Osterweddingen l Über 70 Gäste kamen zum Wirtschaftsstammtisch der Gemeinde Sülzetal in die „Klosterscheune“, dem Vereinsdomizil des Kultur- und Heimatvereins Osterweddingen.

„Ich bin absolut erfreut über diese sagenhafte Resonanz. Wir haben heute Abend eine breite Palette an Themen vorbereitet und können anschließend darüber in kleinen Gruppen sprechen“, begrüßte der Wirtschafts- und Entwicklungsplaner der Gemeinde, Fred Fedder, die Besucher.

Mit einem Grußwort entschuldigte der Staatssekretär aus dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr, Sebastian Putz, den Minister Thomas Webel, der gerne gekommen wäre, aber einen langristigen Termin nicht habe absagen können.

Gute Rahmenbedingungen schaffen

„Heute Abend ist hier der richtige Kreis versammelt, um Probleme zu besprechen“, urteilte Putz. Eine diese Schwierigkeiten sei sicherlich der drohende Fachkräftemangel. Hier sei das duale Ausbildungssystem, wie es in Deutschland praktiziert würde, ein wichtiges Standbein. „Wir müssen es weiter stärken, sein Ansehen – auch in den Medien – erhöhen, anstatt über Krötentunnel zu diskutieren.“

Wichtig sei es auch, im Industriegebiet Osterweddingens gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Das sei unverzichtbar, betonte Putz. Hierzu gehöre zweifelsfrei eine gute Verkehrsanbindung und ein benutzerfreundlicher, öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV).

Diesen Faden griff der Landrat des Landkreises Börde, Martin Stichnoth, sofort auf. Er habe sich „die Anbindung an die B 81 auf den Tisch gezogen. Das ist ein dickes Brett, das wir da bohren. Aber letztlich geht es ja auch um ein landesbedeutsames Industriegebiet“. Mit Blick auf die Landesregierung in Magdeburg sagte Stichnoth, dass das Sülzetal starke Partner brauche, um hier eine Verbesserung der Anbindung zu erreichen.

Porträts und Referate

In einem Kurzreferat stellte anschließend der Haldenslebener Niederlassungsleiter der Firma Hövelmann, Frank Maslock, sein Unternehmen vor. Das Unternehmen biete logistische Dienstleistungen sowie Lagerflächen. Allein in Haldensleben halte die Firma 28.000 Quadratmeter Lager- und Speditionsfläche vor. Pro Jahr würden die insgesamt 700 Mitarbeiter sechs Millionen Paletten bewegen.

Das zweite Unternehmens-Kurz-Proträt kam von dem Betriebsleiter der Firma „Nutzfahrzeuge & Service“, Josef Simkes. An drei Standorten stellten über 100 Mitarbeiter, 40 davon in Osterweddingen, Fahrzeuge speziell nach Kundenwünschen her. Das Geschäft, speziell auch in Osterweddingen, laufe so gut, dass bis Ende des Jahres im Industriegebiet Osterweddingen ein weiterer Fahrzeugtrakt und ein zusätzliches Bürogebäude entstehen würden.

Einen Blick in eine mögliche Alternative zum Antriebsstoff Diesel lieferte Philip Maximilian Braunschweig von der Firma „Liquind GmbH“. Vor dem Hintergrund einer enormen Zunahme der Schwertransporter sei es unabdingbar, Diesel durch verflüssigtes Erdgas dank der hohen Energiedichte zu ersetzen, konstatierte er. Die Reichweite sei ähnlich hoch wie bei Diesel, der Kohlendioxid-Ausstoß aber um 20 Prozent geringer, die Lärmbelastung sinke um die Hälfte und es gebe keinen Feinstaub und auch kein Stickoxid, so Braunschweig.

ÖPNV-Vertreter und Netzwerker

Die Vorzüge des ÖPNV pries danach der Geschäftsführer von „marego“, Jost Beckmann, an. Zu marego gehörten acht Verkehrsunternehmen, die unter dem einem Dach den Kunden ein optimiertes Angebot lieferten. „Unsere künftigen Pluspunkte sind ein noch besser vertakteter Abfahrtsplan, eine optimierte Anbindung des Industriegebiets und eine zentrale Bahn-Bus-Schnittstelle in Osterweddingen.“

„Wo kommen denn die Führungskräfte von morgen her?“ Mit dieser Frage begann Lars Wärmer vom Netzwerk „SchuleWirtschaft“ seinen Vortrag ein. „Hier geht es um den Spagat zwischen den Anforderungen der Unternehmen und dem Leistungsvermögen der Schulen.“ Das Netzwerk bespreche dies immer wieder an runden Tischen, um die gegenseitigen Erwartungen klar zu machen.

„Die Schulabgänger erhalten von uns eine persönliche Einladung zu einer Berufsmesse. Hier können sie gezielt Gespräche mit möglichen Arbeitgebern führen“, sagte Wärmer, „hier können sie Praktika und auch Ausbildungsplätze klar machen – das sind keine Veranstaltungen, wo die Mädchen und Jungs nur mit Tüten herum laufen, um möglichst viele Giveaways zu sammeln.“

Praxisbezogene Themen

„Das war ein sehr kompakter, sehr interessanter Abend. Alle für uns als Unternehmer relevanten Themen wurden hier aufgegriffen“, sagte der Geschäftsführer von „f | glass“, Dr. Thomas Belgardt, nach dem letzten Vortrag.

Der Leiter der Niederlassung von „Chefs Culinar“ in Osterweddingen, Dirk Jerxsen, meinte, dass „es sich auf jeden Fall gelohnt hat, hier hin zu kommen. Alle Themen waren praxisbezogen. Es ist immer interessant, bei solchen Veranstaltungen auch andere Unternehmer kennen zu lernen und so sein Netzwerk zu verdichten. Die Möglichkeit, so schnell und so unkompliziert das zu schaffen, gibt es selten“.

„Wir sehen, was hier wächst. Wir bleiben hier dran. Wir helfen, wo wir können“, versprach der Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, Jörg Methner, den Unternehmern. Entscheidend sei nun die Anbindung an die B 81. Das Industriegebiet Osterweddingen sei ein wichtiger Motor in der Region. Eine Anbindung unverzichtbar.

Der Vorsitzende des Gemeinderats und CDU-Landtagsabgeordnete, Guido Heuer, betonte gegenüber der Volksstimme, dass „der Stammtisch gezeigt hat, dass die Unternehmen inzwischen den Fortschritt im Sülzetal und vor allem im Industriegebiet Osterweddingen wahrnehmen und unterstützen. Ministerpräsident Reiner Haseloff wird bei seinem Gespräch in Berlin im Ministerium aufgrund des jetzt vorliegenden Verkehrsgutachtens gute Argumente für den Anschluss an die B 81 haben“.