Gröningen/Neuwegersleben/Wulferstedt l Gibt es eine Karnevalssaison 2020/2021? Wenn ja, in welcher Form? Diese Fragen können in diesen Tagen von keinem der drei Karnevalsvereine der Gemeinde Westliche Börde beantwortet werden. Noch ist alles wage, auch mit der 8. Eindämmungsverordnung zur Überwindung der Corona-Pandemie.

In Gröningen wird sich der Vorstand des Karnevalvereins am 24. September zusammensetzen und dann entscheiden, wie die Vorbereitungen weitergehen sollen. Geprüft werden solle ebenso, welche Beschränkungen trotz erneuter Lockerungen bestehen bleiben.

Trotz vieler offener Fragen laufe derzeit die Arbeit in den verschiedenen Tanzgruppen wieder an. In der Gröninger Sporthalle können unterschiedliche Räume genutzt werden, damit sei das Abstandhalten gesichert. Die einen proben Neues, die anderen festigen das alte Programm. „Bei weiteren Lockerungen könnten wir also schnell reagieren und ein Programm auf die Beine stellen. Dennoch bleibt eben die Frage, ob Kostüme so schnell beschafft werden können. Ganz oben steht die Fragen, ob sich die Veranstaltungen tragen, wenn weniger Zuschauer erlaubt sind. „Wir müssen Saalmiete bezahlen und vieles mehr. Eine Karnevalssaison ist eben auch eine teure Angelegenheit. Pro Saison ist mit 20 000 Euro zu rechnen, die müssen erst einmal erwirtschaftet werden“, sagt Rüdiger Liesecke, im Gröninger Karnevalsverein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Einen Umzug soll es jedenfalls geben

Mit den bereits erfolgten Lockerungen hat der Verein versucht, das Vereinsleben, zumindest in den verschiedenen Gruppen, wieder in Gang zu bringen. „Uns ist es wichtig, dass wir die Kinder wieder zusammen kriegen, damit sie uns nicht auseinander laufen“, meint Rüdiger Liesecke.

Eines steht für den Gröninger Karnevalsverein allerdings definitiv fest: Den Umzug, immer am Sonntag vor Rosenmontag, werde es in jedem Fall geben. Der findet draußen statt, Abstandsregelungen können hier eingehalten werden.

„Im Hintergrund wird die anstehende Karnevalssaison schon viel diskutiert. Doch es gibt nichts Konkretes. Auch wir warten weitere Verordnungen ab “, sagt Robert Köhler vom SV Germania Wulferstedt. Im Dorf am Großen Bruch organisiert eine gesonderte Abteilung des Sportvereins den Karneval. Für die Wulferstedter Jecken sei es momentan schwer vorstellbar, Prunksitzungen auch mit weiteren Lockerungen überhaupt durchzuziehen. „Selbst wenn wir dürfen, haben wir Wulferstedter noch die besondere Situation zu bewältigen, im Ort keinen Veranstaltungsraum mehr zu haben“, so Robert Köhler. Für die Sitzungen in der vergangenen Saison zogen die Karnevalisten aus dem Sockenland nach Hornhausen. „Dafür sind wir den Hornhäusern auch sehr dankbar. Doch es ist eben nicht unser ‚Zuhause‘. Deshalb suchen wir Alternativen, um vielleicht doch in Wulferstedt einen Veranstaltungsort zu finden und dort Karneval zu feiern, wie wir ihn kennen und lieben. Wenn uns Corona lässt“, erklärt Robert Köhler.

Karnevalssitzung in Verordnung nicht enthalte

Finanziell würden die Karnevalisten mit Hilfe der langjährigen und treuen Sponsoren sicherlich einen Weg finden. „Aber wenn wir vor kleinerem Publikum auftreten müssen, macht es eben auch weniger Spaß. Erst recht, wenn die Leute vielleicht mit Maske mit uns feiern müssten. Mit den Sitzungen belohnen wir uns für unsere Mühe, da muss alles passen“, ist Robert Köhler überzeugt.

Großes Rätselraten herrscht auch bei den Neuwegersleber Karnevalisten. Eine Vorstandssitzung ist für die kommende Woche einberufen, teilen Präsident Patrick Buchholz und Marlies Müller mit. Ob der Vorstand aus der Sitzung mit weniger Fragen herausgeht, sei völlig offen, denn: „Die 8. Eindämmungsverordnung sagt nichts über Karnevalsveranstaltungen aus, es geht darin nur um Kulturveranstaltungen. Ist eine Prunksitzung eine Kulturveranstaltung? Wir wissen noch nicht wirklich, wie wir planen sollen. Alle stehen in den Startlöchern, aber das I-Tüpfelchen fehlt. Denn wir stellen uns die Frage, welche Verordnungen im neuen Jahr gelten? Lohnt es sich, eine Menge Arbeit und viel Zeit in Proben zu stecken, die sich dann nicht lohnen, weil die Coronazahlen wieder steigen oder weil nichts weiter gelockert wird“, fragen sich Marlies Müller und Patrick Buchholz.

Die Neuwegersleber Karnevalisten treten noch immer auf der Stelle. Bedauerlich ist für sie, dass die Karnevalisten mit der Session 2020/2021 den 20. Geburtstag feiern wollten und in den Köpfen schon ein Jubiläumsprogramm entstanden sei. Auch eine Festveranstaltung mit Sponsoren sollte es geben.

„Zudem haben wir in diesem Jahr mehrere Neueintritte von Kindern, so dass eine dritte Tanzgarde geplant ist. Wir kriegen zum jetzigen Zeitpunkt einerseits nichts in Sack und Tüten, rechnen andererseits aber zum großen Teil damit, dass der Karneval ausfallen wird“, muss Marlies Müller feststellen.

Auch sei es bislang leider nicht gelungen, Auskünfte über die Nutzung des Saales im Klein-Berliner-Hof zu bekommen. Die Gemeinde als Träger steht in der Verantwortung. Der Verein fragt sich, wer das Hygienekonzept erstellen muss? Die Gemeinde oder der Verein? Wenn die Gemeinde keinen Karneval im Saal erlaubt, sind jegliche Überlegungen und Vorbereitungen überflüssig.

In den Saal dürfen 80 Personen. Wenn mit Abstand und Hygienekonzept der Karneval erlaubt werden würde, dann sitzen dort vielleicht 40 oder 50 Gäste auf Abstand. Bleibt da der Spaß nicht auf der Strecke?

„Mit einer geringeren Zuschauerzahl können wir nicht kostendeckend arbeiten. Das nächste Problem ist der Ausschank und die anschließende Disco. Was soll damit werden? Wir sind verunsichert und noch immer ziemlich ratlos“, muss Präsident Patrick Buchholz feststellen.