Altenweddingen (mmt) l Ein gutes Dutzend interessierter Bürger waren am Dienstagabend im Bethgesaal dabei, als zum ersten Mal in der Öffentlichkeit über Strategien für die zukünftige Nutzung der großen Altenweddinger Kirche St. Martin einschließlich der Nebengebäude gesprochen wurde. Raimund Müller-Busse, Pfarrer des Kirchspiels „Im Sülzetal“, schilderte einleitend die aktuelle Situation „Das Sitzplatzangebot von über 800 Plätzen in unserer größten Kirche im Sülzetal ist sicherlich schon unmittelbar nach dem Bau kaum vollständig genutzt worden. Selbst zum Heiligabendgottesdienst gibt es noch freie Plätze. Wenn wir nun über eine Restaurierung des imposanten Gotteshauses nachdenken, müssen wir gleichzeitig auch das Thema einer geeigneten Nutzung betrachten.“

Gemeinsam mit dem Architekten Dr. Berthold Heinicke hatte Pfarrer Müller-Busse in der Vergangenheit alle anderen Kirchen im Kirchspiel vor dem Verfall gerettet und größtenteils restauriert. Nun sei das Gotteshaus in Altenweddingen an der Reihe. Hier schien es keine größeren baulichen Probleme zu geben, weshalb an St. Martin bislang nur akute Schäden durch Sturm und Regen beseitigt wurden.

Nun liegen bautechnische Gutachten vor, die zeigen, dass doch diverse Schäden am Bauwerk zu entdecken sind. Insbesondere an den Auflagen der Holzbalken im Mauerwerk gibt es einige Bereiche oberhalb der Tonnendecke, die von Schwamm befallen sind. Solche Schäden müssten zügig behoben werden, weil die teilweise rasche Ausbreitung von Schwamm die statische Festigkeit des Gebäudes gefährde. Derzeit werde der Turm ebenfalls auf seinen Bauzustand untersucht.

Zu möglichen Nutzungskonzepten zeigte Heinecke eine Fotopräsentation ausgeführter Beispiele in anderen Kirchen im Kirchenkreis Egeln. Eine vielversprechende Variante könne es sein, den Bereich unter der Orgelempore durch Isolierglaswände vom übrigen Kircheninnenraum abzutrennen und den entstandenen abgeschlossenen, leicht heizbaren Raum als Winterkirche zu benutzen. Darüber hinaus könne man ihn so gestalten, dass er als „gute Stube im Sülzetal“ für Ehrungen und als repräsentativer Treffpunkt für die Gemeinde Sülzetal genutzt werden könne.

Heute dient der Bethgesaal als Winterkirche und für innerkirchliche Veranstaltungen. Dieser Saal ist derzeit nur zum Teil nutzbar und müsste ebenfalls saniert und mit Teeküche und Toilette erweitert werden.

Baumängel müssen behoben werden

Ein zentrales Thema für alle kirchlichen Bauten in Altenweddingen ist der nicht vorhandene barrierefreie Zugang. Hier könnte am Bethgesaal am einfachsten Abhilfe geschaffen werden. Sollte jedoch die Restaurierung des Kircheninneraums tatsächlich einschließlich der erweiterten Nutzung als „gute Stube“ umgesetzt werden, so müsste für den Bethgesaal eine neue Verwendung gefunden werden.

Am Ende des Abends wurde klar, dass als vordringliches Ziel die Beseitigung der Baumängel im Bereich der Holzbalken und –decken bearbeitet werden müssen, ehe an eine Restaurierung des Deckengewölbes und des Innenraums der Kirche gedacht werden könne.

Auch der Kirchbauverein in Altenweddingen, der sich seit mehreren Jahren bemüht, mit neuen Projekten die Kirche zu verschönern, wird seine Arbeit zunächst auf dieses übergeordnete Ziel richten müssen. Die Vorstellung, die Kirchenfenster und die farbliche Gestaltung des Innenraums zu erneuern, können erst umgesetzt werden, wenn das Gesamtkonzept und die verschiedenen Genehmigungen für dessen Umsetzung vorliegen.

Immerhin zeigt ein weiteres, bereits erstelltes Fassungs-Gutachten, dass die Altenweddinger Kirche vornehmlich in der Farbe Altweiß und einem hellen Steingrau gehalten war, was ein freundliches und lichtes Erscheinungsbild im Vergleich zur heutigen recht dunklen Farbgebung verspricht.

Nachdem Pfarrer Müller-Busse und Berthold Heinicke verschiedene Fördervarianten und die möglichen Wege erläutert hatten, eine Teilfinanzierung aus dem gerade startenden neuen Leader-Projekt zu bekommen, war allen Zuhörern klar, dass ein mühsamer, aber nicht aussichtsloser Weg vor der Kirche liege, die Finanzierung und die Umsetzung der sauber zu strukturierenden Projektschritte zu realisieren.

Das gemeinsame Ziel, die Kirche im Dorf zu erhalten, sie zu verschönern und eine erweiterte Nutzung zu ermöglichen, hatten wohl alle Gäste im Blick. Details dazu müssen noch weiter entwickelt werden.

Die ausgesprochen gute Akkustik der Kirche kann schon bald, am 1. November, bei der diesjährigen Hubertusmesse bewundert werden, bei der auch Superintendent Matthias Porzelle eine Ansprache halten wird.