Rübeland l Draußen sind die Passanten bei Sonnenschein und Sommerwetter in T-Shirts und kurzen Hosen unterwegs. In der Baumannshöhle sitzen zur gleichen Zeit rund 200 Höhlenforscher in dicken Jacken, Mützen und Schals. Das kühle Klima passt jedoch perfekt, findet Bärbel Vogel: „Wir hatten noch nie so einen wunderbaren Tagungsort“, sagte die Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher. Dessen Mitglieder hatten von Donnerstag bis Sonntag ihre Jahrestagung in dem Oberharzort abgehalten – mit zahlreichen Vorträgen, Exkursionen, einer langen Radionacht und einem öffentlichen Festabend am Sonnabend.

150. Jahrestag der Entdeckung

Mit der Wahl des Veranstaltungsortes werde die Tradition des Höhlenortes Rübeland gewürdigt, sagte Matthias Blessinger, Leiter der Unteren Wasserbehörde des Harzkreises, und verwies auf den bevorstehenden 150. Jahrestag der Entdeckung der Hermannshöhle. Das Jubiläum war ebenfalls Thema des Festvortrags von Friedhart Knolle, der die Geschichte der Höhle von 1866 bis heute in einem kurzweiligen Vortrag skizzierte. In der ersten Reihe saß dabei Wolfgang Hase. Der Rübeländer begeisterte sich bereits als Junge für die Höhlenforschung. Von 1982 bis 1997 war er Höhlendirektor der Tropfsteinhöhlen seines Heimatortes. „Du hast so viele Verdienste erworben“, sagte Knolle über den 80-Jährigen. Wie Fritz Reinboth, der ebenfalls zu Gast war, gilt Hase als eines der Urgesteine der Harzer Höhlenforschung.

Die zweite Hauptrolle spielten die Grottenolme. Forscherin Dr. Anne Ipsen berichtete vom Projekt zur Rettung der Grottenolme in der Hermannshöhle und führte den Kurzfilm vor, der im November über die Tiere gedreht wurde. Das Vorhaben sei auch für den Tourismus von Bedeutung, sagte Markus Menge vom Tourismusbetrieb der Stadt Oberharz. „Das zeigt, wie wichtig es für eine Schauhöhle ist, mit Höhlenforschern zusammenzuarbeiten.“

Lied über Befahrung der Höhle

Musikalisch begleitete der Musa-Chor aus Göttingen den Abend, der unter anderem das Lied „Die Höhlenforscher“ vortrug. Geschrieben haben es die Höhlenforscher Walther und Fritz Reinboth. Darin verarbeiteten sie die Eindrücke von Walthers erster Befahrung der Hermannshöhle. „Einen engeren Bezug zu unserem Karst kann man kaum hinbekommen“, so Siegfried Wielert, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Karstkunde Harz.