Wanzleben l Als Inga Klar am Sonntagvormittag aus dem Fenster schaut, traut sie ihren Augen kaum. Der heimische Garten hatte sich innerhalb kürzester Zeit in eine verschneite Winterlandschaft verwandelt. „Da wollte ich natürlich sofort einen Schneemann bauen“, erzählt die sechsjährige Wanzleberin. Gemeinsam mit ihren Eltern baut sie den ersten Schneemann des Jahres in der Bördestadt. „Ich find’ den toll“, erzählt sie weiter. Vor allem sei der Schneemann genauso groß wie sie selber, schwärmt sie. Die kleine Inga hofft natürlich, dass es auch die nächsten Tage weiter viel schneit und so vielleicht noch ein Schneemann zum aktuellen dazu kommt.

Erste Beschwerden auf Facebook

Mehr oder weniger über den Schnee freuen sich auch die Wanzleber in den sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook. Schon nach kurzer Zeit beschwerten sich die ersten Nutzer, dass der Winterdienst gar nicht unterwegs sei. Zudem stellten wiederum andere die Sinnhaftigkeit des „Salz streuens“ in Frage. „Ich kann versichern, dass wir am Sonntag im Einsatz waren“, erklärt Marion Richter. Sie ist bei der Stadtverwaltung als Sachbearbeiterin für öffentliche Einrichtungen, Straßenreinigung, Bauhof , Spielplätze und eben den Winterdienst zuständig. „Unsere Mitarbeiter waren am Wochenende mit den entsprechenden Fahrzeugen im Einsatz und haben die Straßen und Fußwege beräumt“, erklärt Richter. Von sieben bis 15 Uhr habe die erste Schicht angedauert, eine zweite Schicht sei von 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr absolviert worden. „Danach waren alle Wege in unserem Zuständigkeitsbereich definitiv beräumt.“ Zuständig seien die 22 Mitarbeiter für kommunale Straßen, Fußwege und Grundstücke. „Dafür stehen insgesamt acht Kleinräumfahrzeuge auf Basis von sogenannten Multicars und Kleintraktoren“, zur Verfügung. Letztere hätten sich vor allem bei Fußwegberäumungen etabliert. Zusätzlich seien sechs Hausmeister bei Schneefall und Glätte im Einsatz, um Objekte wie Kindertagesstätten und das Rathaus zu beräumen.

„Natürlich können wir bei Schneefall nicht sofort überall sein“, erläutert die Sachbearbeiterin das Vorgehen des kommunalen Winterdienstes. „Wir haben eine klare Prioritätenliste, wo als erstes durch unsere Räumfahrzeug-Fahrer geschoben oder gestreut wird.“ Ganz oben auf dieser Liste stünden demnach Straßen, an denen sich Feuerwehren, Rettungsdienste oder Kindertagesstätten befinden. Eine der priorisierten Straßen sei zum Beispiel die Lindenpromenade.

Vorbereitet auf den ersten richtigen Wintereinbruch sei man aber definitiv gewesen. „Unsere Winterbereitschaft startet jedes Jahr regulär am 1. Dezember und endet mit dem 28. Februar.“ Das seien natürlich nur Richtwerte. Man stelle sich selbstverständlich auf die aktuelle Wetterlage ein und reagiere dementsprechend auch. „Wenn Glätte und Schnee schon eher absehbar oder sogar vorausgesagt sind, dann stehen wir natürlich bereit.“ Das gelte auch für die Zeit nach dem 28. Februar. Durch den Baumamtsleiter und den Bürgermeister würden dann entsprechend weitere Bereitschaften festgelegt und gegebenenfalls auch wieder aufgehoben. Während der aktuellen Winterbereitschaft habe mindestens ein Mitarbeiter immer Bereitschaftdienst. „Dieser beurteilt dann die aktuelle Wetterlage und den Schneefall in der Nacht.“ Das geschehe meist zwischen zwei und vier Uhr. Auch Wetterkarten der verschiedenen Wetterdienste würden dabei eine entscheidende Rolle spielen. „Wenn der Bereitschaftsdienst feststellt, dass es viel zu tun gibt, dann fängt dieser auch eher mit der Beräumung an“, erklärt Marion Richter weiter. Normalerweise seien die Fahrer nur zwischen fünf Uhr morgens und 20 Uhr im Einsatz. „Als Stadtverwaltung haben wir die Maßgabe, dass alle unsere Zuständigkeitsbereiche bis spätestens sieben Uhr morgens beräumt sein müssen.“ Diese Zeit könne man auch ganz gut halten.

55 Tonnen Streusalz

Insgesamt 55 Tonnen „Streusalz“ hat die Stadt Wanzleben-Börde in diesem Jahr für die Wintermonate bereitgehalten. „Dabei handelt es sich zum Großteil um Bestände aus dem letzten Jahr, denn einen so wirklichen Winter gab es zwischen 2019 und 2020 ja nicht.“ Tatsächlich heißt dieses Mittel gegen Schnee und Glätte jedoch gar nicht Streusalz, sondern Auftausalz. Dieses wird durch den Winterdienst auf Straßen und Wegen ausgebracht und sorgt dafür, dass Schnee und Eis zu schmelzen beginnen. Durch einen Zusatz ist das aus mindestens zu 94 Prozent Kochsalz bestehende Auftausalz ungenießbar. In Wanzleben geht man unterdessen davon aus, dass die 55 Tonnen des losen Auftaumittels bis zum Ende der Saison ausreichen werden.

Junge Frauen bei Unfall verletzt

Trotz des gut vorbereiteten Winterdienstes kam es aufgrund winterlicher Verhältnisse am Sonntag zu einem Verkehrsunfall bei Wanzleben. Dabei wurde zwei junge Frauen verletzt. Wie die Polizei am Montag mitteilte, befuhr die 19-Jährige gegen 15.10 Uhr die Kreisstraße 1700 in Richtung Bottmersdorf. „Aufgrund der herrschenden Witterungsverhältnisse verlor sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug und kam nach links von der Fahrbahn ab und überschlug sich in der Folge im angrenzenden Straßengraben“, schildert Polizeisprecher Sebastian Richter den Unfallhergang. Die Fahrerin sowie die Beifahrerin seien vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht worden. „Wie schwer die beiden jungen Frauen verletzt wurden, ist uns aktuell nicht bekannt“, so Polizist Richter abschließend. Zudem hätten sich zwei weitere Verkehrsunfälle bis zum Montagmittag bei Wanzleben ereignet.

Insgesamt ereigneten sich von Sonntag bis Montag durch den Neuschnee vier Verkehrsunfälle im Landkreis Börde.