Remkersleben l Remkerslebens Ortschronist Christian Becker kommt ins Schwärmen, wenn es um die Kirche seines Heimatortes geht. Seit Jahren begleitet er aktiv den Wiederaufbau des Gotteshauses. Er deutet auf die Verzierungen an der Wand neben dem Altar. „Bis zu diesem Jahr wussten wir nicht einmal, dass die Wände und Säulen so schön gestaltet waren“, erläutert der Ortschronist. Der Restaurator habe in einem Magdeburger Archiv alte Fotografien aus der Kirche gefunden und diese als Vorlage für seine Arbeit genutzt. In sehr vielen einzelnen Arbeitsstunden sei so die Struktur wieder zum Vorschein gekommen. Parallel zu den Restaurationsarbeiten liefen auch die Arbeiten an dem über 150 Jahre alten Gebälk unter den Emporen auf beiden Seiten des Kirchenschiffes an.

„Das ist übrigens bereits das zweite Kirchenschiff“, erklärt Becker weiter. Das erste sei Mitte des 19. Jahrhunderts so stark einsturzgefährdet gewesen, dass sich der damalige Pfarrer für Abriss und Neubau entschieden habe. Nicht zuletzt kam ihm dabei seine familiäre Situation zugute. „Der gute Pfarrer hatte nämlich zu Lebzeiten drei Frauen und mit denen hatte er wiederum 13 Kindern.“ Letztendlich seien zwei von ihnen Bauingenieure geworden, die den Neubau des Kirchenschiffes begleiteten.

Orgel renoviert

Eine andere Baustelle, welche Becker selber in Angriff genommen hat und seit einigen Jahren wieder schöne Töne von sich gibt, ist die alte Orgel. „Die konnten wir selber wieder in Gang bringen und bares Geld dabei sparen“, erzählt der Orts­chronist stolz. Zu DDR-Zeiten hatte man das Kirchenhaus und die Orgel sich selbst überlassen und dem Verfall preisgegeben. „Da haben sich dann halt auch mal ein paar Tierchen in der Orgel eingenistet.“ 28 Jahre lang hatte die Orgel keinen Ton von sich gegeben und galt bereits als abgeschrieben. Das wollte der Elektroingenieur nicht auf sich sitzen lassen und nahm das Instrument näher in Augenschein. Dabei fand er sogar eine mittlerweile fast 85 Jahre alte Gelddose.

„Ich habe als erstes den Elektromotor Baujahr 1932 ausgebaut und geprüft.“ Dabei stellte Becker fest, dass das Gerät einwandfrei lief. Als er diesen Motor dann wieder eingebaut habe, habe sich sogar der Blasebalg bis zum Äußersten aufgebläht. „Nur zwei kleine Löcher mussten in den Lamellen geflickt werden, ansonsten hat alles funktioniert.“ Lediglich die Orgelpfeifen mussten alle wieder geputzt werden. Das hatten Anfang der 2000er dann die Frauen aus Remkersleben übernommen und der Orgel somit zu altem Glanz zurück verholfen. Seitdem funktioniert diese wieder einwandfrei.

Sogar ein russischer Organist aus Moskau war auf das Projekt aufmerksam geworden. Er hat seitdem mehrere Konzerte auf der Remkersleber Orgel gespielt und damit sogar eine CD aufgenommen. 1000 Stück erhielt die Remkersleber Kirchengemeinde. Mit deren Erlös wird die Sanierung der 1855 erbauten Kirche zum Teil mitfinanziert.

„Wann die Orgel das nächste Mal ertönen wird, steht noch nicht zu hundert Prozent fest“, erklärt Christian Schreiner von der Kirchengemeinde. Eigentlich wolle man am 6. Dezember 2020 ein Konzert mit dem Polizeiorchester und dem Männerchor stattfinden lassen, jedoch sei das aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht sicher. „Da müssen wir jetzt abwarten, wie sich die Lage entwickelt.“ Falls das Konzert stattfindet, dann natürlich unter sehr strengen hygienischen Voraussetzungen. „Wir haben dann auch maximal 120 Plätze zur Verfügung.“ Normalerweise bietet das sanierte Kirchenschiff Platz für bis zu 430 Personen.

Noch ein weiter Weg

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg, um die fast fertig sanierte Kirche wieder besucherfähig zu machen. „Den größten Part wird dabei wohl das Saubermachen einnehmen“, erklärt Schreiner und lacht. Man habe aber eine sehr engagierte Kichengemeinde, welche schon in den Startlöchern stehe. Ansonsten seien es vor allem kleine Arbeiten die noch anstünden. „Zum Beispiel müssen alle Lichtschalter wieder angebracht werden und einige Lampen gewechselt.“ Auch die Altarbehängung müsse erneuert werden. „Es gibt zwar eine, aber die ist nicht mehr wirklich präsentabel.“ Vor allem sei man aber froh, das sich die Kirche seit Mai diesen Jahres so gut gemacht habe. „Das verdanken wir nicht zuletzt den Bauarbeitern“, lobt Schreiner abschließend.