Zahlen und Fakten zur 116 117

Anrufer aus dem Landkreis Börde werden nicht direkt mit dem Bereitschaftsarzt verbunden. Zunächst nimmt medizinisches Fachpersonal alle relevanten Daten auf und empfiehlt dann die nächsten Schritte. Bei entsprechendem Bedarf wird der Patient mit dem Bereitschaftsarzt verbunden. Dieser darf verschreibungspflichtige Medikamente verordnen. 

9168 Arzt-Patienten-Kontakte gab es 2018 über den Bereitschaftsdienst im Landkreis Börde, davon fielen 1580 in den Bereich Wanzleben. 

Pro Tag gab es 2018 4,33 Kontakte im Bereich Wanzleben. 

Am Wochenende liegt der Bedarf über dem Schnitt.

Quelle: KVSA

Klein Rodensleben l Die 89-jährige Mutter hat bereits den ganzen Tag Atemnot. Am Abend wird es schlimmer – ein Arzt muss her. Doch wen anrufen? Die 112 ist für Notfälle gedacht. Die Nummer der 116 117 hilft bei Leiden, die nicht lebensbedrohlich sind. Eine einfache Trennung, dachte auch der Klein Rodenslebener Detlev Fricke – bis vor kurzem.

„Wir kommen nicht um die Zeit“, habe der Bereitschaftsdienst der 116 117 Detlev Fricke gesagt, als er am Sonnabend, 2. November, gegen 20.10 Uhr die Nummer wählte. Er solle mit seiner Mutter in ein Krankenhaus fahren. Der 47-Jährige habe sich mehr Hilfe vom Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) versprochen. Seine Mutter sei bettlägrig und er könne sie nicht alleine ins Krankenhaus bringen. Also rief er die 112 an. Nach sechs Minuten war der Rettungsdienst vor Ort, behandelte seine Mutter und brachte sie in eine Klinik. Doch bereits die Leitstelle habe ihm am Telefon erklärt, dass dies ein Fall für 116 117 sei.

Fahrt ins Krankenhaus unmöglich

Es war nicht das erste Mal, dass er sich vom Bereitschaftsdienst verlassen fühlte. Vier Wochen zuvor, auch an einem Sonnabend, litt seine 42-jährige Frau unter schweren Rückenschmerzen, die eine eigenständige Fahrt ins Krankenhaus unmöglich machten. Doch die 116 117 empfahl auch in diesem Fall nur die Fahrt in die nächste Klinik. Fricke hatte Glück – seine Hausärztin wohnt im Nachbardorf. Sie kam kurzfristig vorbei.

Verwirrung machte sich bei Detlev Fricke breit. Er fragt sich: „Warum haben wir denn die 116 117, wenn sie nicht kommt?“ Er suchte Antworten.

Wann muss ich die 112 oder die 116 117 anrufen und wann direkt ins Krankenhaus oder zum Hausarzt fahren?
Ist jemand in Lebensgefahr, dann sollte man die Notrufnummer 112 wählen, rät Bundesarzt Peter Sefrin vom Deutschen Roten Kreuz, der früher die präklinische Notfallmedizin der Universität Würzburg geleitet hat. Nach dem Anruf wird gegebenenfalls ein Rettungswagen mit Notarzt zum Patienten geschickt, der diesen in die Klinik fährt. Man kann auch selbst die Notaufnahme aufsuchen.

Bei weniger schlimmen Beschwerden wie akuten Bauchschmerzen, Fieber oder Brechdurchfall sollte man sich während der Bürozeiten an einen Hausarzt wenden. An Abenden, Wochenenden oder Feiertagen kann man eine Bereitschaftspraxis oder die Nummer des Bereitschaftsdienstes 116 117 anrufen.

Und wie geht es dann weiter, wenn ich die 116 117 wähle?
Der Anrufer erhält beispielsweise Adressen für die nächste geöffnete Bereitschaftspraxis in seiner Nähe oder Hausärzte, die vorbeikommen. Ist das Leiden weniger akut, gibt es manchmal auch den Rat, am nächsten Tag zum Hausarzt zu gehen – oder im Bett zu bleiben und sich auszukurieren. Oft würden Leute einfache Mittel, die unsere Großeltern noch kannten, nicht mehr kennen, sagt Sprecher Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesversicherung, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst organisiert.

Wie merke ich denn genau, ob ein Patient in Lebensgefahr ist?
Hat jemand schwere Verletzungen, Atemnot oder heftige Brust- oder Herzschmerzen, kann er in Lebensgefahr schweben, wie das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite schreibt.

Auch wenn es nicht so schlimm ist – lohnt es sich nicht auf jeden Fall in die Notfallambulanz zu fahren, um die beste Pflege zu erhalten?
Nein. Geht man wegen einer Bagatelle zum Notfallambulanz, muss man gewöhnlich lange warten. Das können in einer überfüllten Abteilung gut mal sechs Stunden sein.

Manchmal würden die Patienten bei Bagatellen auch nach Hause geschickt - mit dem Hinweis sich bei beim Hausarzt zu melden. Das passiere beispielsweise, wenn man schon eine Woche lang Schmerzen am Knie hat und dann erst am Wochenende eine Notfallambulanz aufsucht.

Einige hätten auch das Gefühl, dass es im Notfall eine Art Rundum-Check gebe, was ebenfalls nicht der Fall sei, sagt Stahl. Handelt es sich nicht um einen Notfall, erfährt man bei der 116 117 schneller, was man tun kann, damit es dem Patienten besser geht.