Schierke l Vor den neuen Ferienhäusern ist die Erde aufgewühlt. Auf dem Gelände der Bergwald Lodges in der Alten Dorfstraße in Schierke legen Arbeiter einen Bach frei, in dem Wasser plätschert. Anfang der Woche zeigte sich das Flüsschen nicht so friedlich. Wassermassen strömten bergab durch den Ort, drückten Pflastersteine hoch und rissen Schmutz und Schlamm mit sich.

Montagmorgen um fünf Uhr wurde Christiane Hopstock von Sirenengeheul geweckt. „Ich war nicht überrascht und wusste gleich, wohin ich zu fahren hatte“, berichtet Schierkes Ortsbürgermeisterin (CDU). Nachdem Mitte November starke Regenfälle für Probleme gesorgt hatten – auch auf dem Grundstück der neuen Ferienhaussiedlung – ist die Lage nun eskaliert. „Hier war richtig Land unter“, sagt Christiane Hopstock.

Viel Wasser habe sich seinen Weg von oberhalb des Bahnhofs über das Thälchen abwärts gebahnt. Schlimme Schäden hat die Flutwelle bei einem Nachbarn der Ferien­haussiedlung angerichtet. Der Parkplatz vor dem Haus ist abgesackt, der Heizungskeller lief voll. Das Wasser stand knapp unter den Steckdosen: „Wären wir fünf Minuten später aufgestanden, hätte es eine Katastrophe gegeben“, berichtet der Hausbesitzer.

Überflutung durch verstopfte Gräben

Mit der Frage, wie es dazu kommen konnte, haben sich in den vergangenen Tagen zahlreiche Behörden befasst. „Es ist ein Konglomerat verschiedener Ursachen“, sagt Nadja Effler-Scheruhn, Geschäftsführerin des Unterhaltungsverbandes Ilse-Holtemme, auf Volksstimme-Nachfrage. Der Verband ist für die Pflege der Fließgewässer im Ort zuständig. Wegen Regen und Schneeschmelze hat sich viel Wasser am Thälchen gesammelt. Das sei normal, sagen Nadja Effler-Scheruhn und Christiane Hopstock. Doch diesmal war es zu viel Wasser. Sand und Steine wurden fortgespült und setzten sich in den verrohrten Bachläufen fest. Ein „völlig verstopfter Durchlass“ des Baches in der Alten Dorfstraße, gleich neben der Ferienhaussiedlung, habe für die Überflutung gesorgt, so die Untere Wasserbehörde.

Die Probleme seien hausgemacht, sagt Christiane Hopstock. „Es liegt daran, dass die Gräben nicht frei sind.“ Das Wasser, das von Richtung Erdbeerkopf herabströmt, könnte aufgehalten werden, wenn die alten Grabensysteme gepflegt würden. Das Problem sei bekannt, werde aber vom Nationalpark Harz und der Kreisverwaltung nicht angegangen, kritisiert die Ortschefin.

Nationalpark weist Vorwürfe zurück

Der Nationalpark habe seine Pflicht erfüllt, entgegnet Friedhart Knolle. „Die Durchlässe und Gräben in unserem Bereich sind regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gesäubert worden“, sagt der Nationalpark-Pressesprecher. Vom Kreisstraßenbauamt, das für die Straßengräben zuständig ist, war bisher keine Auskunft zu erhalten.

Währenddessen ist der Bachlauf an der Alten Dorfstraße schon freigelegt worden. Dabei stellte sich heraus, dass dort ein zusätzliches Hindernis verborgen war – ein querliegendes Rohr mit Versorgungsleitungen. Zwar kann das Wasser jetzt wieder ungehindert fließen, sagt Kai Bleßmann vom Wernigeröder Tiefbauamt. Doch das Leitungsrohr werde trotzdem verlegt.

Gasleitung am falschen Ort verlegt

Sorgen bereiten Matthias Braun und den anderen Eigentümern der Berglodges auch der zweite Bach am gegenüberliegenden Grundstücksrand. Dort gab es bereits Mitte November Probleme. „Auf mehr als 20 Quadratmetern drückte das Wasser aus der Erde“, so Braun. Es stellte sich heraus, dass der Bach nicht so verläuft, wie in den Unterlagen eingezeichnet. Statt geradeaus, verläuft er in einem Schwenk über das Grundstück. Weil er nur bei Regen Wasser führt, wurde das Bachbett nicht bemerkt, so Braun. Im Sommer wurde dort eine Gasleitung verlegt, hat er inzwischen erfahren. Diese muss nun tiefer verlegt werden.

Extreme Wetterlagen treten in Zukunft häufiger auf, sagt Matthias Blessinger, Sachgebietsleiter der Unteren Wasserbehörde. „Wir haben immer mehr Starkregen zu verzeichnen.“ An einem Hochwasserschutzkonzept für Schierke wird bereits gearbeitet. Die letzte Beratung fand Ende Oktober statt.