Endgültige Entscheidung trifft die Versammlung des Trink- und Abwasserverbandes

Stadtrat für teuerste Betriebshof-Variante

Von René Döring

Oschersleben l Wenn es allein nach dem Willen des Oschersleber Stadtrates ginge, dann würde der Trink- und Abwasserverband Börde (TAV) für seinen neuen Betriebshof in Oschersleben mehr als 1,2 Millionen Euro ausgeben. Denn das Gremium hat sich mit großer Mehrheit für die teuerste der vier vorliegenden Varianten ausgesprochen. Die billigste Variante würde weniger als eine Million Euro kosten. Die Entscheidung trifft jedoch die TAV-Verbandsversammlung, in der Oschersleben 21 von 72 Stimmen hat. Die anderen Stimmen besitzen die Stadt Wanzleben sowie die Einheitsgemeinden Westliche Börde, Obere Aller und Sülzetal.

Gebaut werden soll der Betriebshof auf dem Gelände der Oschersleber Wohnungsgesellschaft Bewos in der Magdeburger Straße, auf dem einst der Verein Alge sein Domizil hatte und das der TAV der Bewos inzwischen abgekauft hat.

Die nun vom Oschersleber Stadtrat befürwortete Variante sieht nicht nur neue Pkw-Hallen, eine Werkstatt, Sozial- und Umkleideräume, einen Prüfraum sowie Lagermöglichkeiten für Rohre und Werkzeuge vor, sondern zudem einen Turm, der unter anderem für Ausstellungen genutzt werden soll.

Diesen von der TAV-Geschäftsführerin Vinny Zielske befürworteten Ausstellungsturm hält der TAV-Verbandsversammlungsvorsitzende Burkhard Kanngießer für überflüssig. Deshalb hat sich der Stadtrat während seiner jüngsten Zusammenkunft ein weiteres Mal mit diesem Thema beschäftigt, da Kanngießer in der Beratung zuvor nicht anwesend war und so seinerzeit nur Vinny Zielske ihre Auffassung vorgetragen hatte.

Nun war Kanngießer, der zudem SPD-Fraktionschef im Stadtrat ist, an der Reihe. Er sprach sich gegen den Turm aus, weil nach seiner Auffassung in dem zwei Millionen Euro teuren neuen TAV-Verwaltungsgebäude gleich nebenan genügend Platz für Ausstellungen sei. Und auch die inzwischen von der TAV-Geschäftsführerin ins Gespräch gebrachte Idee, den Bereich Rohrleitungsbau, der derzeit in Hötensleben und anderen Orten untergebracht ist, mit in den Turm zu holen, sei für Kanngießer nicht logisch. "Dieser Bereich arbeitet in der Fläche und sollte auch dort stationiert sein."

Die Mehrkosten, die der Turm verursache, "sind den Gebührenzahlern gegenüber nicht zu vermitteln", so Kanngießer. Denn die müssten am Ende die Kosten zahlen. Zumal schon aufgrund der demographischen Entwicklung die Kosten für die Abwasserentsorgung und Trinkwasserversorgung in Zukunft steigen würden.

Jedoch hat Kanngießer die Mehrheit des Rates mit seiner Argumentation nicht überzeugt. Etliche Ratsmitglieder, beispielsweise der CDU-Fraktionsvorsitzende Torsten Schubert, haben sich aus städtebaulicher Sicht für den Turm ausgesprochen. "Das wird ein schönes Haus an einer schönen Stelle", so Schubert.

Die Abstimmung war dann eindeutig. Während lediglich drei Ratsmitglieder für die billigste Variante stimmten, waren 21 für die teuerste. Die beiden Varianten dazwischen bekamen keine Ja-Stimme.

So muss Burkhard Kanngießer nun bei der Entscheidung in der TAV-Verbandsversammlung gegen seinen Willen im Namen der Stadt Oschersleben für die teuerste Variante stimmen. Und das auch tun werde, wie er sagte.

Diese Entscheidung soll noch vor dem Sommer fallen, wie Vinny Zielske auf Anfrage sagte. Und noch in diesem Jahr soll mit dem Bau begonnen werden.