Wanzleben l Es war nicht nur einfach eine Buchlesung, zu der der Förderverein der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben am Mittwochabend in den Roten Saal der Burg eingeladen hatte. Es war ein Feuerwerk satirischer Texte und ein Aufeinandertreffen von Fußball-Legenden mit ihren Fans. Neben dem Satiriker Thomas Schweinsberg war es dem Förderverein gelungen, Wolfgang „Paule“ Seguin und Marius Sowislo – früherer und heutiger Star des 1. FC Magdeburg – für die Lesung zu engagieren und zu begeistern.

Immer vor großen Fußballturnieren wie Welt- und Europameisterschaften geht Thomas Schweinsberg mit seinem Programm auf Tour durch Deutschland. Jetzt, wenige Tage vor der WM in Russland, schlüpft er in die Rolle von Tomislav Schwebezov, um die Welt unter der Überschrift „... das Spiel lesen können!“ mit seinen Ansichten über die Jagd nach dem runden Leder zu beglücken. Auch trägt er Texte befreundeter Autoren vor.

Verschiedene Charaktere spielen

„Ich bin das erste Mal in Wanzleben, und dann auch noch in einem roten Saal. Vor 25 Jahren war ich einmal in Magdeburg“, gab der standesgemäß in ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft vergangener Jahre gekleidete Schweinsberg zu Beginn seiner Lesung zu. Und ja, Schweinsberg sei sein richtiger Name. Dass sei wichtig, da er seit 2006 bei seinen Lesungen vor Welt- und Europameisterschaften in verschiedene Charaktere schlüpfe. So wie Tom Schwebe oder Tomislav Schwebezov.

Bilder

In Wanzleben stellte Tomislav Schwebezov gleich klar, dass er kein Fan des FC Bayern München ist. Eher voll gegen Bayern München. Der in Köln lebende Autor ist bekennender Anhänger des MSV Duisburg. In Duisburg wurde er geboren und war von seinem Vater seit seinem vierten Lebensjahr mit zu den Spielen ins Stadion genommen worden. Schweinsberg kickte bis zur B-Jugend für den MSV.

Warum er Bayern nicht mag

In seinem Text „Gebt doch den Bayern gleich die Schale“ machte Schwebezov klar, warum die Mannschaft aus dem „westlichen Ungarn“ Rekordmeister in Deutschland sei. Schwebezov witterte dabei Abgründe von Korruption, Vetternwirtschaft und Seilschaften, die dazu geführt hätten. Seine Bayern-Abneigung war nur eine Facette des zwei mal 45 Minuten dauernden Programms von Schwebezov. Seine mitunter derbe Wortwahl, die manchmal an Schlachtrufe von Fans im Stadion angelehnt war, machte den Reiz des Abends aus.

Thomas Schweinsberg konnte aber auch anders. Nahezu ehrfürchtig begrüßte der die Magdeburger Fußballgrößen Wolfgang „Paule“ Seguin und Marius Sowislo bei seiner Lesung auf der Wanzleber Burg. Und Marion Bach, die seiner Meinung nach beste Kabarettistin Deutschlands. Die zur Magdeburger Zwickmühle gehörende Künstlerin war extra in Wanzleben zu Gast, um Schweinsberg zu erleben.

Fotogewitter und Autogrammjagd

Vor, in der Pause und nach der Lesung standen Seguin und Sowislo im Interesse der Besucher. Sie ließen sich mit ihnen fotografieren und Autogramme geben. Und noch etwas erregte das Interesse der Gäste: der originale Pokal als Zeichen des Sieges des 1. FC Magdeburg 1974 beim Europapokal der Pokalsieger. „Paule“ Seguin war in der Mannschaft und siegte mit. Dass Seguin, Sowislo und der Pokal in Wanzleben zu Gast waren, hatte Bernd Tiedge ermöglicht.

Der Ehemann von Gudrun Tiedge, der Vorsitzenden des Fördervereins der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben, gehört zur Vereinsspitze des 1. FC Magdeburg und verfügt über beste Kontakte. „Mein Mann hat es sogar geschafft, mir Fußball-Verstand beizubringen“, sagte Gudrun Tiedge. Allerdings sei ihr über Jahre nicht klar gewesen, dass „Paule“ nicht der richtige Vorname von Seguin sei. „Wolfgang passt gar nicht zu ihm“, sagte sie vor dem amüsierten Publikum.

Förderung macht Lesung möglich

Dass diese Lesung der satirischen Art in Wanzleben durch den Förderverein der Stadt- und Kreisbibliothek für die Besucher bei freiem Eintritt ermöglicht wurde, war der „Partnerschaft für Demokratie Landkreis Börde“ zu verdanken. Die Partnerschaft unterstützt die Lesung mit einer Förderung in Höhe von 783 Euro. Vor der Veranstaltung übergab Tilo Garlipp von der Externen Koordinierungs- und Fachstelle Arbeit und Leben Sachsen-Anhalt im Namen der Partnerschaft an Vertreter des Fördervereins der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben einen symbolischen Förderscheck.

Die Partnerschaft fördere nach den Worten Garlipps Projekte, die Toleranz, Transparenz und Miteinander stärken würden mit bis zu 90 Prozent der Kosten. Die Unterstützung der Lesung sei die erste Zusammenarbeit mit dem Förderverein gewesen, um das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ mit Aktivitäten zu erfüllen.