Seehausen l Ronald Diefert, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins G 128 „Einigkeit“ Seehausen/Börde, und Eckhard Jockisch (Freie Wähler), Ortsbürgermeister von Seehausen, mussten sich am Sonnabendnachmittag im Vereinshaus „Zur Sonne“ stimmlich mächtig anstrengen, um bei der Eröffnung der Schau die lautstarken Hähne zu übertönen. Fast 440 Hühner, Tauben und Kaninchen waren bei der diesjährigen Kleintierschau in der Börde-Stadt zu sehen.

Bereits zur Eröffnung hatten sich viele Seehäuser und befreundete Züchter sowie viele Einwohner im Saal eingefunden, in dem in langen Reihen im Parkett und auf der Empore die Käfige mit den heraus geputzten Tieren standen. Darin präsentierten sich Rassegeflügel, Großhühner, Zwerg-Rheinländer in einer Sonderschau, Zwerghühner anderer Rassen und Tauben von 42 Ausstellern sowie Rassekaninchen von 15 Ausstellern in einer ansehnlichen Rassen- und Farbenvielfalt dem fachkundigen Publikum.

„Die Qualität unserer Schau ist sehr hoch“, sagte Diefert zur Eröffnung. Seiner Ansicht sei es nicht schwer, die geeigneten Tier für die Ausstellung zusammen zubekommen. Schwerer sei es hingegen, im Kleintierzuchtverein die nötigen Mitglieder für den aufwändigen Aufbau der Schau zu gewinnen. Für die meist älteren Zuchtfreunde sei es sehr anstrengend, die schweren Käfig für die Ausstellung zu schleppen und aufzustellen.

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Es fehlen junge Leute

Dieses Problem betonte auch Jockisch, der seit 50 Jahren Mitglied im Seehäuser Kleintierzuchtvereins ist. „Es fehlen die jungen Leute. Wenn es so weiter geht, kann es passieren, dass wir in drei bis vier Jahren keine Schau mehr ausrichten können“, befürchtete er. Jockisch begrüßte besonders eine Gruppe von Züchtern von Zwerg-Rheinländern aus Delbrück, einer Stadt in Nordrhein-Westfalen, die in Seehausen zum zweiten Mal eine Sonderschau ausrichtete und die Ausstellung mit ihren Tieren bereicherte. „Hier wächst eine Freundschaft“, war sich Jockisch sicher. Bei einer Kremserfahrt hatten die Gäste die Umgebung der Börde-Stadt kennen gelernt.

Hoffnung beim Nachwuchs macht den Seehäuser Züchtern hingegen Lasse Gegenwarth. Der neunjährige Seehäuser züchtet Deutsche Sperber und wurde mit einem Hahn Jugendmeister beim Geflügel bei der Kleintierausstellung und gewann zudem dem Wanderpokal für das beste Tier. „Ich züchte sei zwei Jahren Deutsche Sperber“, sagte der Schüler, dem der Umgang mit den Tieren sehr viel Freude bereitet. Unterstützung bekommt Lasse von seinem Vater Marcel Gegenwarth (37), der zusammen mit Frau Stephanie Gegenwarth (34) und Tochter Mette (2) die Kleintierausstellung besuchte. Die ganze Familie, die vor wenigen Jahren aus der Altmark in die Börde zog, war mächtig stolz auf Lasse und seinen Gewinn des Jugendmeistertitels. „Angefangen hatte alles vor fünf Jahren, als wir bei einer Kleintierschau hier in Seehausen einen Hahn gewannen“, gab Marcel Gegenwarth Auskunft. Weil der Hahn verstarb, machten sich Marcel und Lasse Gegenwarth Gedanken, welche Rasse sie im heimischen Stall züchten könnten. Sie stießen auf die Deutschen Sperber und entschieden sich für diese Rasse, weil sie auf der „roten Liste“ steht und vom Aussterben bedroht ist. „Wir wollten etwas für den Erhalt der Artenvielfalt unternehmen“, sagte Vater Gegenwarth.