Hemsdorf/Magdeburg l Die Schrotequelle in Hemsdorf füllt derzeit gerade einmal das kleine Auffangbecken auf dem Grundstück von Detlef Feldmann. „In den letzten Tagen ist nur eine Regenmenge von wenigen Millimetern bei uns gefallen“, sagt er auf Volksstimme-Nachfrage. „Diese Menge hatte ganz sicher keine wesentlichen Auswirkungen auf den Wasserstand in der Schrote.“

Ohnehin sei nicht nur die kleine Ursprungsquelle in Hemsdorf für das Wasser in dem kleinen Fluss verantwortlich. „Auch andere Quellen speisen die Schrote mit Wasser und es fließt Oberflächenwasser ein“, erklärt Feldmann. „Dabei schlängelt sich der Lauf quer durch den Landkreis Börde über Magdeburg – wobei sie am Zoo vorbeiführt – letztendlich der Ohre entgegen.“ Die Schrote gilt allgemein als Fluss, auch wenn sie heutzutage oft nur den Anschein erweckt, als wäre sie ein kleiner Bach. Die „große Vergangenheit“ bezeugen die Ausmaße der Brücken, die über sie hinweg führen. Zeiten mit Niedrigwasser oder ein Trockenfallen von einzelnen Bereichen seien allerdings völlig normal und auch hinlänglich dokumentiert.

Landesbetrieb stimmt zu

Beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) sieht man das ähnlich. „Die Schrote wird vom Flussbereich Schönebeck des LHW regelmäßig unterhalten und befindet sich derzeitig in einem planmäßigen Zustand“, antwortet Martina Große-Sudhues, Geschäftsbereichsleiterin Betrieb, Unterhaltung auf eine Anfrage der Volksstimme. „Ein vollständiges Trockenfallen der Schrote stellt keinen Einzelfall dar. Bereits in den Jahren 2005 und 2018 musste eine stellenweise bis vollständige Austrocknung des Gewässers festgestellt werden.“ Bis auf einen Bereich in Magdeburg-Diesdorf war die Schrote im Magdeburger Stadtgebiet noch kurz vor den Regenfällen der letzten Tage komplett trocken.

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Die Schrote im Blick hat Prof. Dr. Volker Lüderitz von der Hochschule Magdeburg-Stendal. Seine Lehrgebiete: Renaturierung und Revitalisierung von Gewässern, Naturschutz und Wasserwirtschaft, Ökotechnologien der Wasseraufbereitung. Gerade an der Schrote in der Magdeburger Goethestraße hat der Hochschullehrer eine Dauermessstelle eingerichtet, die er regelmäßig mit seinen Studenten auswertet.

Artenzahl war schon reduziert

Dabei werden auch alle wirbellosen Tiere erfasst. „Wir haben schon bei der Trockenheit 2018 in der Schrote festgestellt, dass die Artenzahl um Zweidrittel reduziert war. Nur wenige resistente Arten hatten überlebt“, sagt Volker Lüderitz. In diesem Jahr bietet sich nun das gleiche Bild – nur noch früher im Jahr. Bei einer ohnehin vergleichsweise geringen Zahl von 25 verschiedenen Arten, ein starker Einschnitt. Dabei hatte sich die Schrote seit den 1990er Jahren gut erholt, so Volker Lüderitz. Und bereits hier habe es zehn Jahre gedauert, bis sich wieder mehr Organismen angesiedelt hatten.

Gerade solche Gewässer wie die Schrote, die durch Oberflächenwasser gespeist werden, seien von langanhaltender Trockenheit schnell betroffen, bestätigt der Fachmann. Aber auch Gewässer, die durch Grundwasser gespeist werden, bekommen mehr und mehr Probleme. Denn die Grundwasserreservoirs seien gesunken. Helfen würde Flüssen wie der Schrote, deren Bett oft mit Pflastersteinen kanalisiert ist, eine Renaturierung. Beispielsweise mit lebender Ufersicherung durch Bäume anstatt Beton.

Prozess wird verlangsamt

„Das verhindert zwar keine Austrocknung bei langer Trockenheit, aber es verlangsamt den Prozess, zudem wird dadurch die Artenvielfalt erhöht“, so der Professor. Auch kleinere Flüsse seien wichtig. „Sie sind Lebensraum, sie dienen der lokalen Klimastabilisation und natürlich dem Landschaftsbild“, so Volker Lüderitz.

Das sind Worte, die bei Peter Assel aus Hemsdorf auf fruchtbaren Boden fallen. Er ist der Vorsitzende des örtlichen Fördervereins Kulturhaus und quasi ein „Ureinwohner“ des Ortes. „Ich selber bin noch als Kind mit Skiern durch den Schrotegraben gefahren“, erzählt er. „Später wurde der Fluss komplett verrohrt und heute liegt der Acker darüber. Erst ab dem Steinbruch ist das Bett wieder frei.“

Schneefall fehlt

Um die Schrote aber wieder komplett „zum Laufen zu bringen“ fehle seiner Meinung nach in der heutigen Zeit der Schneefall im Winter. „Das Tauwasser hat seinerzeit als großer Zuleiter von Oberflächenwasser gedient und es war eigentlich ganzjährig Wasser vorhanden“, sagt er.

Die Schrotequelle in Hemsdorf an sich ist in ihrem jetzigen Zustand ein echtes Kleinod und stellt ein funktionierendes Biotop dar. Dieses lockt schon einmal Schulklassen nach Hemsdorf oder Wandergruppen aus der Umgebung.

Früher Wasserversorgung für Tiere

„Das Wasser ist zu DDR-Zeiten überprüft worden“, berichtet Assel. „Man konnte es abgekocht genießen.“ Der Fluss wurde allerdings als Wasserversorgung für die Tiere genutzt. Er wurde einfach mit Ställen überbaut und das Wasser per Eimer geschöpft. Da die Konstruktion irgendwann zusammenbrach, leitete man das Flussbett rings um die Gebäude. Seither ist die Quelle der Schrote zu einem Ziel für Wanderer und neugierige Naturfans geworden. Inzwischen wird hier auch wieder Wasser geschöpft, um bei Taufen zur Anwendung zu kommen. Im Quellbecken, welches einst ausgemauert worden ist, sammelt sich auch das Oberflächenwasser und darin sind seit knapp zwei Jahren die vielfältigen Rückstände der intensiven Landwirtschaft zu bemerken.