Seehausen l Das Hämmern der Gullideckel hat schon kurz nach dem abgeschlossenen Ausbau der Straße begonnen – das war vor etwa fünf Jahren. Beim Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme bestätigen einige Seehäuser Bürger und Ortsbürgermeister Eckhard Jockisch (Freie Wähler) dies. Sie zeigen zudem Dokumente vor, die Beschwerden und Anfragen enthalten, die sie über die Jahre an alle nur denkbaren Behörden und offiziellen Stellen gerichtet haben.

Da finden sich Sitzungsprotokolle des Ortschaftsrates, Gesprächsnotizen und ein Schreiben an Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sowie dessen Antwort. „Der Trink- und Abwasserverband Börde (TAV)war sogar schon vor Ort und auch das Bauamt der Gemeinde Wanzleben“, erzählt der Ortsbürgermeister. „Das Problem ist hinlänglich und lange Zeit bekannt.“ Passiert sei aber bislang wenig bis nichts. Das bestätigen auch die anderen Bürger, die sich zu dem Termin eingefunden haben.

65 Deckel wurden verbaut

„Es geht dabei nicht nur um die Gullideckel auf der Bundesstraße, die Probleme gibt es auch in der Ringstraße und in der Dreilebener Straße“, bringt Andreas Reschke vor. „Ich habe allein auf der B 246 a 50 Deckel gezählt, aber wir reden ja eigentlich von viel mehr.“ Es sind hier tatsächlich 65 Deckel verbaut worden.

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In diesem Moment kommen gleich mehrere Lkw die Bundesstraße entlang gesaust und lassen – wie zum Beweis – die Gullideckel scheppern. Anwohner Jörg Weisel sagt dazu: „In der Nacht, wenn die Umgebungsgeräusche leiser sind, dann dröhnt der Lärm in den Häusern und die Fenster wie auch Mauern wackeln.“

50 Schläge durch einen Laster

Die Durchfahrt eines leeren Lkw in der Rübenkampagne werde von 50 gut hörbaren Schlägen begleitet, die entlang der ganzen Straße von den Anwohnern zu vernehmen seien. Bei näherer Betrachtung können die Brummifahrer auch gar nicht anders. Ein Ausweichen ist kaum möglich, da die öfters zu zweit platzierten Deckel genau in der Fahrspur liegen. Jörg Weisel vermutet hier Fehler schon bei der Bauplanung.

Joachim Mietzsch verweist zudem auf einen Deckel, der direkt vor seinem Grundstück in der Ringstraße platziert ist. „Der macht mal so richtig Lärm, wenn er getroffen wird“, erzählt er. Mit Wasserwaage und Zollstock zeigt er eine Absenkung von über drei Zentimetern auf.

Verantwortung liegt beim Abwasserverband

Verkehrsminister Webel erläutert in seinem Anschreiben dann auch die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten in Sachen Bundesstraße. Diese seien für den Straßenkörper und die Kanalisation getrennt geregelt. Für die eventuelle Anhebung von Schachtdeckeln sei der Trink- und Abwasserverband Börde zuständig. Webel selber habe da kein Weisungsrecht. Beschriebene Absenkungen von bis zu fünf Zentimetern hätten eine erhebliche Geräuschkulisse und sogar Verkehrsbeeinträchtigungen zur Folge. „Ich habe daher den TAV angeschrieben und gebeten, sich die Sachlage vor Ort anzusehen“, erklärt Webel.

Genau das ist auch geschehen, bestätigt Vinny Zielske, die Vorsitzende des TAV, gegenüber der Volksstimme. „Ich habe mir persönlich ein Bild von der Lage vor Ort gemacht“, sagt sie. „Ich befürchte, dass wir es hier mit einer unendlichen Geschichte zu tun bekommen.“ Im Ergebnis des Termins sind schon einmal drei „Probedeckel“ ausgetauscht worden. Dabei handele es sich um eine andere Bauart – die Austauscharbeiten seien aufwändig.

Probleme sollen beseitigt werden

„Wir werden diese Aktion schrittweise fortführen“, versichert sie. „Manche Kanaldeckel liegen wunderbar, bei anderen ist dies nicht der Fall. Nur so können wir aber herausbekommen, welche Deckel die Probleme verursachen.“ Vinny Zielske verweist ebenfalls auf die jeweiligen Zuständigkeiten. „Gibt es Beschädigungen am Straßenkörper, sind wir natürlich nicht zuständig.“ Das trifft übrigens an der Einfahrt zur Hydraulik Seehausen schon zu. Dort haben die Bürger einen Riss in der Straße ausgemacht. Jockisch und die Anwohner sind fühlen sich von den Verantwortlichen allein gelassen und bemängeln, dass sie keinerlei Infos über den Fortgang bekommen.

Die TAV-Chefin verweist auf die Wetterlage. „Wir setzen die Arbeiten im nächsten Jahr fort, sobald das die Witterung wieder zulässt. Die Anliegen der Bürger nehmen wir ernst.“