Drackenstedt l „Wir waren sehr erfreut über Herrn Nebauers Angebot“, sagte Drackenstedts Kirchenratsvorsitzender Bernd Eggeling eingangs der Übergabezeremonie mit offizieller Vertragsunterzeichnung für die Nutzung der Dauerleihgaben in der Nicolaikirche. „Wir beschäftigen uns hier ja regelmäßig mit Themen der Dorf- und Kirchengeschichte. Der Bereich Architektur, Baukunst und Handwerk gehört zweifellos mit dazu – und dazu haben wir jetzt wunderbare Ausstellungsstücke, die es dem Betrachter ermöglichen, ein genaueres Bild davon zu bekommen, wie die Menschen im Dorf vor zweihundert, dreihundert und mehr Jahren gelebt haben. Manfred Nebauer hat Drackenstedt einen großen Dienst erwiesen.“

Eggeling hatte damit zum Ausdruck gebracht, was auch Tenor bei den rund 20 Gästen war, das wurde in der anschließenden Gesprächsrunde deutlich. „Es hätten gern ein paar Besucher mehr sein dürfen“, meinte Eggeling. „Andererseits sind die Modellbauten ja nun öffentlich und dauerhaft hier zu sehen. Da werden sich in Zukunft sicherlich noch viele Betrachter finden. Auch unsere nachfolgenden Generationen sind gewiss dankbar dafür.“

Nachbildungen früherer Gebäude

Objekte des Interesses waren am Mittwochabend sieben Dioramen mit plastischen Nachbildungen früherer Drackenstedter Gebäude, darunter die alte Wehrkirche um das Jahr 1100, der Pfarrhof aus dem 16./17. Jahrhundert oder das Westtor, das vor 700 Jahren eine Grenze zwischen den Bistümern Magdeburg und Halberstadt markierte. „Die meisten Modelle sind ja schon bekannt, denn sie entstanden bereits vor gut einem Jahrzehnt zur Drackenstedter 900-Jahr-Feier“, erklärte Manfred Nebauer.

Bilder

Er freue sich sehr, dass die Kirchengemeinde für die Dauerausstellung zu begeistern war. „Die Modelle sind doch eine passende Ergänzung zu der an der Kirchenwand hängenden Kopie der Drackenstedter Ersterwähnungsurkunde sowie auch zu den hier aufbewahrten Chronikbänden, die von Volker Limburg zusammengestellt wurden“, pflichtete Nebauer einem zuvor auch von Bernd Eggeling aufgegriffenen Gedanken bei. „Außerdem schafft es Platz bei mir zu Hause“, fügte der 86-Jährige augenzwinkernd an, „ich habe ja noch ein paar mehr Dioramen auf Lager und widme mich derzeit noch dem Schiffsmodellbau.“ Die Ausstellungsvitrine hat der Hobbybastler darum auch gleich mit dazugegeben.

Durch Archive gewühlt

Und auch der genannte Volker Limburg habe einen entscheidenden Anteil an der Entstehung der Miniaturen, betonten Eggeling und Nebauer: „Er hat sich durch die Archive und Aufzeichnungen gewühlt, um herauszufinden, womit und wie überhaupt damals in Drackenstedt gebaut wurde.“ Fachwerk zum Beispiel sei nicht gleich Fachwerk. Verwendete Baustoffe ändern sich mit der Zeit ebenso wie die Architektur und die funktionellen Ansprüche an die Häuser. Mit Limburgs Hilfe habe man Aufschluss nicht nur darüber gewonnen, welche Materialien verbaut worden sind, sondern auch „ziemlich genaue Angaben wieviel wovon.“ Das musste freilich immer erst noch in heutige Maßeinheiten übersetzt und umgerechnet werden. „Aber so ist es Manfred Nebauer gelungen, aus nackten Zahlen präzise Nachbauten anzufertigen“, sagte Limburg. „Ich ziehe den Hut davor.“

Als jüngste Miniatur aus Holz, Pappe und Farbe entstand das so genannte Witwenhaus anhand erst kürzlich gefundener Handwerkerrechnungen aus dem 18. Jahrhundert.