Hemsdorf l Der 61-jährige Peter Assel ist nicht nur der Vorsitzende des Fördervereins Kulturhaus Hemsdorf, er ist auch der Ansprechpartner vor Ort, wenn Pilger den neuen Jakobsweg von Magdeburg nach Hildesheim beschreiten. Die Zahlen der Menschen, die sich auf diese Reise begeben, steigt immer mehr an.

„Wir haben als Verein schon zahlreiche Pilgergruppen bei uns begrüßt“, berichtet Peter Assel. „Begonnen hat alles im Jahr 2012, als eine Gruppe von 25 Menschen aus Braunschweig erstmals wieder den alten Pilgerpfad genutzt hat und dabei auch zu uns kam.“ Der Weg entspricht in etwa dem alten „Lüneburger Heerweg“, dieser führt quasi parallel zur „Lüneburger Heerstraße“ entlang. Der nennt sich heutzutage Bundesstraße 1 und weicht in einigen Teilen doch schon etwas von seiner ursprünglichen Bahn ab – die jeweiligen Ziele der beiden Strecken sind aber gleich geblieben und das zählt.

Alte Römer zogen über diese Wege

Einst zogen auch schon die alten Römer diese Wege entlang, um zur Elbe zu gelangen und sich nebenher gehörig mit den streitbaren Vorfahren der heute hier lebenden Einwohner zu balgen. Darüber gibt es genug Kunde in den Chroniken der Orte, die zahlreichen Grabhügel in der Landschaft sind bis Anfang des 20. Jahrhunderts fast endgültig platt gemacht worden. Auch darüber gibt es Aufzeichnungen, wie auch über die Entstehung der Orte und das Leben der Menschen bis in die aktuelle Zeit hinein.

Bilder

Das Leben in der Börde gehört zu den Spezialthemen, die Peter Assel nahezu verinnerlicht hat. Er ist ein lebendes Lexikon, wenn es um Geschehnisse in der Heimat geht. Sein Wissen gibt er bereitwillig zum Besten und verzückt damit offensichtlich die Pilger. Diese haben ihre Eindrücke im Gästebuch hinterlassen, welches heute im alten Speicher des Gutes ausliegt. Viele Pilger haben Bilder gemacht und Berichte verfasst, die sie Peter Assel nach ihrer Reise zuschickten.

Museum informiert über Region

„Ich habe alles in das Buch eingebracht, damit unsere Besucher Eindrücke von anderen Pilgern bekommen können“, sagt der Hobby-Historiker. Zu seinen Gästen zählen dabei nicht nur Leute, die von weit her kommen. Auch Menschen aus der Region sind regelmäßig im Hemsdorf zu Gast. Seien es Schulklassen, Alters- und Ehrenabteilungen von Vereinen oder gar die Plattspreker aus Niederndodeleben – alle wissen, welches Kleinod sie in dem Dorf erwartet.

Peter Assel hat hier nämlich noch ein Museum, unterteilt in verschiedene Abteilungen, aufgebaut. Hier gibt es Einblicke in die Geschichte der Börde, der Schrotequelle, der DDR-Zeit, ja sogar der Ortsfeuerwehr. „Aktuell dreht sich eine Ausstellung um den ersten Weltkrieg“, erzählt der 61-Jährige. „Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung, die ich im nächsten Jahr thematisch neu einrichten werde.“ Dann könne durchaus Material zur Gründung der DDR oder eventuell zum zweiten Weltkrieg hier zu sehen sein.

Geschichte des Ortes präsent

Die Hemsdorfer Geschichte ist ebenfalls sehr präsent, da gibt es Unterlagen über die Gutsbesitzer, die Höfe, die Schule und natürlich die Kirche. „Diese hat einen für die Region ganz ungewöhnlichen Stil“, äußert sich Assel. „Sie ist die jüngste am neuen Jakobsweg und bezieht sich als einzige nicht auf den Heiligen, da sie St. Benedikt heißt.“ Das seien ganz spannende Informationen für die Pilger, die natürlich auch das Gotteshaus auf der Wallfahrt besuchen.

Dabei erfahren sie, dass die ursprüngliche Kirchenglocke einst vom alten Fritzen, dem Preußenkönig, gestiftet worden ist, der seinerzeit den Ort Hemsdorf über den alten Heerweg besucht hat. „Der übergab damals einen Hof in Druxberge an einen pensionierten Soldaten“, gibt Peter Assel zum Besten.