DRE sieht keinen Handlungsbedarf - Leser kritisiert marodes L24-Gleisbett und alte Schranke

Streckenbetreiber lehnt Forderungen nach mehr Sicherheit am Unfall-Bahnübergang ab

Von Sabrina Trieger

In der Diskussion um eine verbesserte Beleuchtung am Unfall-Bahnübergang in Wanzleben hat der Streckenbetreiber das Angebot der Stadt, die Leuchtmittel an das kommunale Netz anschließen zu können, ausgeschlagen. Die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) teilte gestern auf Nachfrage mit, dass sie keine neuen technischen Sicherungen installieren werde.

Wanzleben/Remkersleben/Seehausen l Nach dem Unfall, bei dem ein Lkw Anfang Dezember mit der Lok des Bioethanolzuges am unbeschrankten Bahnübergang in Wanzleben zusammengestoßen war, wurden Forderungen nach mehr Sicherheit laut.

Bürgermeisterin Petra Hort (Die Linke) sprach sich im Auftrag des Stadtrates für eine neue Beschrankung sowie für eine verbesserte Beleuchtung am L50-Bahnübergang aus. Bauamtsleiter Olaf Küpper forderte ebenfalls bei einem von der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises einberufenen Vorort-Termin eine bessere Ausleuchtung des Abschnitts sowie eine neue technische Sicherung. "Jedes Parkhaus ist besser beleuchtet als dieser Übergang", hatte er in Richtung des Mitarbeiters der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE) Ronny Däweritz gewettert. Die Stadtverwaltung hatte bei jenem Treffen Mitte Dezember dem Streckenbetreiber das Angebot unterbreitet, neue Leuchtmittel an das kommunale Stromnetz anschließen zu können. Der DRE-Vertreter gab an, dass er die Vorschläge und Forderungen zur internen Beratung mitnehmen wolle.

Kurz vor Weihnachten stellte sich dann ein erste Reaktion ein. Bahnmitarbeiter schraubten im Auftrag des Streckenbetreibers zwei neue, zusätzliche Andreaskreuze querliegend vor dem Geisbett an. Das sollte es dann aber auch schon gewesen sein.

Die Volksstimme fragte gestern beim Straßenverkehrsamt des Landkreises nach, ob es knapp einen Monat nach dem Unfall, bei dem glücklicherweise keine Personen verletzt worden waren, irgendein Signal seitens des Betreibers zu den technischen Forderungen gegeben habe?

Behördenmitarbeiter Fritz Wilding: "Der Betreiber hat sich nach unserer Verkehrssicherheitsschau Mitte Dezember bis auf das zwei neue Andreaskreuze montiert worden sind, nicht weiter gerührt. Das Angebot der Stadt an die Deutsche Regionaleisenbahn, dass sie eine neue Beleuchtung an das kommunale Stromnetz anklemmen könnten, wurde ausgeschlagen."

Wilding kündigte in dem Gespräch an, sich nun mit dem Landesbeauftragten der Eisenbahnaufsicht Thomas Bernhardt erneut in Verbindung setzen zu wollen, um zu klären wie in diesem Fall weiter verfahren werden könne.

Denn: "Der Betreiber hat hier vor rund vier Jahren die Signalanlagen aufgehoben. In wie weit diese jedoch zurückgebaut werden durften und wieder aufgebaut werden müssen, ist zu klären. Dazu läuft derzeit ein Rechtsstreit", hatte Thomas Bernhardt bereits kurz nach dem Lkw-Lok-Unfall erklärt. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, könne er nicht sagen. "In Köln sind für die Klärung solch eines ähnlichen Falls schon mal drei Jahre ins Land gegangen", sagt er.

Das Verkehrsministerium hatte diesbezüglich erklärt, dass das Land zum Planfeststellungsverfahren im Juni 2012 eine Anordnung eingebracht habe. "Dagegen hat die DRE Klage ohne Begründung eingereicht", so Ministeriumssprecher Bernd Kaufholz.

"Bahnübergang ist so wie er ist zulässig"

Gerhard J. Curth, DRE-Geschäftsführer

Gerhard J. Curth, Vorsitzender Geschäftsführer der DRE, sagte gestern auf Nachfrage, dass für ihn der Fall um die Forderungen nach mehr Sicherheit für den L50-Übergang erledigt sei. "Der Bahnübergang ist nach den Eisenbahnvorschriften absolut regelkonform und uns so wie er ist von der Bahnaufsicht genehmigt worden. Wir haben alle Parameter erfüllt. Von unserer Seite wird es deshalb auch keine Veranlassung geben, eine technische Sicherung wie Blinklichter, eine Schrankenanlage oder Lampen einzurichten."

Jenes Sicherheitskonzept sei nur dann zu erfüllen und vorgeschrieben, wenn den Übergang 3000 Fahrzeuge pro Stunde passieren würden. Oder Züge die Strecke im zwei-Stunden-Takt befahren würden. "Und das ist hier nicht der Fall. Es sind rund 2500 Fahrzeuge, die pro Stunde das Gleisbett queren und im Durchschnitt zwei Züge pro Tag. Also sind wir gesetzlich nicht verpflichtet technische Sicherungen einzubauen."

Die Bioethanoltransporte sollen laut Curth auch weiterhin vom Zug aus manuell via Streckenposten gesichert werden.

Sollte der Straßenbaulastträger das Begehren beispielsweise nach einer verbesserten Beleuchtung haben, könne er einen Vertragsentwurf bei der DRE einreichen, merkte Curth an.

"Zahn der Zeit nagt an den alten Schranken"

Leser Udo Wilke aus Eggenstedt

Angemerkt wissen wollte Volksstimme-Leser Udo Wilke, dass die alte Schrankenanlage in Remkersleben "aus Sicherheitsgründen auch langsam mal entfernt werden könnte".

Der Eggenstedter sagte am Lesertelefon: "Der Zahn der Zeit nagt hier bereits stark an den Seilen. Hier ist bestimmt schon 15 Jahre lang kein Zug mehr gefahren. Ich denke die Anlage kann weg, bevor sie umfällt. Schließlich ist bereits das ehemalige Gleisbett asphaltiert worden." Eine frische Fahrbahndecke wünscht er sich auch für den maroden Übergang am Ortsausgang Seehausen Richtung Dreileben. "Die Überfahrt ist eine Zumutung für jeden Verkehrsteilnehmer", schimpft er. Landkreismitarbeiter Wilding dazu: "Für die entwidmete Strecke ist ein Rückbau der Gleise vorgesehen." Der hätte eigentlich seines Wissens nach, wie auch die Demontage der alten Schranken in Remkersleben, schon längst Geschichte sein müssen. "Die DRE muss hier die Schienen entfernen, genauso wie die ,Urwaldtechnik\' am Ortsausgang in Remkersleben", sagte Wilding.