Seehausen l „Ich bin richtig stinkig. Was hier in der Stadt Seehausen läuft, ist richtig schlimm“, macht Ortsbürgermeister Eckhard Jockisch (Freie Wähler Gemeinschaft) seinem Ärger Luft. Unlängst habe er einen Anruf aus Stendal in der Altmark bekommen. Der Unternehmer am anderen Ende der Leitung wollte von ihm wissen, ob die leer stehenden, überdachten Garagen, die früher der Bauhof in Seehausen an der Ringstraße nutzte, zur Miete stünden. Oder ganz und gar zum Verkauf. Dem ansonsten schlagfertigen Jockisch habe es die Sprache verschlagen wegen dieser Anfrage.

Dabei schien für die Nutzung der überdachten Stellplätze, die bis vor wenigen Monaten vom Bauhof der Stadt Wanzleben-Börde genutzt worden, alles klar. Nach einer Umstrukturierung des Bauhofes und seiner Konzentration von Personal und Technik am Standort Klein Wanzleben, sollte die Stellfläche mit Dach zu einer Veranstaltungsstätte der Seehäuser Vereine werden. Hier könnten alle Vereine ihre Veranstaltungen an einem vor Wetterunbilden geschützten Ort durchführen und müssten nicht irgendwo auf der grünen Wiese Zelte aufbauen und aufwändig für die Versorgung der Besucher sorgen.

Wanzleben hat andere Pläne

Doch die Stadt Wanzleben habe andere Pläne und wolle die Immobilie auf Biegen und Brechen zu Geld machen, hat Ortsbürgermeister Jockisch eine böse Ahnung. Dabei habe Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) versichert, wenn die Seehäuser Vereine diese Fläche für sich nutzen wollen, dann sei das eben so. Auch habe sich der Ortschaftsrat Seehausen eindeutig dafür ausgesprochen, diese überdachte Fläche für die Vereine zu deklarieren.

Eine weitere Eskalation birgt die Nutzung der zuvor gebrauchten Räume des Bauhofes im Gebäudekomplex an der Ringstraße, der der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen als Gerätehaus und ihrem Förderverein als Domizil dient. Der Stadt Wanzleben liegen nach eigenem Bekunden Anfragen von Hilfsorganisationen vor, die diese Räume und einen Stellplatz neben den Feuerwehrfahrzeugen als Rettungswache nutzen zu wollen. Hintergrund ist, dass der Landkreis Börde den Rettungsdienst turnusmäßig neu ausgeschrieben hat. Dabei sei das Los, das die Versorgung der Stadt Wanzleben und der Einheitsgemeinde Sülzetal mit den Leistungen des Rettungsdienstes betrifft, räumlich in Richtung Niederndodeleben erweitert worden. Deshalb sei es aus Sicht der Hilfsorganisationen erforderlich, in Seehausen eine neue Rettungswache zu etablieren, um die gesetzlich vorgeschrieben Hilfsfristen zum Erreichen der Patienten zu erfüllen. „Die Räumlichkeiten sind für eine Rettungswache völlig ungeeignet und müssten mit großem Aufwand umgebaut werden“, ist sich Jockisch sicher.

Eckhard Jockisch hat jetzt die Seehäuser Vereine zu einer Krisensitzung eingeladen, um das weitere Vorgehen zu beraten und um zu erfahren, was die Vereine wollen. Die Sitzung findet am Montag, 15. Oktober, um 19 Uhr in der „Sonne“ am Friedensplatz statt.