Klein Wanzleben l „Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Schildbürgerstreich von den Behörden. Jetzt zum Ende der Rübenkampagne werden in Klein Wanzleben und Remkersleben die 30er-Schilder aufgestellt“, ärgerte sich Horst Flügel, Ortsbürgermeister des Zuckerdorfes Klein Wanzleben. Erst vor gut einer Woche sind in der Alten Hauptstraße von Klein Wanzleben und im benachbarten Remkersleben die Verkehrsschilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde für Lkw, die von 22 bis 6 Uhr mit dem Hinweis „Lärmschutz“ gilt, aufgestellt wurden.

Flügel bemängelte das träge Verhalten der Verkehrsbehörde des Landkreises Börde, die das Einrichten der 30er Zonen in den Dörfern erst genehmigen musste. Die Anzahl der Fahrten der Lkw zur Zuckerfabrik seien seit Jahren bekannt. Und dass es dabei zu Lärmbelästigung gerade nachts komme, ebenso. Täglich außer sonntags rollen während der Kampagne rund um die Uhr etwa 750 Lkw mit Rüben zur Zuckerfabrik.

Genehmigung dauerte zu lange

Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) bestätigte, dass die Stadt eine verkehrsbehördliche Anweisung vom Landkreis Börde bekommen habe, die Schilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung aufzustellen. Die Stadt habe bereits im Sommer den Antrag dafür bei der Straßenverkehrsbehörde des Kreises gestellt. Der Kreis wiederum habe von der Stadt Wanzleben eine Verkehrszählung gefordert, die belege, dass das Einrichten der 30er Zonen auch berechtigt sei.

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Für Kluge sei das nicht nachvollziehbar, da die Zahlen der Lkw-Fahrten während der Kampagne seit Jahren vorliegen würden. Auch Kluge kritisierte, dass die Genehmigung so lange gedauert habe. Der Wanzleber Bürgermeister hoffe, dass das Verfahren im nächsten Jahr schneller abgeschlossen werde und in den Dörfern rund um die Zuckerfabrik Klein Wanzleben während der Rübentransporte nachts ein besserer Lärmschutz für die Bevölkerung herrsche.

„Die Durchführung des Genehmigungsverfahrens zur Einrichtung von Geschwindigkeitsbeschränkungen zum Lärmschutz ist vom Landesverwaltungsamt vorgegeben“, erklärte Jürgen Till, Leiter des Straßenverkehrsamtes des Landkreises Börde. Für die aktuellen Anträge habe der Baulastträger Verkehrszählungen durchführen müssen. Diese Zählungen konnten erst Anfang November erfolgen. Danach seien auf Grundlage der Ergebnisse die notwendigen Lärmschutzberechnungen durchgeführt worden. „Im Ergebnis wurde für drei Orte eine verkehrsbehördliche Anordnung getroffen“, sagte Till. Das heißt, die 30er-Zonen wurden in Klein Wanzleben, Remkersleben und Ampfurth eingerichtet.

Rübentransporte sind vorbei

„Heute rollen die letzten Rübentransporte ins Werk. Die Verarbeitung dauert noch bis zum Wochenende. Dann sind die Kampagne und die Zuckerverarbeitung beendet“, sagte am Freitag Markus Schröder vom Agri Center Klein Wanzleben, das die Rübentransporte für die Zuckerfabrik koordiniert, zur Volksstimme.

„Die Hektar-Erträge sind der Trockenheit des Jahres 2018 wegen um etwa ein Drittel eingebrochen. Entsprechend wird auch die Laufzeit der Kampagne deutlich kürzer“, verdeutlichte Udo Harten, Werksleiter der Zuckerfabrik der Nordzucker AG in Klein Wanzleben. Die Zuckerfabrik verarbeite derzeit etwa 14 800 Tonnen am Tag. Wie viele Tonnen es während der gesamten Kampagne seien, könne Harten noch nicht sagen. Am Sonntagnachmittag dürften die letzten Rüben verarbeitet werden. Die Fabrik werde dann über die Weihnachtsfeiertage leergefahren. „Wir hoffen, dass alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dann Silvester zu Hause feiern können“, sagte Harten.