Der Schlammpeitzger (Misgurnud fossils)

Der Schlammpeitzger gehört zur Familie der Steinbeißer (Cobitidae) und gilt aufgrund von Verlusten seiner Lebensräume als ein selten. Der Schlammpeitzger besitzt zehn kräftige, nach vorn abgespreizte Barteln und einen langgestreckten Körper. Die Körperlänge eines ausgewachsenen Schlammpeitzgers beträgt zwischen 15 und 27 Zentimeter und kann eine maximale Länge von 30 Zentimetern erreichen. Der langgestreckte Körper ist vorne fast drehrund, zylindrisch und im hinteren Bereich seitlich stark abgeflacht. Sein Maul ist klein und unterständig. Der Europäische Schlammpeitzger hat eine ausgeprägte Darmatmung. Als Darmatmer bezeichnet man solche Fische, die nicht nur im Wasser gelösten Sauerstoff über die Kiemen atmen können, sondern den Sauerstoff aus der an der Oberfläche geschluckten Luft im stark durchbluteten Darm aufzunehmen. Darmatmer können somit auch in von längeren Hitze- und Trockenperioden bedrohten Gewässern überleben.

Neuwegersleben l „Mit unserem Vorhaben wollen wir das Vorkommen des Schlammpeitzgers im Großen Bruch dauerhaft schützen und stabilisieren“, erklärt der Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes, Uwe Neumann. Das soll durch die Schaffung sogenannter Sekundär-Habitate in Form von Grabentaschen und –schleifen, welche mit dem Grabensystem verbunden sind, geschehen.

Laut Neumann ist das Vorkommen des Schlammpeitzgers im Großen Bruch in einem vorangegangenen Projekt, welches in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Börde vorbereitet wurde, erfasst, die Eigenschaften der Gewässer bewertet und Maßnahmen zum Erhalt der Population erarbeitet worden. In einer Masterarbeit des ehemaligen Studenten Robert Klung an der Hochschule Anhalt im Jahr 2015 sei nachgewiesen worden, dass sich die Hauptvorkommen des Fisches auf die größeren Vorfluter wie beispielsweise dem Großen Graben sowie einzelne Zuläufe dieser Gräben konzentrieren.

Grabentaschen für bedrohte Fischart

Da der ursprüngliche Charakter des Lebensraums beispielsweise durch geschaffene Gräben zur Entwässerung nicht mehr vorhanden sind, sollen die für den Schlammpeitzger typischen Reproduktions- und Wohngewässer in dem Naturschutzgebiet zumindest in Teilen wiederhergestellt werden. Diese könnten weitestgehend von der Gewässerunterhaltung ausgenommen werden und somit dauerhaft geeignete Rückzugsräume bieten.

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Eine Möglichkeit wäre die Schaffung von Grabentaschen. „Dabei handelt es sich um eine einseitige Aufweitung eines Grabens mit unbefestigter und tieferer Grabensohle als die bisher vorhandene“, erklärt der Geschäftsführer, der bereits im Landkreis Harz Erfahrungen mit den Grabentaschen gesammelt hat. Um eine Verlandung zu verhindern, müsste eine Grabentasche alle fünf bis zehn Jahre vorsichtig von Vegetation beräumt werden.

Öffentliche Flächen bevorzugt

Eine zweite Möglichkeit besteht im Bau sogenannter Grabenschleifen. „Das sind schleifen- oder ohrenförmige Grabenaufweitungen gegenüber der Hauptunterhaltungsseite eines Graben“, klärt Uwe Neumann weiter auf. Die Aufweitungen seien am oberen sowie am unteren Ende mit dem Grabensystem verbunden und hätten ebenfalls eine tiefere Sohle als die bisher vorhandene. Die so entstandene Insel soll bepflanzt werden. Die so beschattete Grabenschleife wäre so vor übermäßigem Bewuchs und vor Verlandung geschützt.

Geeignete Flächen zur Umsetzung sind laut dem Geschäftsführer bereits durch die Untere Naturschutzbehörde vorgeschlagen worden. Besitzer sind entweder die öffentliche Hand, Naturschutzvereine oder landwirtschaftliche Betriebe. „Wir bevorzugen natürlich öffentliche Flächen“, betont Neumann.

Fünfstellige Summe für Maßnahme

Bereits im März 2019 hat der Unterhaltungsverband einen entsprechenden Antrag im Rahmen der „Artensortenförderung 2019“ eingereicht. „Das Vorhaben ist genehmigt. Nun muss nur noch der Vertrag mit dem Land ratifiziert werden“, sagt Neumann. Zulassungen durch die Untere Wasserbehörde sowie die Untere Naturschutzbehörde lägen auch schon vor. Insgesamt sind für die Umsetzung der Maßnahmen Mittel in Höhe von mehr als 95.000 Euro eingeplant. Mit dem Beginn der Baumaßnahmen rechnet der Verbandschef noch 2019.