Klein Wanzleben l Eine böse Überraschung erlebte auch Erika Martin am Morgen des 14. Juni, nachdem Starkregen und Hagel im gesamten Landkreis Börde teils starke Schäden verursacht hatten. Eine Weide am Graben hinter dem Grundstück von Erika Markus war umgestürzt und liegt seitdem teilweise auf ihrem Hof. Die Baumkrone ragt fast bis an ihr Haus. „Wäre es ein kleinerer Baum, hätte ich mich selbst gekümmert, aber das schaffe ich nicht“, sagt Erika Markus.

Also wandte sie sich zunächst an den Wanzleber Bauhofleiter Jan Flügel, der sie wiederum an den Unterhaltungsverband Untere Bode (UHV) verwies. Dessen technischer Leiter Hans-Dirk Sill stellte fest, dass der Zugang zum Baum von Bauschutt auf dem angrenzenden Grundstück blockiert war. Er informierte Verena Thielecke, der dieses Grundstück gehört und die dementsprechend für den Abtransport des Bauschuttes verantwortlich ist.

Lange nichts geschehen

Zwar bat Sill Verena Thielecke Ende Juni um Beseitigung des Schutts. Bis gestern rührte sich jedoch nichts. „Ich habe eine Firma damit beauftragt, die mich immer wieder vertröstet hat“, sagte Thielecke dazu. Dass der Abtransport gestern plötzlich sehr schnell in die Wege geleitet wurde, sei Zufall und habe nichts mit den Nachfragen der Volksstimme zu tun, betonte sie. Nachdem die Volksstimme auch beim UHV nachhakte, setzte sich Hans-Dirk Sill erstmals seit drei Monaten wieder mit Erika Markus persönlich in Verbindung.

Der Weg zum Baum ist nun zwar frei. Der Abtransport werde aber ein paar Tausend Euro kosten, so Sill. Im nächsten Schritt müsse geklärt werden, wem der Baum gehört, also auf wessen Grundstück die Weide stand. Dafür gebe es drei Szenarien, weiß Bauhofleiter Jan Flügel: „Entweder stand der Baum auf einer Separationsfläche oder er gehört entweder zu Frau Thieleckes oder Frau Markus‘ Grundstück.“ Dann wären jeweils die Grundstückseigentümerinnen für die Beseitigung der Weide verantwortlich. „Das kann ich nicht bezahlen“, sagte Erika Markus unter Tränen, „dann bleibt der Baum eben liegen.“ Es handele sich vor Ort um eine „besondere Situation, die erst geprüft werden muss“, sagte auch Ordnungsamtsleiter Kai Pluntke.

Das Erdreich sei durch den Fall des Baumes vom Wurzelwerk zwar stark angehoben, „Wasserleitungen sind aber nicht beschädigt“, sagte Sill. Darum bestehe seiner Meinung nach auch keine Eile, den Baum zu entfernen. Die Verzweiflung von Erika Markus könne er nicht nachvollziehen. Schließlich habe er ihr Ende Juni mitgeteilt, dass erst der Bauschutt entfernt werden und die Besitzverhältnisse für den Baum geprüft werden müssten, bevor etwas getan werden kann. Ob und welche Überprüfungen innerhalb der vergangenen drei Monate stattgefunden haben, konnte Sill der Volksstimme gegenüber aber nicht sagen.