Klein Wanzleben l Täglich außer sonntags fahren bis zu 750 Lkw die Fabrik der Nordzucker AG in Klein Wanzleben an, um tonnenweise Rüben abzuladen. Der Transport des „Weißen Goldes der Börde“ sorgt während der noch bis Januar 2019 andauernden Kampagne im Zuckerdorf und den Orten, die auf den drei Hauptrouten – Wanzleben, Seehausen, Oschersleben – liegen, für Belastungen der Anwohner. Landrat Martin Stichnoth (CDU) hat jetzt die Zuckerfabrik besucht, um mit den Verantwortlichen unter anderem über dieses Problem zu sprechen.

„Wir sind ein landwirtschaftlich geprägter Landkreis“, stellte Stichnoth zunächst klar. Deshalb ließen sich Transporte von landwirtschaftlichen Produkten wie Zuckerrüben auf den Straßen nicht vermeiden. Was jedoch zu Beschwerden von Bürgen führe, die der Landkreis Ernst nehme und versuche, zwischen allen Beteiligten zu vermitteln und auf eine gewisse „Toleranz auf dem Lande“ setze. Der CDU-Politiker bot an, in diesem Prozess moderieren zu können. Die Transporte einschränken zu wollen, sei jedoch aus ordnungsrechtlicher Sicht nicht möglich. Vielmehr müssten sich alle an das geltende Recht halten.

Schulungen und Schilder

Wie Udo Harten, Leiter der Zuckerfabrik Klein Wanzleben, sagte, würden alle Fahrer der Speditionen, die die Rüben transportieren, vor dem Start der Kampagne von der Nord Zucker AG geschult werden, um die Belastungen der Bevölkerung in den Dörfern durch die Transporte so gering wie möglich zu halten. Bereits auf dem Werksgelände weisen große Plakate die Brummifahrer darauf hin, sich in den Ortschaften gerade nachts ein selbst auferlegtes Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde zu halten. Auf eine Bitte aus Schermcke hin, sei in dem Dorf auch am Straßenrand ein derartiges Plakat aufgestellt worden. Ebenso habe die Nordzucker AG etliche elektronische Tafeln in den Dörfer finanziert, die die aktuell gefahrenen Geschwindigkeiten anzeigen. „Wir haben auch schon überlegt, auf die Fahrten nachts zu verzichten. Das würde jedoch den Verkehr am Tage noch verdichten und ist deshalb keine Lösung“, verdeutlichte Harten.

Bilder

„Wir haben nach Hinweisen aus der Bevölkerung bereits Routen bei den Rübentransporten verändert und umfahren somit bestimmte Ortschaften“, sagte Tim Haase vom Maschinenring Haldensleben und Umgebung, der in Zusammenarbeit mit Speditionen die Lkw-Transporte der Rüben von den Feldern in die Zuckerfabrik Klein Wanzleben organisiert. Diese Änderungen der Routen seien mit Mehrkosten verbunden, die die Nordzucker AG übernehme. Für Haase sei jedoch ein gewisser Grad an Belastungen durch die Transporte für die Bevölkerung in den Ortschaften nicht zu vermeiden. Er setzte auf gegenseitige Rücksichtnahme und eine verbesserte Kommunikation. Sollten Bürger Beschwerden haben, könnten sie sich jederzeit an das Klein Wanzleber Rübenbüro wenden.

Wirtschaftliche Bedeutung für Region

Auf die wirtschaftliche Bedeutung des Zuckerrübenanbaus und der Verarbeitung des landwirtschaftlichen Produktes direkt in der Region machte Rainer Knackstedt, Landwirt aus Dedeleben und Vorsitzender des Zuckerrübenanbauerverbandes Magdeburg, aufmerksam. Die Zuckerfabrik in Klein Wanzleben werde von 750 landwirtschaftlichen Betrieben beliefert. An einem Arbeitsplatz in der Zuckerfabrik würden neun weitere Arbeitsplätze in der Region hängen.