Wanzleben/Niederndodeleben l Auf moderne Weise die Landwirtschaft erklären – auf diesen Zug ist vor einiger Zeit auch der Bauernverband Börde aufgesprungen. „Wenn der Traktor über das Feld fährt, wirbelt er vielleicht viel Staub auf, aber viele Leute wissen nicht, was er dort macht“, erläutert Christian Apprecht als Geschäftsführer des Bauernverbandes Börde, der sein Büro in Wanzleben hat, die Hintergründe.

Bei vielen Landwirten, die in dem Verband organisiert sind, stieß er mit seiner Idee bisher auf offene Ohren. Viele waren bereit, ihren täglichen Job zu erklären. In kleinen Filmchen werden nun Arbeitsgänge der Landwirtschaft erklärt. „Los ging es mit dem Zuckerrübenlegen im März“, blickt Christian Apprecht zurück. Es folgten Darstellungen beispielsweise über Kartoffeln, Bienen, Blühstreifen oder Mais. „Diejenigen, die wir in den Videos zeigen, sind Menschen von hier und es hat auch immer einen regionalen Bezug“, so Christian Apprecht weiter.

Die Technik ist einfach. Dass Handy ist meist griffbereit in der Tasche, wenn die Mitarbeiter des Bauernverbandes Börde zu einer Stippvisite auf die Äcker fahren. So war es auch vor ein paar Tagen, als Hunderte von Mähdreschern auf den Feldern im Land ihre GPS-exakten Runden zogen, um Raps und Getreide zu ernten. Darunter waren auch die Landwirte der Agro Bördegrün GmbH & Co. KG mit Sitz in Niederndodeleben.

Auf einem sechs Hektar großen Schlag in Magdeburg erklärte Stephan Randel, Pflanzenbauleiter bei Agro Bördegrün, wichtige Fakten rund um die Weizenernte: Bevor es losgeht, wird der Feuchtigkeitsgehalt der Körner gemessen; er soll unter 14,5 Prozent liegen. Die Sonne schien schon seit einigen Tagen durchgängig und der Wind tat sein Übriges zur Trocknung der Ähren und des Strohs, alles im grünen Bereich.

Zwei Mähdrescher des Typs Case IH 82 40 hatten nur kurz zu tun, bis die relativ kleine Fläche abgeerntet war, denn mit einem 9,15 Meter breiten Schneidwerk kann ein Mähdrescher am Tag rund 50 Hektar Weizen ernten. Ansonsten sind die Flächen des Landwirtschaftsbetriebes in und um Magdeburg durchschnittlich 25 Hektar groß. 2500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaften die Bördegrün-Mitarbeiter insgesamt.

Vorwiegend werden Getreide, Mais, Raps, Rüben und Kartoffeln angebaut. Der Betrieb ist außerdem Zulieferer für Biogasanlagen. Die insgesamt 55 Mitarbeiter sind außer im Ackerbau auch in der Instandhaltung, der Tankstelle, dem Catering und in der Verwaltung beschäftigt. Photovoltaik, Futtermittelverkauf und Saatgutproduktion sind weitere Erwerbszweige.

„Unsere gesamte Weizenernte wird in Lagerhallen untergebracht und erst später verkauft. Wir fahren hier die Zwei-Sorten-Strategie“, erklärte Randel, denn die Mühlen haben sich auf den Eliteweizen „Bernstein“ und den Aufmischweizen „Findus“ eingeschossen.

Als der Film gedreht wurde, waren von den 1400 Hektar Druschfläche des Betriebes, wie der Bauernverband mitteilt, bereits 1000 Hektar abgeerntet. Drei bis vier Erntetage lagen da noch vor ihnen. Im Schnitt ernteten dieses Jahr die Drescher je Hektar 7,5 Tonnen Wintergerste, 2,6 Tonnen Winterraps und 6,2 Tonnen Winterweizen. Die Ernteergebnisse liegen nach Information des Verbandes damit deutlich unter denen guter Jahre, sind aber nicht ganz so schlecht, wie im vergangenen Dürresommer.

Stephan Randel, der auch für die Lehrlinge im Betrieb zuständig ist, verweist stolz auf eine wichtige Tatsache: „Hier arbeitet keiner, der nicht im Betrieb ausgebildet wurde.“ Im Video, das mittlerweile wie elf andere bei YouTube angesehen werden kann, dreht mit Tobias Medlich ein junger Mähdrescherfahrer eine Runde auf dem Feld und erläutert dabei zusätzliche Details aus Fahrersicht. Und eins ist dabei klar: Draußen Staub und Hitze, drinnen hochtechnisiert und kühl.

Wie Christian Apprecht sagt, gibt es auch für die nächste Zeit noch einige landwirtschaftliche Themen, die im Video umgesetzt werden sollen. „Wir lassen die Landwirte sprechen, auch damit die Leute Verständnis bekommen für die Dinge, die auf dem Feld und im Stall passieren“, fügt er hinzu. Andererseits sollen die Videos auch zeigen, welchen Wert die Landwirtschaft für die Region hat. Ein Beispiel ist der Mais, der auf den Feldern wächst, um anschließend beispielsweise in der Biogasanlage in Wanzleben daraus Strom zu erzeugen.

Derzeit hat der Bauernverband Börde 123 landwirtschaftliche Mitgliedsbetriebe. Viele davon sind, wie Christian Apprechtt sagt, kleinere Familienbetriebe.

Links zu den Videos auch unter https://bauernverband-boerde.de/