Vereinsleben

Wanzleber Verein hofft auf Corona-Ende

Vereine haben es in der Corona-Pandemie nicht einfach. So ist das auch beim SV Blau-Weiß Empor Wanzleben.

Von Christian Besecke
In Gruppen mit fünf Personen darf zur Zeit schon wieder auf dem Sportplatz trainiert werden. Das demonstrieren Philipp Neuendorf (von links), Theo, Patrick Kemmena, Ole und Klaus Rüske vom SV Blau-Weiß Empor Wanzleben.
In Gruppen mit fünf Personen darf zur Zeit schon wieder auf dem Sportplatz trainiert werden. Das demonstrieren Philipp Neuendorf (von links), Theo, Patrick Kemmena, Ole und Klaus Rüske vom SV Blau-Weiß Empor Wanzleben. Foto: Christian Besecke

Wanzleben

Als Vorsitzender des Vereins kann Rainer Hetke, wenn er denn will, ein ganzes Lied über die Probleme singen. Seit neun Monaten ist er im Amt. Diese Zeit ist seither angefüllt mit organisatorischen Aufgaben, die mehr Einsatz von den Vorstandsmitgliedern erfordern, als es zuvor üblich war.

Der Verein hat jetzt fünf Abteilungen und rund 260 Mitglieder und feiert übrigens dieses Jahr den 140. Geburtstag, wenn das dann möglich ist. Seit November 2020 war kein Training möglich. Erst jetzt gibt es wieder die ersten zaghaften Schritte – nach Corona-Auflagen. „Die erste Lockerung gab es Ende März“, berichtet Hetke. „Die steigende Inzidenz hat uns aber wieder einen Strich durch die Pläne gemacht.“ Verwirrend für die Verantwortlichen und Sportler war, dass es im Land aber keine einheitliche Linie gab. So lief in anderen Landkreises bei einer höheren Inzidenz das Training, während in Wanzleben anscheinend nichts ging. Grund war, dass die Vereine auf sich allein gestellt blieben. „Es gab keine Rückendeckung von Verbänden und niemand wusste so richtig, wie alles zu handhaben war“, erzählt der Vorsitzende. „Daher sind wir auf Nummer sicher gegangen, um unsere Leute nicht zu gefährden.“

Wenig Rückhalt von den Verbänden

Ein wenig Rückenhalt hätte sich der Wanzleber da schon erhofft, der kam aber von keiner Seite. Ein Gutes hatte die Situation. Die Mitglieder konnten sich um den Platz und um Renovierungsarbeiten kümmern. Auch das lief alles coronakonform ab und die Sportler packten kräftig mit an. Während im Verein die Organisation bestens klappte, herrschte allgemein in Land und Bund eher ein Chaos, da niemand klare Vorstellungen zum Umgang mit den Verordnungen entwickelte.

„Der Sport ist hinten runter gefallen, an den wurde einfach nicht gedacht, obwohl er ein großes Element im Leben der Menschen ausmacht“, schätzt Rainer Hetke ein. Motivierend für ihn sei die gute Zusammenarbeit im Verein gewesen. Problematisch sei es aber mittlerweile auf Mitgliederebene. „Die Menschen wollen eine klare Perspektive und ihrem Hobby nachgehen“, sagt er. „So manch einer wirft die Flinte ins Korn, weil er keine Besserung sieht. Das ist aber in allen Vereinen in unserer Region so.“ So müssen Gespräche geführt werden und die Vorstandsmitglieder erklären viel über die besonderen Umstände. Die Wanzleber sind sich inzwischen einig, dass sie jetzt wieder langsam öffnen wollen. „Das ist auch mit dem Ordnungsamt der Stadt abgesprochen“, betont der Vorsitzende. „In dieser schweren Zeit wurde uns von dort der Rücken gestärkt, über klare Ansprachen zur Machbarkeit.“

Training hat jetzt wieder begonnen

Bislang dürfen allerdings nur Kinder bis zu 14 Jahren wieder in Kleingruppen trainieren. In ganz Deutschland laufen die Vereine dagegen Sturm. Es gibt eine Petition, die eine Heraufsetzung der Altersgrenze fordert. Die könnte allerdings noch einige Unterschriften aus der Bevölkerung vertragen. „Wir beteiligen uns daran. Über Facebook und unsere Webseite informieren wir dazu“, sagt Hetke.

Für ihn sei gerade die Einschränkung bei den Kindern absolut unverständlich. „Der Nachwuchs ist unser aller Zukunft“, stellt er klar. „Den Kindern wird fast jegliche Möglichkeit genommen, Sport im Verein zu treiben.“ Das verstoße gegen den natürlichen Bewegungsdrang. Und noch etwas hebt der Vorsitzende hervor: Alle Wettbewerbe auf landeebene sind abgebrochen worden und auch für die neue Saison sieht es nicht gut aus.

„Gerade den jungen Sportlern wird jegliche Motivation genommen, wenn sie sich nicht im Wettkampf beweisen können“, erklärt er weiter. „Was, wenn es wieder einen Saisonabbruch gibt. Wir brauchen aber Vergleiche der Sportler.“ So gebe es schon erste Kontakt nach Oschersleben, um so wenigstens in der Nachbarschaft Turniere abhalten zu können.

Es ist zudem ein abgestimmtes Konzept erarbeitet worden, anderen Vereinen Zugang zum Sportplatz des Bördestadions zu geben. Das betrifft auch besonders die Rehagruppen des Gesundheits-, Therapie- und Behindertensportvereins Wanzleben (GTB). Bald sollen auch die anderen Sportgruppen hier aktiv sein können. „Vorgesehen sind erst einmal 60 Personen, die sich im Stadion aufhalten können“, erläutert der Vorsitzende. Wichtig sei auch die ausreichende Zahl an Trainern dafür. Bei Blau-Weiß Empor blicke man zuversichtlich auf die nächsten Wochen und Monate.

Dann ist da noch die Zusage, langgehegte Projekte endlich umsetzen zu können. So stehen 412000 Euro zur Verfügung, den Sanitärtrakt, die Giebelwand und den Balkon endlich zu sanieren. Die Wanzleber können dazu Vorschläge und Vorstellungen einfließen lassen. Das Vergabeverfahren läuft im Juni/Juli an und im August soll wohl schon die Umsetzung beginnen. Lange Jahre hatte sich dafür schon der vorherige Vorstand eingesetzt, besonders in Person des seinerzeitigen Vorsitzenden Rüdiger Petrasch.