Klein Wanzleben l Täglich rollen etwa 750 Lkw in die Zuckerfabrik Klein Wanzleben, um während der noch bis ins Jahr 2019 andauernden Kampagne das „Gold der Börde“ zur Verarbeitung in dem Werk der Nordzucker AG abzuladen. Außer sonntags werden die Rüben über die drei Hauptrouten – Wanzleben, Seehausen, Oschersleben – in das Werk transportiert. Die Transporte belasten Einwohner und Straßen in den Ortschaften der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde.

„Festzustellen bleibt, dass Klein Wanzleben auf die 180-jährige Geschichte der Zuckerproduktion und -züchtung, die den Ort weltweit bekannt gemacht hat, nach wie vor stolz ist und damit bisher nicht schlecht gelebt hat. Denn der Ort hat sich nur deswegen so entwickeln können, hat sich aber mit allen Unbilden auch abfinden müssen“, stellte jetzt Horst Flügel, Ortsbürgermeister des Zuckerdorfes Klein Wanzleben, gegenüber der Volksstimme fest.

Arroganz der Behörden

Deshalb verstehe Flügel durchaus auch den Ärger einiger Bürger über nun einmal gegebene Belastungen durch die Rüben-Lkw, die aber für den Ort durch die Sperrung in Seehausen wohl stärker als in allen anderen Orten der Einheitsgemeinde seien. „Doch wenn es Land und Landkreis nicht fertig bringen, in den am meisten betroffenen Orten 30er Zonen während der etwa viermonatigen Kampagne einzurichten und auf neue Messungen verweist, obwohl die aus mindestens zehn Jahren vorliegen und daran sich nicht viel geändert hat, spricht dies schon von einer gewissen Arroganz der übergeordneten Behörden. Übrigens auch über die Reaktionen auf die miserabel ausgeführte Reparatur in der Alten Hauptstraße“, verdeutlichte Flügel.

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„Wenn Einwohner Verstöße feststellen, dann fahren Sie doch einmal hinter einen sogenannten Bomber her, notieren sich die Nummer des Kennzeichens und rufen bei der Zuckerfabrik an, die ein offenes Ohr dafür haben wird“, riet Flügel Bürgern, die sich durch die Transporte stark belästigt fühlen.

200 Arbeitsplätze im Werk

Doch sieht Flügel auch die positiven Aspekte dieser Fabrik mit ihren etwa 200 Arbeitsplätzen direkt im Werk und vielen in der Landwirtschaft, der Logistik und im Handwerk. „Wollen die ewigen Nörgler, dass eine Schließung erfolgt und es damit mehr Arbeitslose gibt und noch weniger Gewerbesteuern in die Stadtkasse fließen, wobei aus über der Hälfte der Orte unserer Großkommune überhaupt keine kommen?“, fragte Flügel. Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindertagesstätten und die ärztliche Versorgung im Zuckerdorf könnten sich jedoch durchaus sehen lassen.

Und dass viele Menschen nach Einschätzung von Horst Flügel an der Zuckerfabrik Interesse haben würden, zeigten auch die Besucherzahlen bei der „Süßen Tour“. Und nicht unerwähnt solle bleiben, dass inmitten des Ortes auf dem Gelände der alten Fabrik von Nordzucker in eigener Regie für mehr als 15 junge Familien ein lebenswertes Wohngebiet geschaffen worden sei.

Nach Ansicht von Horst Flügel würden die Vorteile, die Klein Wanzleben durch die Zuckerfabrik hat, überwiegen. „Nicht umsonst hat sich der Ort den Zusatznamen ‚Zuckerdorf‘ gegeben, um auf seine geschichtliche Bedeutung aufmerksam zu machen. Übrigens als einziges Dorf in Deutschland“, sagte er. Flügel setzt auf den Dialog aller Betroffenen, um berechtigte Unzulänglichkeiten im Interesse aller abzustellen.