Wanzleben l Seit März dieses Jahres haben die Mitglieder des Wanzleber Stadtrates und seiner Ausschüsse wegen des Gesundheitsschutzes und der Kontaktverbote während der Corona-Pandemie auf Sitzungen verzichtet. Erstmals während der Krise und unter dem Zeichen einer vorsichtigen Entspannung der Lage kamen die Stadträte am Donnerstagabend im Saal des Kulturhauses am Raßbachplatz 1 in Wanzleben wieder persönlich zu einer Sitzung zusammen.

Mitglieder, Sitzungsleitung, Verwaltungsmitarbeiter, Gäste und Presse saßen mit dem gebotenen Abstand zueinander. Bettina Küpper, die Büroleiterin von Bürgermeister Thomas Kluge, hatte zuvor die Abstände gemäß der geltenden Abstandsregelung genau mit dem Zollstock ausgemessen und die Tische und Stühle dementsprechend platziert. Am Eingang musste sich jede Person, die den Saal betrat, in eine Liste eintragen, möglichst mit dem eigenen Kugelschreiber. Dies, um bei einem möglichen Covid-19-Fall gleich alle Kontaktpersonen auf dem Schirm zu haben. Wer wollte, konnte seine Hände mit einem Mittel desinfizieren. Ansonsten verlief die Sitzung wie gewohnt im Wechsel von Debatten, Informationen und Abstimmungen.

Angenehme Aufgaben

Zunächst hatte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) angenehme Aufgaben zu erfüllen. Er gratulierte Karl-Heinz Matthias (CDU, Klein Wanzleben) nachträglich zum 61. Geburtstag. Dann bat der Rathauschef den Stadtratsvorsitzenden Tino Bauer (Linke, Wanzleben) und Norbert Hoße (Pro Gemeinde Klein Rodensleben) vor das Gremium. Bauer und Hoße sind seit 30 Jahren ununterbrochen Mitglieder des Wanzleber Stadtrates in seinen verschiedenen Organisationsformen. Erstmals sind die beiden Kommunalpolitiker im Mai 1990 in den Stadtrat gewählt worden. „Es ist wie in dem Buch ‚Spur der Steine‘. Ihre Spuren sind in der Stadt Wanzleben-Börde zu sehen“, würdigte Kluge das ehrenamtliche Engagement der beiden Stadträte zum Wohle der Bürgerschaft. Hoße und Bauer sind zudem Ortsbürgermeister von Klein Rodensleben und Wanzleben.

„Ich danke allen Bürgern für das Einhalten der Einschränkungen während der Corona-Pandemie. Sie haben sich ganz toll an die Regelungen gehalten“, sagte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge, der genau wie seine Verwaltungsmitarbeiter und alle städtischen Angestellten seit Wochen im Krisenmodus arbeitet. Der Disziplin der Bürger sei es zu verdanken, dass die Stadt Wanzleben-Börde vergleichsweise wenig Corona-Fälle zu verzeichnen hatte. In der Spitze habe die Stadt vier bestätigte Fälle registrieren müssen, elf Einwohner waren in Quarantäne. Seit zwei Wochen habe es in Wanzleben keinen Corona-Fall mehr gegeben.

Kluge lobte zudem die Notbetreuung in den Kitas sowie das Engagement der Erzieherinnen. Die Platzsituation habe sich mittlerweile entschärft, so dass die Stadt glücklicherweise keine Wartelisten für einen Platz in der Betreuung aufstellen müsse. In den Kindertagesstätten der Stadt werden zurzeit etwa 400 Mädchen und Jungen in der Notbetreuung in elf Kitas versorgt. In Zeiten ohne Corona sind es etwa 1000 Kinder. Somit ist die Betreuung jetzt bei etwa 40 Prozent angekommen. Wegen der nunmehr vom Land verschärften Auflagen für die Betreuung der Kinder sei die Anzahl des vorhandenen Personals jedoch problematisch.

Erzieherinnen motiviert

Kluge erwähnte zudem die hohe Motivation der Erzieherinnen, die das derzeit Machbare leisten würden. Neben der Kinderbetreuung würden sie die freie Zeit effektiv für Aufräumen, Reinigen und Renovieren nutzen. Oftmals mit Unterstützung engagierter Eltern.

Auf Kluges Antrag hin nahm der Stadtrat den Punkt „Erlass der Kostenbeiträge für die Inanspruchnahme eines Betreuungsplatzes im Mai 2020 aufgrund von Corona“ von der Tagesordnung. Und zwar deshalb, weil das Land Sachsen-Anhalt entschieden habe, dass den Eltern die Beiträge erlassen würden, die ihre Kinder nicht in die Notbetreuung bringen dürfen. Hingegen müssen Eltern, deren Kinder notbetreut würden, dafür die Beiträge bezahlen.