Wernigerode/Schierke l Grünes Licht für das „Heinrich Heine Resort“ in Schierke. Der Stadtrat hat am Donnerstag den Bebauungsplan für die Ferienhaus-Anlage auf dem Gelände des Hotels „Heinrich Heine“ beschlossen. Das einstige Luxushotel fristet ein trauriges Dasein. Seit 1995 steht es leer, verfiel immer mehr und soll nun abgerissen werden. Wenn es nach den Investoren, der Heinrich-Heine-Resort GmbH, geht, soll bereits Mitte Mai mit der Erschließung begonnen werden. Geplant sind 37 Holzhäuser mit rund 180 Betten, dazu ein zentrales Empfangsgebäude mit Rezeption, Wirtschaftsgebäude, ein Heizhaus sowie ein eigenes Fernwärmenetz.

Das Gelände samt Hotelruine hatte die Stadt Mitte 2013 für 144 850 Euro ersteigert, um Einfluss auf die Entwicklung des 25 000 Quadratmeter großen Areals nehmen zu können. Ziel war es damals, den Gebäudekomplex oder zumindest Teile davon zu erhalten, weil er ortsprägend sei. Auch das Land hatte Interesse daran, das Haus zu rekonstruieren. So flossen in den vergangenen Jahren Zehnttausende Euro in die Sicherung des Daches. Verschwendetes Geld: Wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist die Ruine nicht zu retten. Der Zustand des Gebäudes sei „gravierend schlimm“, hatte Kerstin Brüning, die für die städtischen Liegenschaften zuständig ist, im Schierker Ortschaftsrat informiert. Schimmelpilze haben sich im Inneren ausgebreitet, die Decken sind desolat. Nur das Hauptportal könne noch betreten werden. „Ich kann nur davor warnen, dort hineinzugehen“, so Brüning.

Stabilisierung des Ortsteils

„Wir sind nicht ganz glücklich“, so Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) im Schierke-Ausschuss. „Der Abriss ist umstritten.“ Aber es sei nahezu unmöglich, das ehemalige Grandhotel zum Leben zu erwecken. „Wir haben es versucht“, so Gaffert. Und solche Investoren, wie die Heinrich-Heine-Resort GmbH, müsse man erstmal finden.

Deshalb steht man den Plänen der Investorengruppe in der Stadtverwaltung wohlwollend gegenüber. „Die kleinteilige Ansiedlung von Ferienhäusern mit zeitgemäßem Standard sowie die Zulässigkeit von Läden, Schank- und Speisewirtschaften leisten einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Ortsteiles im Erholungsbereich“, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung.

Kritische Töne

Trotz der mehrheitlichen Zustimmung aus den Reihen der Stadträte gab es zuletzt auch kritische Stimmen. So gefiel Matthias Winkelmann (CDU) das Aussehen der geplanten Ferienhäuser nicht – vor allem die Form der Dächer und die Farbe der Ziegel. Satteldächer mit rötlichen Tonziegeln seien in Schierke und Umgebung Tradition und deshalb auch für das Feriendorf wünschenswert. Im Schierke-Ausschuss freute sich Winkelmann, dass der Investor auf seine Hinweise reagiert habe. „Das ist gut.“

Siegfried Siegel (SPD) und Frank Diesener (Haus&Grund) störten sich ebenso an der Gestaltung der Anlage als Holzhaussiedlung. „Aber über Geschmack lässt sich streiten“, so Diesener. Auch das integrierte Restaurant bemängelte er. „Dann geht doch keiner mehr im Ort essen.“ Thomas Schönfelder (Linke) erinnerte daran, dass die Stadt das Gelände damals gekauft hatte, weil man keine Ferienhäuser wollte. Sabine Wetzel (Bündnis 90 /Die Grünen) kritisierte die Aufstellung des Bebauungsplanes im beschleunigten Verfahren statt im normalen Planverfahren mit detaillierter Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Änderungsantrag ihrer Fraktion fand jedoch keine Mehrheit.

Die Schierker selbst könnten sich schwer von dem Gedanken trennen, dass das alte Heine-Hotel nicht wieder eröffnet wird, so Christiane Hopstock (CDU), Bürgermeisterin des Brockenortes. „Aber wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden. Das Haus steht seit 20 Jahren leer. Und auch ein Filetstück fängt irgendwann an zu schimmeln.“ Erfreut reagierten die Schierker auf die Ankündigung der Investoren, verwertbare Materialien des alten Gebäudes in die neue Anlage integrieren zu wollen. Zwar können die Wandmalereien von Bert Heller in der Tanzbar „Dachsbau“ nicht gerettet werden, wie Kerstin Brüning informierte. „Eine Idee ist aber, Archive nach Skizzen zu durchsuchen und in den Gebäuden zu präsentieren.“ Außerdem könnte man intakte Bodenfließen aus dem Hauptportal sichern und die Schnitzereien im „Dachsbau“ fotografieren und nachgestalten lassen. „Es gibt etliche Überlegungen.“