Klein Germersleben l Der Schulreformer Gotthilf Sebastian Rötger, 1749 im Pfarrhaus in Klein Germersleben geboren, ist in seinem Geburtsort nie vergessen worden, obwohl er den Großteil seines Lebens in Magdeburg verbracht hat. Bis zu seinem Lebensende 1831 hat er unter anderem das Zensurensystem eingeführt. Das weckt auch bei Auswärtigen Interesse, wie die Mitglieder des Klein Germersleber Heimatvereins erst kürzlich wieder feststellen konnten. Besuch vom Geschichtsverein für Magdeburg und Umland hatte sich angekündigt.

Das Interesse der Mitglieder des Vereins galt vor allem zahlreichen Spuren, die der Klein Germersleber Heimatverein gemeinsam mit der örtlichen Kirchengemeinde zur Erinnerung an „Vater Rötger“, wie er auch liebevoll genannt wird, geschaffen hat. So gibt es seit 2014 eine Rötger-Stube im Pfarrhaus und auf dem Platz hinter der Kirche einen Rötger-Gedenkstein.

Rötger-Nachlass im Magdeburger Kloster

Die Verbindungen zwischen Klein Germersleben und dem Magdeburger Geschichtsverein wurden bereits vor einigen Jahren geknüpft, als einige Klein Germersleber umfangreiche Recherchen zum Leben von Gotthilf Sebastian Rötger unternahmen. Dabei trafen sie im Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen auf Dr. Uwe Förster, der dort den Nachlass von Rötger verwaltet. „Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir auch einige Kopien aus dem Nachlass in unserer Rötger-Ausstellung zeigen können“, erklärt René Gehre als Mitglied des Klein Germersleber Heimatvereins heute.

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Und eben dieser Dr. Uwe Fischer gehört auch dem Geschichtsverein für Magdeburg und Umland an. Sein Ansinnen war es, mit seinen Mitstreitern nun einmal die Geburtsstätte von Gotthilf Sebastian Rötger und auch das Dorf zu besichtigen.

So hatten die Mitglieder des Heimatvereins und der Kirchengemeinde einen interessanten Dorfrundgang organisiert, bei dem unter anderem auch der alte Rötgersche Hof besichtigt wurde. „Ich habe den Besuchern dann auch noch etwas zu unserer Dorfgeschichte erzählt“, so René Gehre.

Keller im Geburtshaus am besten erhalten

In Rötgers Geburtshaus, dem Pfarrhaus, wurden sie vom Pfarrer i. R., Peter Telschow, empfangen. Er zeigte nicht nur die Rötger-Stube und die Taufschale, in der kleine Gotthilf Sebastian getauft wurde, sondern verwies auch darauf, dass sich in dem Geburtshaus im Laufe der Jahrzehnte sicher schon einiges verändert hat, das Kellergewölbe aber noch am besten erhalten ist. Hier musste seiner Ansicht nach Rötger sicher oft verweilen, wenn er etwas angestellt hatte.

Bei einem Rundgang durch die Kirche verwies Kirchengemeindemitglied Dieter Quabs auch auf die Lage der Familiengruft der Rötgers. Zu sehen ist hingegen noch der Grabstein, der in die Mauer neben der Kirche eingelassen ist.

Eine weitere Station auf dem Rundgang war dann der Rötger-Gedenkstein. Dieser befindet sich seit wenigen Tagen in guter Gesellschaft mit einem „Straßenschild“. „Seit der Einweihung des Steins hat sich der Name ‚Rötger-Platz‘ im Volksmund durchgesetzt, jetzt war es an der Zeit, das offiziell zu machen“, sagt René Gehre auch als Ortsbürgermeister. Das wurde im Ortschaftsrat besprochen. Adressänderungen hat das nicht zur Folge und der Platz ist auch nicht gewidmet.