Wernigerode l Ob defekte Straßenlaterne, klappernde Kanaldeckel, nervende Straßenmusiker oder blaue Säcke am Straßenrand – seit November haben die Wernigeröder eine neue Möglichkeit, auf Missstände in der Stadt hinzuweisen. Im Rathaus heißt die Internet-Anwendung „Sag‘s uns einfach“-Melder, im Volksmund ist sie besser unter dem Namen Mecker-App bekannt (wir berichteten). Und „gemeckert“ wird ohne Ende. Auf mehr als 50 Missstände haben die Nutzer bisher hingewiesen.

„Wir haben sogar mit einer größeren Flut gerechnet“, sagt Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich auf Volksstimme-Nachfrage. „Für uns ist das eine völlig neue Form der Kommunikation“, so Fröhlich. „Eine Herausforderung, die wir gerne annehmen.“ Das Medium sei sehr transparent, weil Dritte im Internet mitlesen können. Interessierte sehen nicht nur, was gemeldet wurde, sondern welchen Bearbeitungsstatus das angezeigte Problem hat und oftmals auch was die Verwaltung geantwortet hat. Der Amtschef schätzt besonders, dass die Rathaus-Mitarbeiter durch den „Sag‘s uns einfach“-Melder in einem „frühen Stadium“ über Ärgernisse in Kenntnis gesetzt werden. „Wir können schnell reagieren, bevor sich die Fronten verhärten.“

Schaden behoben

Wie bei Armin Baumgarten. Der Wernigeröder meldete eine Vertiefung im Kopfsteinpflaster einer Straße, schreibt er in einer E-Mail an die Volksstimme. „Kurz danach erhielt ich eine Bestätigung über den Eingang des gemeldeten Themas. In den folgenden Wochen wurde ich immer wieder über den aktuellen Bearbeitungsstand auf dem Laufenden gehalten.“ Mitarbeiter des Tiefbauamtes hätten den Schaden schließlich behoben. Die Mecker-App sei ein gutes Medium, um für Bürger eine Möglichkeit zu schaffen, sich einfach und direkt an die Stadt zu wenden, schreibt Baumgarten. „Die Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass mein Anliegen zügig bearbeitet wird.“

Der Fall einer demolierten Straßenlaterne in der Mittelstraße wurde von den Verwaltungsmitarbeitern an die Stadtwerke weitergeleitet. Eine Reparatur soll in Kürze erfolgen.

Inzwischen bearbeitet wurde auch das Problem eines Bewohners der Gerichtstraße, der zugeparkte Anwohnerparkplätze beklagte. Die Überwachung des ruhendes Verkehrs liegt in der Zuständigkeit des Ordnungsamtes, ließ die Stadt wissen. Das Anliegen sei den zuständigen Mitarbeitern mitgeteilt worden. Es wurden Kontrollen in diesem Bereich angekündigt. Inwieweit solche Kontrollen tatsächlich stattfanden und ob das Problem zur Zufriedenheit des Melders gelöst wurde, lässt sich bei diesem wie auch bei anderen Fällen im Internet nicht ablesen.

Offene Fälle in Bearbeitung

Eine Reihe angezeigter Probleme sind nach wie vor offen, wie die Kritik eines Nutzers am Zustand des ehemaligen Parkplatzes Storchmühle. Nach den Bauarbeiten in der Nöschenröder Straße sei das Areal verwüstet. „Wann ist damit zu rechnen, dass der Platz nicht mehr als Bauabfalldeponie genutzt wird und der Urzustand hergestellt wird?“, wollte der Wernigeröder wissen. Ebenfalls unbearbeitet ist die Meldung über Lärmbelästigung durch Knaller in der Bahnhofsunterführung. Auch Probleme wie ein illegal entsorgtes Metallfass im Kastanienwäldchen, ein gefundener Ziegenkadaver am Kaiserweg oder fehlende Papierkörbe im sanierten Abschnitt der Nöschenröder Straße warten noch auf Klärung.

An allen offenen Fällen werde gearbeitet, versichert Ordnungsamtsleiter Fröhlich. „Wir befinden uns nach zwei Monaten noch im Lernprozess, wollen die Serviceleistung aber gern weiter entwickeln.“

Hintergrund: Mit dem Landesprojekt „Sachsen-Anhalt-Melder“ wird interessierten Kommunen ermöglicht, ein spezielles Programm für Computer und Handys anzubieten. Für die Städte fallen keine Kosten für Hard- und Software an. Lediglich die Arbeitsabläufe der Ämter werden in das Programm integriert. Und so funktioniert es: Einfach die Funktion auf der Internetseite der Stadt www.wernigerode.de oder der Stadt-App anklicken und eine neue Meldung erstellen. Der Nutzer kann unter Kategorien wie Lärmbelästigung, wilder Müll oder Straßenreinigung auswählen und auf einem Stadtplan den Ort des Ärgernisses markieren. Die Meldung wird an das zuständige Amt weitergeleitet und dort bearbeitet.