Wernigerode l „Projekt ohne Grenzen“ lautet der Titel der Modenschau, die das Interkulturelle Netzwerk (WIN) Wernigerode am Sonntag auf den Laufsteg im Wernigeröder Rathaus gebracht hat. „Die Modenschau ist ein Geschenk von allen Engagierten dieser Stadt. Wir wollten mit der Aktion zeigen, wie viel Talent und Fähigkeiten in den ausländischen Mitbürgern von Wernigerode stecken. Das Miteinander kann zu etwas Großartigem führen“, erklärte Huong Trute vom Vorstand des WIN-Vereins in ihren Eröffnungsworten vor nahezu 200 Zuschauern.

Die Entwürfe stammen allesamt von der Italienierin Anastasia Mereu, die in Mailand Modedesign studiert hat. In Italien hatte sie vergeblich versucht, beruflich Fuß in der Modebranche zu fassen. Mereu wanderte schließlich nach Deutschland aus und fand eine Anstellung als Kellnerin im Restaurant von Houng Trute. Mit Unterstützung des WIN-Vereins kann sie nun den Traum einer eigenen Kollektion verwirklichen.

Mereus Kleidung wurde in der Schneiderwerkstatt Yaly Couture in Wernigerodes Partnerstadt Hoi An genäht, welche das Projekt unterstützt. Die Hobbymodels kommen größtenteils aus Wernigerode. „Zudem hatten wir das Glück, viele Sponsoren gewinnen zu können“, sagte Huong Trute.

Herzklopfen vor Auftritt

Bereits vor zwei Jahren war die Idee zu der besonderen Modenschau entstanden. Damals hatte Huong Trute Anastasia Mereu und ihre Arbeiten kennengelernt. „Die Abschlussarbeit war faszinierend. Darauf aufbauend wollten wir zeigen, dass eine bunte Welt des Zusammenlebens verschiedener Völker möglich ist“, sagte die gebürtige Vietnamesin. Die diplomierte Modedesignerin Anastasia Mereu hatte schließlich vor einem Jahr erste Ideen in einer kleinen Kollektion vorgelegt. Stück für Stück wurden dann die einzelnen Puzzleteile, die zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen, aneinander gefügt.

Für die Models war es ausnahmslos die erste Modenschau. „Ich hatte Herzklopfen und war sehr aufgeregt“, sagte Marta Bergmann. Gemeinsam mit Michelle Prochnou hatte sich die junge Frau lange auf den Auftritt vorbereitet. „Es ist alles gut gelaufen“, sagte Prochnou erleichtert. „Es hat trotz der Aufregung viel Spaß gemacht“, so Sophie Baars. Und Isabell Albrecht ergänzte: „Mir ging es darum, die junge Designerin zu unterstützen. Nachwuchstalente brauchen eine Chance.“

Aufgeregt drückten auch die Angehörigen von Isabell Albrecht die Daumen. In die Vorbereitungen der Modenschau war bei den Albrechts die ganze Familie involviert. Den Auftritt der Tochter verfolgten Vater und Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht (CDU) und Gattin Petra. Auch die Schillings verfolgten voller Spannung den großen Moment von Tochter Marie. Das 17-jährige Mädchen wurde von Huong Trute angesprochen, ob sie Lust habe, bei der Modenschau mitzumachen. Und das hatte sie. „Ein Jahr lang waren wir im Kontakt mit dem Interkulturellen Netzwerk. Das war viel Aufwand im Vorfeld“, so Katrin Schilling, Mutter von Model Marie, auf Volksstimme-Nachfrage.

Brücke zwischen den Kulturen

Der 19 Jahre alte Adrian Steuer führte als Moderator durch die Modenschau. Der junge Wernigeröder fungierte zudem als Leiter des Modenschau-Projekts. „Ziel war es, eine Brücke zu schlagen zwischen den Kulturen.“ Der Austausch sei gerade bei der heutigen politischen Weltlage unabdingbar. „Menschen anderer Kulturen haben einen bereichernden Einfluss auf unsere Gesellschaft“, so Steuer.

Begeistert war Huong Trute am Ende der Veranstaltung von der großen und positiven Resonanz auf die Modenschau. „Wir konnten damit zeigen, dass es unabhängig von der Herkunft der Menschen möglich ist, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen und Einheimische und Fremde miteinander in Verbindung zu bringen“, sagte die Gastronomin.