Wanzleben l Die Zuckerrüben werden in der sogenannten Kampagne von verschiedenen Speditionen an das Werk in Klein Wanzleben geliefert und dort zu Zucker verarbeitet. Dazu rollen die im Volksmund „Rübenbomber“ genannten Lkw über die Straßen des Kreises und benachbarten Regionen, um ihre Fracht zum Bestimmungsort zu bringen. Das geschieht zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten – quasi rund um die Uhr.

Das erregt die Bürger und diese klagen über Lärmbelästigung (Volksstimme berichtete). Direkte Beschwerden an das Werk in Wanzleben oder gar die Nordzucker AG hat in diesem Jahr wohl noch niemand gerichtet. Das jedenfalls sagte Pressesprecherin Tanja Schneider-Diehl von der Media - & Press Relations der Nordzucker Group auf Nachfrage der Redaktion zu der Thematik.

„Wir als Nordzucker AG nehmen Beschwerden jeder Art ernst und gehen diesen konsequent nach. Bislang sind im Werk Klein Wanzleben keinerlei Beschwerden von Bürgern zu den Rübentransporten eingegangen“, äußerte sich die Pressesprecherin.

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Die Nordzucker AG beauftrage die Rübentransporte. „Daher ergreifen wir seit Jahren schon im Vorfeld und auch während der Kampagne Maßnahmen, um die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten“, führte sie weiter aus. „Dazu gehören das Aufstellen von Geschwindigkeitsanzeigen in Absprache mit den Gemeinden sowie das Anbringen von großflächigen Bannern, um die Transporteure laufend daran zu erinnern, insbesondere nachts ruhig durch die jeweiligen Ortschaften zu fahren.“ Die Banner seien an neuralgischen Punkten auf dem Fabrikgelände sowie an der Ein- und Ausfahrt zu einigen Ortschaften angebracht.

„Täglich fahren rund 750 Rüben-Lkw das Werk über den gesamten Tag verteilt an. Die Anfuhr erfolgt von Montag bis Sonnabendabend“, erläuterte Tanja Schneider-Diehl „Am Sonntag werden keine Rüben gefahren. Unsere Rüben werden über drei Hauptrouten – Wanzleben, Seehausen, Oschersleben – in das Werk transportiert.“

Die Nordzucker AG weise die Transporteure in jedem Jahr vor der Kampagne auf rücksichtsvolles Verhalten beim Transportieren von Zuckerrüben hin. „Dazu gehört eine angepasste, umwelt- und ressourcenschonende Fahrweise, der Einsatz von qualifiziertem Fachpersonal sowie die Kommunikation in die Transportgruppen, verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll unterwegs zu sein“, betonte die Sprecherin.

„Wir bekennen uns zur Zuckerfabrik, wissen aber auch, dass es eine Belastung in der Zeit der Transporte gibt. Wir wollen, dass diese so gering wie möglich für die Bürger ist“, brachte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates zu dem Thema vor. Deshalb hatte die Stadt Wanzleben-Börde bereits am Mitte August einen Antrag an den Landkreis Börde gestellt, in einigen Ortschaften wie Remkersleben, Klein Wanzleben, Eggenstedt und Bergen, die besonders belastet sind, während der Nachtstunden die Höchstgeschwindigkeit für Lkw auf 30 Kilometer pro Stunde zu begrenzen.

Die Straßenverkehrsbehörde des Kreises wies darauf hin, dass das Verhängen von 30er Zonen während der Rübenkampagne an bestimmte Bedingungen geknüpft sei. Dazu gehörten unter anderem Verkehrszählungen, deren Ergebnisse erst abgewartet werden müssten.

„Unabhängig davon könnte man einfach auf die Zahlen des Vorjahres zurückgreifen. Das wäre unbürokratisch, schnell und anliegerfreundlich, es geht um die Menschen, die an den vielbefahrenen Straßen wohnen“, verdeutlichte Kluge. Die Stadt befürchte, dass die Rübenkampagne nahezu vorbei sein werde, bevor eine Regelung erfolgen könne. Das Problem sei inzwischen in einem Brief an Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) dargelegt worden.

Betroffen sind von der Lärmbelästigung besonders die Einwohner von Blumenberg. Hier donnern die Lkw durch die Straßen des Ortsteils, obwohl ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde gelte. Das bestätigen gleich mehrere Einwohner gegenüber der Volksstimme. Als weiteres Problem wurde auch der Müll angesprochen, für welchen mutmaßlich Fahrer der Rübenkampagne verantwortlich sein sollen. Die Hinterlassenschaften seien an den Ackerrändern zu finden, wo die Lkw auf ihre Beladung warten. Das brachte ein Bürger aus Blumenberg vor, der eine solche Fläche kürzlich beräumt hat.