Reddeber l Tür auf, Gast rein. Er freut sich sichtlich und lässt sich den Willkommenssnack schmecken, den ihm die Hausdame reicht. Man kennt sich, liebkost und führt eine Konversation. Wie in einer ganz normalen Pension, in der die Betreiberin einen Stammgast herzlich begrüßt. Nur ist diese Pension ausschließlich für Urlauber auf vier Pfoten.

Seit 2013 betreibt Sonja Brüser in dem ehemaligen zahntechnischen Labor in Reddeber eine Hundepension – ein Angebot in ihrem Tierzentrum „Brockenblick“. Gerade jetzt zu den Festtagen herrscht Hochkonjunktur, fast alle elf Einzelzimmer sind belegt. An jeder Tür steht der Name des vierbeinigen Gastes. An einem Brett im Flur wiederholen sich die Namensschilder. Dort hängen Leinen, in den Fächern liegen die Impfpapiere und Extras, die Herrchen oder Frauchen ihren Liebsten mitgegeben haben.

Silvesterfeier mit Leckerlis

Der Neuankömmling wartet geduldig an der Zimmertür, auf dem Schild steht „Baxter“. Sonja Brüser lässt den Collie-Rüden hinein, legt Bettchen und Decke auf den gefliesten Boden und reicht das ebenfalls mitgebrachte Kuscheltier. „Es ist wichtig, dass der Hund einen vertrauten Geruch hat“, sagt die 55-Jährige. Nach einem prüfenden Blick schließt sie die Tür und schaut auf die Uhr. In gut einer Stunde wird sie „Baxter“ und die anderen Pensionsgäste ausführen. „Und später feiern wir alle zusammen Silvester“, sagt sie, steichelt ihre eigene Hündin „Dina“ und schmunzelt.

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Feiern heißt für einen Hund leckeres Fresschen. Wer darf, der bekommt Sonja Brüsers hauseigene Vollpension. Das Angebot an Futter, das sie auch im Shop verkauft, ist reichlich. Sie bietet Biologisch artgerechtes rohes Futter, kurz BarF. So manche „Eltern“ ihrer Gäste hat sie schon von dieser Methode überzeugt. „Gerade hyperaktiven Hunden und Vierbeinern mit Fellproblemen bekommt BarF besser als herkömmliches Trocken- oder Nassfutter.“

Erziehung ist gratis

Gratis bekommen die Übernachtungsgäste von ihr Erziehung, „wer es braucht“, sagt die gelernte Hundetrainerin. Die Tipps und Tricks gibt sie den Besitzern gern weiter, die in der Regel dankbar dafür sind. Überhaupt, so Sonja Brüser weiter, „herrscht zwischen mir und den Hundebesitzern ein gutes Vertrauensverhältnis, sonst würden sie die Pension nicht in Anspruch nehmen“. Die Gründe dafür sind verschieden. Sie reichen von Dienstreise über Kur, Krankenhausaufenthalte bis zur Fernreise. Eins ist der Chefin wichtig: Bevor ein Gast das erste Mal Quartier bekommt „müssen wir uns beschnuppern“.

Sonja Brüser spricht bewusst in der Mehrzahl, denn ganz alleine stemmt sie Hundeschule, Ladengeschäft, Pflegesalon und Pension nicht. Ehemann Andreas und Schwiegermutter Helga Brüser unterstützen sie so gut es geht. Seit Oktober ist Agnieszka Glabowska im Tierzentrum angestellt. Die 45-Jährige hat sich „sehr gut in unser Familienbetreuungskonzept eingefügt“, sagt die Hundeexpertin.

Kamera in jedem Zimmer

So wird die Angestellte mit ihrem Mann und der Familie Brüser das neue Jahr gemeinsam begrüßen. Und die Pensionsgäste behalten sie dabei stets im Auge. Vom Wohnzimmer in der oberen Etage aus können sie die Hunde beobachten. „Wir haben in jedem Zimmer eine Kamera installiert und sehen so genau, wer bellt und eine Streicheleinheit braucht“, sagt Sonja Brüser.

Für sie als Dienstleisterin ist der schönste Lohn übrigens, wenn der vierbeinige Gast sie genauso freudig begrüßt wie sein Herrchen oder Frauchen beim Abholen. So wie „Baxter“, der zum ersten Mal den Jahreswechel bei seinem vertrauten Ersatz-Frauchen verbringt.

 

Infos unter www.tierzentrum-brockenblick.de