Oschersleben/Wanzleben l Bundesweit klettern die täglichen Corona-Fallzahlen seit dieser Woche erneut über die 2000er Marke. In Sachsen-Anhalt und damit auch der Börde bleiben die Neuinfektionen weiterhin erstaunlich gering. In der Helios Bördeklinik in Neindorf wurden seit März insgesamt 2300 Menschen per Rachenabstrich auf Covid-19 getestet, wovon weniger als zehn ein positives Ergebnis aufwiesen, sagt Dr. Edwin Heucke, verantwortlich für die Krankenhaushygiene.

In der Fieberambulanz im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Börde in Hadmersleben „wurden 3711 Personen per Rachenabstrich und auf Antikörper im Blut getestet“, sagte Dr. Uwe Milbradt, Allgemeinmediziner und Facharzt für Radiologie. Auch hier war die Zahl der Corona-Infizierten kleiner als zehn.

„Wir warten immer noch auf den ersten Corona-Patienten“, sagt Dr. Anja Wahlstab, die gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Stefan Wahlstab eine Gemeinschaftspraxis in Hohendodeleben betreibt. Dort wurden seit März 131 Personen ausschließlich negativ auf Corona getestet.

Weniger Tests

Der Rachenabstrich scheint bisher das verlässlichste Mittel zum Nachweis einer Infektion zu sein. Sowohl in der Bördeklinik als auch in der Gemeinschaftspraxis Wahlstab wurde ausschließlich auf diese Weise getestet. Antikörper-Bluttests und Nasenabstriche wurden nur im MVZ Börde neben dem Rachenabstrich genutzt. „Die Bluttests auf Antikörper können zeigen, ob eine Coronainfektion unbemerkt stattgefunden hat“, sagt Milbradt. Zur Nachverfolgung von Infektionsketten sei das hilfreich.

Von April bis Juni war die Nachfrage nach Tests im MVZ besonders hoch. Im September hätten sich bisher nur 278 Personen testen lassen (Stand 18. September 2020). Vorher wurde durchschnittlich etwa 600 Mal pro Monat getestet.

Im Bördeklinikum wird seit Juli jeder stationär aufgenommene Patient auf das Virus getestet, weshalb kein Trend in der Nachfrage erkennbar ist.

Bei Anja und Stefan Wahlstab hätten sich ab Juli 93 Menschen testen lassen. Vorher waren es mit 33 weitaus weniger, auch weil zu Beginn der Pandemie wegen zu geringer Kapazitäten nur sehr gezielt bei Erfüllung definierter Kriterien getestet werden durfte.

Corona-Schutzmaßnahmen und Verordnungen stellen insbesondere für kleinere Praxen wie die von Anja und Stefan Wahlstab eine Herausforderung dar: „Anfangs bekamen wir von der Kassenärztlichen Vereinigung alle zwei Tage Handzettel mit veränderten Regeln.“ Seit März wird dreimal pro Woche eine Infektsprechstunde in der Gemeinschaftspraxis angeboten. „Diese Patienten behandeln wir nur in Schutzkleidung“, berichtet das Ärztepaar aus Hohendodeleben. Sobald sie mit einer infizierten Person ohne diese Schutzkleidung in Kontakt kämen, müsste die Praxis für zwei Wochen schließen. „Das wollen wir natürlich nicht“, sagt Anja Wahlstab. Erschwerend komme hinzu, dass es derzeit leichte Lieferengpässe bei Schutzkleidung und Teströhrchen für die Rachenabstriche gäbe. Die Wahlstabs hoffen, dass es sich dabei nur um ein vorübergehendes Problem handelt. Masken, OP-Hauben und SFP2-Masken seien aber ausreichend vorhanden.

Das MVZ Börde könne bisher keine Engpässe an medizinischer Schutzausrüstung bestätigen. Dazu sagt Uwe Milbradt: „Am Anfang war die Situation katastrophal. Da mussten wir für deutlich überteuerte Preise einkaufen, was da war. Jetzt ist das zum Glück vorbei.“

Auch die Bördeklinik ist ausreichend auf Lieferengpässe vorbereitet: „Bei Helios gibt es ein zentrales Lager, in welchem große Mengen an Schutzmaterialien für alle Häuser der Region vorgehalten werden“, erklärt Dr. Erwin Heucke.

Mit dem Heraufbeschwören einer zweiten Welle für die Börde halten sich sowohl Milbradt als auch Heucke und die Wahlstabs zwar zurück. Dafür seien die Zahlen zu niedrig. Dennoch mahnen sie weiter zur Vorsicht: „Abstand, Hände waschen und Masken sind derzeit unsere einzigen Abwehrmechanismen. Selbst die simpelste Stoffmaske ist besser als nichts. Darauf müssen wir weiter bauen. So viel Disziplin muss sein“, mahnt Milbradt.

Stefan Wahlstab stimmt zu: „Manche Patienten verstehen nicht, warum wir so einen Aufwand betreiben. Einige sagen, die Pandemie sei vorbei und dass wir uns nicht so haben sollen. Das ist erschreckend, die Achtsamkeit muss unbedingt aufrecht erhalten werden.“

Aktuell darf sich jeder Patient mit Symptomen einer Atemwegserkrankung bzw. mit Erkältungssymptomen nach Ermessen des Arztes auf Corona testen lassen.

Für Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten besteht laut Bundesgesundheitsministerium die Möglichkeit zur kostenlosen Testung seit Dienstag mit Ende der Ferienzeit nicht mehr. Für all diejenigen, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, gelte weiterhin der Anspruch auf einen kostenlosen Test bis zehn Tagen nach der Einreise.

Fünf Infizierte im Landkreis

Im Landkreis gibt es aktuell fünf infizierte Menschen. Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie 204 Personen mit dem SARS-CoV-2 angesteckt. 13 von ihnen sind mit oder an dem Virus gestorben. Differenzierte Zahlen für die einzelnen Ortschaften gibt es nach Angaben von Uwe Baumgart, Pressesprecher des Landkreis Börde, nicht.

 

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html oder www.landkreis-boerde.de/menschen/gesundheit/coronavirus/