Wanzleben/Groß Rodensleben l Die neue Schiedsperson der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Jürgen Wichert (parteilos). Der Ortsbürgermeister von Groß Rodensleben soll für fünf Jahre den Posten übernehmen, wenn der Stadtrat am Donnerstag, 12. Dezember, zustimmt. Aber wer ist Jürgen Wichert und was macht eine Schiedsperson?

„Eine Schiedsperson ist eine zwischengeschaltete Person, die schlichten soll“, erklärt Wichert seine zukünftige Aufgabe. Damit soll verhindert werden, dass in Streitfällen immer gleich die Justiz eingeschaltet werden muss. In den meisten Fällen wären dies Nachbarschaftsstreitigkeiten und ausschließlich zivilrechtliche Probleme, die bei Wichert auf dem Tisch landen würden.

Seit 1978 Polizist

Und schlichten sollte Wichert können. 1978 trat der gebürtige Magdeburger der Polizei bei. Seine Motivation damals schon – für den Bürger da zu sein. 1996 zog er nach Hemsdorf. Das Gemeinschaftsgefühl, die Landschaft und eine Altersvorsorge in Form eines eigenen Hauses haben ihn dort hingezogen.

Sein Engagement, dem Bürger etwas Gutes zu tun, endete nicht mit der Polizeiarbeit. 1999 trat er dem Ortschaftsrat in Groß Rodensleben bei und 2004 wurde er stellvertretender Bürgermeister. Seit 2008 ist er Bürgermeister, beziehungsweise Ortsbürgermeister seit Gründung der Einheitsgemeinde im Jahr 2010. Zudem leitet er das Vereinshaus des SV Eintracht Groß Rodensleben.

Um den zusätzlichen Mehraufwand durch die Berufung in das Ehrenamt der Schiedsperson macht sich der ehemalige Polizist keine Sorgen. „Was ist schon dabei, zwei streitende Parteien zu einem Gespräch einzuladen und zu schauen, ob etwas klärbar ist oder nicht. Wenn nicht, dann geht es eben vor Gericht“, sagt er. Zudem soll es in den letzten drei bis vier Jahren nur fünf Streitfälle gegeben haben, die vor der Schiedsstelle gelandet seien. Was der Ortsbürgermeister schade findet, ist dass sich in der gesamten Einheitsgemeinde keine weitere Person gefunden hat, die an der Position interessiert war. Jürgen Wichert ist der einzige Bewerber seit dem Ausscheiden von Andrea Kolakowsky im September.

Die letzten fünf Jahre Amtszeit

Die Amtszeit der Schiedsperson ist auf fünf Jahre begrenzt. Im Jahr 2024 soll zusätzlich auch mit seiner Tätigkeit als Ortsbürgermeister Schluss sein, verrät Wichert. Trotz seiner Altersteilzeit seit 2013 befindet sich der 61-Jährige immer noch in einer Art Vollzeitjob. „Ich gehe zu jeden runden Geburtstag, aber auch zu jeder Beerdigung. Als Ortsbürgermeister kann man nicht nur Feiern mitnehmen“, sagt er. Weiterhin veranstaltet er jeden ersten Dienstag im Monat den „Kaffee beim Ortsbürgermeister“ im Heimatverein. Dort wird über Aktuelles der Kommunalpolitik gesprochen, über Klatsch und Tratsch sowie die Geschichte Magdeburgs, der Börde und natürlich Groß Rodenslebens. Die zahlreichen Ausschüsse und Räte der Einheitsgemeinde besucht er ebenfalls.

Er liebt diese Aufgaben, aber er möchte sich irgendwann die Zeit nehmen, als Großvater für seine Enkel da zu sein und seine Werte weiterzugeben. „Es gibt Sachen, die sind wichtiger als Geld“, wäre ein Beispiel, das Wichert nennt. Als er nämlich in Altersteilzeit ging, verzichtete er auch auf viel Geld im Monat. Geld, das er für die Zeit eintauschte, die er seitdem in die Arbeit für die Gemeinde steckt.

Seine Arbeit als Schiedsperson tritt Wichert in dem Moment an, in dem der Stadtrat ihn wählt. Sollte es dann zu schlichtende Streitigkeiten geben, können sich Bürger telefonisch unter 039209 / 44 70 an die Verwaltung der Einheitsgemeinde wenden, die den neuen Streitschlichter einschaltet.