Kultur

Heimatverein kämpft für die Dorfgeschichte von Langenweddingen

Die Mitglieder des Langenweddinger Heimatvereins legen beim Arbeitseinsatz am Schill-Denkmal eine Verschnaufpause ein. Foto: Dirk Halfas

Von Dirk Halfas

Langenweddingen l „Wir hatten Ende Oktober unsere letzte Runde der Vereinsmitglieder. Danach lief alles nur noch telefonisch oder über WhatsApp. Eigentlich wollten wir danach wie immer bei persönlichen Treffen die Aktivitäten für das Jahr 2021 festlegen“, sagt Jürgen Zimmermann, Vorstandsmitglied und Schatzmeister des Vereins.

Seit Kurzem ist nun auch Fakt, dass alle Veranstaltungen für das Jahr 2021 abgesagt sind und in das Jahr 2022 verschoben werden.

„Nach Rücksprache mit den verantwortlichen Vertretern der Gemeinde Sülzetal, Bürgermeister Jörg Methner und Ortsbürgermeister Andy Lankow sagte jetzt der Heimatverein aufgrund der angespannten Corona-Lage offiziell die gemeinsam für den Juli 2021 vorgesehenen Aktivitäten für das 1075-Jahrjubiläum für Langenweddingen ab“, erläutert Zimmermann. Geplant hatte der Heimat und Kulturverein „Die weddinger“ unter anderem ein Eröffnungskonzert in der Kirche St. Georg, eine Ausstellung zur historischen Ortsentwicklung von 946 bis 2021, einen Expertenvortrag zur Geschichte und landwirtschaftlichen Entwicklung des Bördedorfes Langenweddingen, Auftritte einer Tanzgruppe mit Modenschau sowie außerdem die Teilnahme am Festumzug mit historischer und heutiger Erntetechnik.

Das alles wird es nun erst im kommenden Jahr geben.

Das Ortsjubiläum soll bis dahin aber im Bewusstsein der Bevölkerung bleiben. „Der Heimatverein unterbreitete beiden Bürgermeistern den Vorschlag, dass die Gemeinde zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2021 zum Anlass ´20 Jahre Sülzetal´ ihre Festveranstaltung in der Kirche St. Georg durchführt“, meint Vereinsvorsitzender Zimmermann. Die Veranstaltung soll gleichzeitig genutzt werden, um der ersten urkundlichen Erwähnung des Bördeortes am 29. Juli 946 durch den späteren Kaiser Otto I. würdig zu gedenken.

„Weiterhin wird bis Ende 2021 im Schaukasten des Heimatvereins an der alten NP-Kaufhalle im Ort von mir eine lockere Bilderfolge zur Ortsgeschichte und zu verschiedenen Historien-Ausstellungen des Vereins im drei- bis vierwöchigen Wechsel als Kleinausstellung präsentiert“, kündigt Zimmermann an. Denn mit der Vereinsarbeit geht es trotzdem weiter. Von rund 30 Mitgliedern ist ihre Zahl mittlerweile auf elf geschrumpft, alle sind Senioren. Trotzdem verfolgen sie weiterhin ihr Ziel, das Historische und Kulturelle des ländlichen Bereiches, speziell der Börde um Langenweddingen, zu bewahren und der jüngeren Generation zu vermitteln.

Feste mit 1200 bis1800 Besuchern

„Bis 2005 hat unser Verein große Erntefeste bei den einheimischen Bauern sowie Gewerbemessen gestaltet, mit 1200 bis 1800 Besuchern“, berichtet Jürgen Zimmermann. 2008 kamen beim Volksfest nur noch 300 Besucher. „Wir hatten dann ein Problem, weil zu wenig Einheimische kamen, viele Jüngere sind in den Westen gegangen. Bei schlechtem Wetter hätten wir rote Zahlen gehabt. Das ist aber der Gang, den man gehen muss. Beim nächsten Fest ging es dann runter auf 170 Besucher“, erinnert sich Zimmermann.

Ab 2010 konzentrierte sich der Verein daher auf große Ausstellungen im Vereinshaus in der Langestraße. „Wir hatten ja ein großes Haus gehabt, da war vieles möglich, zum Beispiel eine Spielzeugausstellung in den Wintermonaten, die Ausstellung ,Alte Höfe’ unter Einbeziehung der Grundschule, die die Modelle gestaltete, danach eine Hobbyausstellung und die Ausstellung ,25 Jahre Mauerfall’. Im Juni 2016 mussten wir dann umziehen“, sagt Zimmermann. „Die Einheitsgemeinde Sülzetal will sich sanieren und hatte alle gemeindeeigenen Häuser zum Verkauf angeboten. 7000 Euro wurden zunächst veranschlagt und es gab drei oder vier Angebote. Man kann nur schätzen, aber das Haus ging wohl für 10?000 Euro weg“, ergänzt Schatzmeister Zimmermann.

Für den Heimatverein bedeutete das den Auszug aus einem geräumigen Haus mit Kellerraum, Erdgeschoss und zwei Etagen. Ein neues Domizil fand man im Bürgerhaus am Jubelberg. „Jetzt haben wir nur noch ein Zimmer von 25 Quadratmetern und mussten uns sehr verkleinern. Wir zerlegten ganze Exponate und gaben sie in den Sperrmüll. Das meiste ist weg. Einige historische Sachen liegen jetzt hier im Keller“, so Jürgen Zimmermann.

Besichtigen können Besucher nach einem Ende der Corona-Beschränkungen in dem Zimmer des Heimatvereins dann wieder alte Haushaltsgegenstände aus Wohnung und Hof, Teile einer historischen Wohnzimmereinrichtung, eine betagte Nähmaschine sowie 100 Jahre alte Unterbekleidung, Tisch- und Bettwäsche.