Wernigerode l Ungeduldig warten die Mitglieder der Bürgerinitiative „B 244 – Wernigerode ohne Schwerlastverkehr“ auf Neuigkeiten aus Berlin. Dort wird gerade der neue Bundesverkehrswegeplan erstellt.

Allein 80 Projekte aus Sachsen-Anhalt und bundesweit 2000 Vorhaben konkurrieren um einen vorderen Platz auf der Liste des neuen Bedarfsplans – auch die Ortsumfahrung Wernigerode, für die die Bürgerinitiative seit Jahren kämpft.

Die Kosten für die gute 3,9 Kilometer lange Trasse, die die B 244 zwischen Wernigerode und Elbingerode mit der vierspurigen B 6 verbinden soll, werden auf 90 Millionen Euro geschätzt – allein 80 Millionen Euro für den dafür notwendigen Tunnel durch den Fenstermacherberg.

Planentwurf wird sechs Wochen lang ausgelegt

Derzeit befassen sich externe Gutachter mit den einzelnen Projekten. Deren Bewertung befindet sich in der Schlussphase. Ein erster Entwurf des neuen Verkehrswegeplans wird noch in diesem Herbst vorliegen, heißt es aus der Pressestelle des Bundesverkehrsministeriums. Danach soll der Entwurf für sechs Wochen lang öffentlich ausgelegt werden. Neben der Veröffentlichung im Internet kann der Plan bundesweit an rund 20 Orten in Papierform eingesehen werden – für Sachsen-Anhalt im Landesverkehrsministerium in Magdeburg.

„Darauf warten wir“, sagt Brigitte Tannert von der Bürgerinitiative. „Dann wissen wir, welchen Stellenwert die Ortsumfahrung Wernigerode derzeit in dem Plan hat und können gegebenenfalls sachliche Einwände vorbringen, die bei der bisherigen Bewertung noch nicht berücksichtigt wurden.“

Der Öffentlichkeitsbeteiligung wird eine hohe Bedeutung beigemessen. „Alle Stellungnahmen werden hinsichtlich ihrer Relevanz geprüft“, informiert Peter Mennecke, Pressereferent des Landesverkehrsministeriums auf Volksstimme-Nachfrage. Wenn nötig, werden vom Bundesministerium etwaige Änderungen am Bundesverkehrswegeplan vorgenommen, bevor dieser dem Bundeskabinett zum Beschluss vorgelegt wird, so Mennecke.

Die Unterlagen liegen in Kürze während der Öffnungszeiten für Interessierte bereit, teilt der Pressereferent mit. Stellungnahmen können sowohl online als auch direkt im Ministerium abgegeben werden.

Um die Chancen für das Wernigeröder Projekt zu erhöhen, hat die Stadtverwaltung zusammen mit der Bürgerinititiative zudem ein Schreiben an Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) verfasst. In dem Schreiben wird Webel gebeten, das Bauvorhaben nach allen Möglichkeiten zu unterstützen. Die B 244 führt auf einer Gesamtlänge von 7,7 Kilometer durch das Stadtgebiet, heißt es in dem Brief. „Im Verlauf der Ortsdurchfahrt gibt es eine ganze Reihe von Gefährdungsquellen und Sicherheitsmängeln, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer.“ Hunderte Gymnasiasten müssten die vor allem von Schwerlastern hoch frequentierte Straße täglich queren, um zum Internat beziehungsweise zur Turnhalle zu kommen. Zudem liegen mehrere Altenwohnheime, ein Krankenhaus und ein Freibad an der Strecke.

Es wird auf Engstellen, viel zu schmale Gehwege entlang der Strecke, auf die touristische Bedeutung der Stadt und den daraus resultierenden Besucherverkehr hingewiesen. Da es wegen der städtebaulichen Gegebenheiten keine Ausbaumöglichkeiten der Bundesstraße gibt, sei eine Ortsumfahrung die einzige Lösung, um das Verkehrsaufkommen auf ein verträgliches Maß zu senken, heißt es.

Wunsch nach mehr Unterstützung

Die Mitglieder der Bürgerinitiativen hoffen nun auf weitere Unterstützung durch die Wernigeröder. „Je größer der öffentliche Druck, desto besser“, sagt Patrick König. Bisher würden sich hauptsächlich die Anwohner der Nöschenröder Straße, der Schönen Ecke und der Bach-Straße engagieren. „Was ist mit den Leuten, die im Norden der B 244-Trasse wohnen? Sie sollten sich nicht nur auf uns verlassen.“

Ihre Hoffnung haben die Mitglieder der Initiative noch nicht aufgeben. „Wir kämpfen, bis wir die letzte Möglichkeit ausgeschöpft haben“, sagt Brigitte Tannert. „Wir geben nicht auf.“

Kontakt zur Bürgerinitiative im Internet unter www.b244-wr.de.