Osterweddingen l Hauptsache rein und raus, egal wie. Nach diesem Motto suchen sich derzeit Lkw-Fahrer den Weg ins Gewerbegebiet Sülzetal/Osterweddingen. Die Verbindung zwischen Langenweddingen und Magdeburg „An der Baumschule“, parallel zur Bundesstraße 81, ist aber nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Trotz allem nutzen viele Lkw-Fahrer diesen Weg, weil es derzeit der kürzeste Weg ins Gewerbegebiet hinein und auch wieder heraus ist.

Hintergrund dafür ist die Baustelle im Gewerbegebiet an der Kreuzung „Appendorfer Weg“/„Euroglasstraße“, Kreisstraße 1224/„Bahnhofstraße“. Die Kreisstraße 1224 ist für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt. Auf der Verbindung „Appendorfer Weg“/„Euroglasstraße“ wird der Verkehr auf eine Spur reduziert.

„An dem Weg ,An der Baumschule‘ gibt es eine Brücke über die Bundesstraße 81 kurz vor der Einfahrt ins Gewerbegebiet. Sie ist nur für den landwirtschaftlichen Verkehr mit maximal 12 Tonnen freigegeben. Das ist keine gewidmete Brücke. Sie ist nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben“, warnt Polizeioberkommissar Dirk Böschel aus dem Polizeirevier Börde.

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Manche Lastwagenfahrer, die trotzdem den Weg „An der Baumschule“ genutzt hätten und in den engen Kurven vor der Brücke über die Bundesstraße 81 liegen geblieben seien, fällten sogar schon Bäume, um sich mit den Ästen unter ihren Reifen einen Untergrund zu schaffen, um wieder frei zu kommen, berichtet Böschel weiter. „Gerade jetzt stehen da wieder auf dem Feldweg kurz vor der Brücke zwei schwere Lastwagen, die sich fest gefahren haben und nun mit Spezialfahrzeugen frei gezogen werden müssen.“

Aus beiden Richtungen kommend nutzen Lkw-Fahrer derzeit diesen Weg bis zum Abzweig „Alte Kiesgruben“. Von dort an geht es weiter über einen rein landwirtschaftlichen Weg, der nur von Traktoren genutzt werden darf, bis sie schließlich gegenüber von „Amazon“ auf der „Bielefelder Straße“ im Gewerbegebiet landen. Über diese Nutzung ihres Feldweges hätten sich auch schon die dort arbeitenden Bauern „Beese“, „Kay“ und „Lühr“ beschwert, so Böschel. An vielen Stellen entlang des Feldweges sei die Saat kaputt gefahren und der Unterboden des Weges zerstört worden.

Am Bahnhof in Langenweddingen ist für alle Lkw auf der „Halberstädter Straße“ normalerweise Schluss. Aber sie ignorieren das Schild, fahren weiter und kommen so nach der Abzweigung „Alte Kiesgrube“ ins Gewerbegebiet.

Die Verbindung „An der Baumschule“ und anschließend der Feldweg ist im Notfall auch der Zufahrtsweg für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Langenweddingen ins Gewerbegebiet Osterweddingen. Wenn sie ihre Kameraden aus Osterweddingen bei einem Brand im Gewerbegebiet unterstützen sollen, müssen sie diesen Weg benutzen, da sie nur so die Alarmierungszeit einhalten können. Böschel: „Wenn nun auf dem Feldweg ein Lkw fest sitzt, kommen die gar nicht durch. Dann müssen sie außen herum fahren. Bei einem wirklichen Notfall kann es dann schon viel zu spät sein.“

Bei einem Vorort-Termin zusammen mit der Volksstimme bestätigt sich diese Beschreibung der beiden Beamten. An den Kreisverkehr an der „Halberstädter Straße“ in Langenweddingen fahren sie mit ihrem Dienstwagen heran. Von gegenüber fährt ein Lkw in den Kreisverkehr herein, dreht angesichts des Polizeiwagens einmal die Runde und fährt genau wieder dort raus, wo er zuvor hineingefahren ist. Anschließend nimmt er dann doch die ausgeschilderte Umleitung außen herum, um ins Gewerbegebiet hinein zu kommen.

„Für die Kilometer auf den Bundesstraßen und Autobahnen müssen die Lkw-Fahrer Maut bezahlen. Das ist für sie ein weiterer Grund den verbotenen Weg durch Langenweddingen zu nehmen“, weiß Polizeioberkommissar Böschel, „für ein paar Cent riskieren sie, dass sie sich festfahren, Bergungskosten tragen müssen und von uns ein Strafmandat bekommen.“

„Das Verhalten der Lastwagenfahrer ist wirklich unter aller Kanone. Seit über zwei Monaten ist in allen Firmen bekannt, dass es diese Einschränkungen mit den ausgeschilderten Umwegen geben wird. Trotzdem wird es komplett ignoriert. Die Kosten für die Schäden trägt zunächst einmal die Gemeinde Sülzetal, die das dann über höhere Steuersätze an die Bürger des Sülzetals weitergeben muss“, ärgert sich Böschels Kollege, Polizeiobermeister Rene Krätzig.

Wenn er die Lkw-Fahrer auf frischer Tat ertappe, heiße es oft, dass man sehr wohl Bescheid wisse, aber trotzdem so gefahren sei, um abzukürzen.

„Während unserer Kontrollen haben wir festgestellt, dass es deutsche Speditionen, mit Firmensitzen in den EU-Ländern Polen, Litauen, Lettland und Estland sind. Über ein Arbeitsvisum können dann die Speditionen in diesen Ländern Fahrer aus der Ukraine und Weißrussland einstellen“, informiert Krätzig.

Es sei aber eben ein Unterschied, ob man in Sibirien im Permafrost fährt, wo alles hart sei und der Lkw immer voran komme oder aber in Deutschland, wo unter dem Schnee eine Matschschicht liege, meint Krätzig. Wer sich hier festfahre, komme nicht vom Fleck und müsse mit professioneller Hilfe geborgen werden.

Zurück im Gewerbegebiet treffen die beiden Polizeibeamten gleich den nächsten Verkehrssünder. „Hier hat es wieder einer geschafft, alle Hinweise zu ignorieren. Hier gibt es drei Stellen, an denen ihm zuvor Schilder eindeutig sagen, dass er hier nicht lang fahren darf. Er kommt hier definitiv nicht lang. Er versucht es aber trotzdem. Hier landet er im Straßengraben und verursacht den nächsten Sachschaden. Nun muss er auf eigene Kosten teuer raus gezogen werden. Der Fahrer sagte mir sogar, dass er die Sperrschilder gesehen habe, aber er wollte es dann doch lieber mal probieren“, sagt Böschel.

Der Schaden für die Gemeinde Sülzetal beläuft sich nach Auskunft von Bürgermeister Jörg Methner (SPD) mittlerweile auf bis zu 80.000 Euro. Er mutmaßt, dass dieser Betrag bis zum Abschluss der Bauarbeiten bis auf über 120.000 Euro anwachsen wird.