eine Eiche

„Wir haben zuerst eine Eiche an der ehemaligen Deponie gepflanzt“, erzählt Träger. „Allerdings ist diese kurioserweise mit dem Abschied des Landrates eingegangen.“ Somit ist heute nur noch der zweite jemals bei diesen Aktionen gepflanzte Baum zu sehen – aber der steht in vollem Saft.

Bilder

In der Folge kam es zu einer Kooperation von Jagdgenossen und -Pächtern und der örtlichen Grundschule, die noch heute Bestand hat. „Die Idee hatte unser SPD-Gemeinderat Hartmut Thiele“, sagt Eberhard Träger. „Jedes Kind der ersten Klasse sollte künftig einen Baum in unserer Flur pflanzen.“ Fortan ist die Begrünung des Ortes und seiner Umgebung zu einer Aktion geworden, die Jung und Alt beschäftigt hat. „Jedes Kind hat ein Namensschild entworfen, welches an dem Haltepfahl angebracht worden ist“, erzählt Günther Mendt. „Dabei waren die Kleinen in der Gestaltung völlig frei und die Eltern haben sie unterstützt. Natürlich wurde jedes Mal ordentlich gefeiert.“ Somit sei quasi die gesamte Familie mit einbezogen gewesen. „Alle haben etwas für die Umwelt getan und sind einem alten Spruch gefolgt, wonach jeder Mensch in seinem Leben einen Baum pflanzen sollte“, erklärt Mendt und schmunzelt dabei weise.

Alle sind bei Projekt dabei

„Es ist ein Irrtum anzunehmen, wir Jäger würden einfach nur wild in der Gegend herumballern“, betont Träger. „Der weitaus größte Teil unserer Arbeit ist die Hege und Pflege.“ Gerade in diesen Tagen ist die langjährige Arbeit der an dem Projekt Beteiligten entlang dem sogenannten Berklingweg gut zu sehen. Hier stehen Laubbäume und Büsche der illustresten Arten. „In den 90er Jahren waren wir in der Auswahl des Ortes und der Bäume recht frei“, sagt Träger. „Auf die Pflanzung von Nadelhölzern haben wir verzichtet, da sie nicht typisch für die Region sind.“

So finden sich Eichen, Eschen, wilde Pflaumen, Ahorn und weitere Obstbäume bunt durcheinander gewürfelt am Wegesrand und doch steckt ein System dahinter.

Beispiel für den Nachwuchs

„Schon früh ist der Gedanke aufgekommen, nicht einfach nur die Bäume zu pflanzen, sondern sie auch als Beispiele für die Kinder zu nutzen“, setzt Günther Mendt fort. „So gibt es gemeinsame Exkursionen mit den Schülern zu den Anpflanzungen, bei denen Mitglieder der Jägerschaft dabei sind.“ Außerdem besuchen die Weidmänner die Grundschule und erzählen den Kindern etwas über ihr Handwerk und den Umweltschutz.

„So mancher heute erwachsene Mitbürger hat auf diese Weise viel über die Natur gelernt und besitzt heute einen geschärften Blick für das richtige Tun in Sachen Umwelt“, ist sich Mendt sicher. Er und sein Jagdkamerad Eberhard Träger sind schon ein wenig stolz auf das, was sie und die Mitglieder der Jägerschaft geleistet haben.

Lehrpfad für Kinder

„Ein wunderschönes Beispiel ist auch der Wiesenweg, welcher beidseitig bei den Aktionen mit Bäumen versehen wurde“, berichtet Träger. „Hier finden sich ältere Laubbäume und direkt gegenüber Obstbäume und alle sind durch unsere und die Hände der Kinder gegangen. Das verbindet und ist eine schöne Erinnerung.“ Zumal gerade jetzt viele Obstbäume Früchte tragen, die im Herbst Jedermann abernten kann, so er denn will.

„Unsere Aktivitäten sind nicht die einzigen auf diesem Gebiet“, sagt Eberhard Träger. „Zusätzlich wurden viele Büsche und Bäume als Ersatzpflanzungen im Rahmen der Flurneuordnung untergebracht. Diese ziehen sich bis in den Wanzleber Bereich hin.“ Das habe dazu geführt, dass Domersleben heute über eine außergewöhnliche „grüne Lunge“ verfüge.

„Als ich 1955 in den Ort gezogen bin, da konnte man weithin über die Felder schauen“, berichtet Träger. „Das ist heute nicht mehr möglich und das ist auch gut so für das Wild und für die Natur. Insofern können andere sicherlich eine ganze Menge von uns lernen.“ Für die aktuelle Klimadiskussion haben die beiden erfahrenen Jäger und Naturschützer nur ein müdes Lächeln übrig. „Anstatt zu reden, sollte jeder von diesen vorgeblichen Experten mal lieber einen Baum pflanzen“, äußert sich Günther Mendt. „Damit hätte er bei weitem sein Bestes für die Umwelt getan und würde etwas für die Zukunft seiner Nachfahren tun.“