Wernigerode l 25 Jahre Volldampf in Freiheit – dieses Jubiläum der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) sollte am Sonnabend groß mit Prominenz und einem Familienfest gefeiert werden. Neben dem Festakt auf dem Brocken hatte das Team der HSB allerhand Angebote am Westerntorbahnhof in Wernigerode vorbereitet. Doch nur wenige Besucher trauten sich bei strömendem Regen auf das Gelände am Ochsenteich.

Vor vier Jahren zu heiß

Eine Hüpfburg war gar nicht erst aufgebaut worden – zu groß sei das Sicherheitsrisiko für die Kinder gewesen, auf dem nassen Gummi auszurutschen, erklärte Tobias Kascha vom Team der HSB auf Nachfrage. „Für das Wetter kann keiner was“, sagte er. „Wir sind froh, dass einige Schaulustige die Mauerdurchfahrt am Mittag verfolgt haben und dass beide Sonderzüge voll besetzt waren.“ Er erinnerte an das Jubiläum zu 125 Jahren HSB vor vier Jahren, als es den Besuchern fast zu heiß war. „Man kann nicht immer Glück mit dem Wetter haben“, so sein Fazit.

Seit Wochen und Monaten hatte das Unternehmen die Feierlichkeiten anlässlich der ersten Brockenfahrt nach der Wende vor 25 Jahren vorbereitet. Der Höhepunkt, die Mauerdurchfahrt am Westerntorbahnhof war bereits am Mittwoch mit großem Aufwand minutiös geprobt worden. Untermalt wurde das Spektakel mit Liedern zum Freiheitsgedanken, die der Chor des Wernigeröder Stadtfeldgymnasiums unter der Leitung von Susanne Ristau einstudiert hatte.

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Harzexpertin gekürt

Am Nachmittag, als der Regen eine kurze Pause einlegte, kamen einige Menschen, um die Wahl zum Harzexperten zu verfolgen. Fünf Frauen und Männer waren gegeneinander in einer Art Quizshow angetreten. Runde für Runde flog einer raus. Sieglinde Müller aus Thale wusste schließlich im Stechen, wie groß der Nationalpark Harz ist – nämlich knapp 25.000 Hektar – und konnte sich so den Titel „Harzexpertin 2016“ sichern. Beste Unterhaltung – nur leider konnten dies nur wenige Zuschauer bezeugen.

Gut 150 Menschen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden führten Karl-Heinz Boose und Bernd Duderstadt zum Fest durch ihre „heiligen Hallen“: Im Bahnbetriebswerk werden die 17 Maschinen der HSB gewartet und repariert. Der 69-jährige Boose war 45 Jahre bei der Schmalspurbahn als Schienenfahrzeugschlosser tätig. Auch als Rentner brennt er nach wie vor für „die Große unter den Kleinen“. Sein Wissen gibt er mittlerweile in Führungen weiter. So erläuterte er auch am Sonnabend den Gästen den Aufbau einer Maschine, Baujahr 1954 bis 1956 aus dem Lokbau Babelsberg. „Viele sehen hier zum ersten Mal in ihrem Leben eine aufgebockte, auseinander gebaute Lok“, so der Wernigeröder.

„Heiße Füße“, also ausgeschmorte Stangenlager, und undichte Flansche seien die häufigsten Wehwechen, verriet er. Recht unbeliebt unter den Kollegen seien Reparaturen der Rauchkammern. „Viel Ruß, Dreck von oben und die Enge machen die Arbeit beschwerlich“, erläuterte Bernd Duderstadt, der die angehenden Industriemechaniker für Betriebstechnik bei der HSB betreut. An Bewerbern für die Ausbildung mangele es dem Unternehmen übrigens nicht. „Es ist immer noch ein faszinierender Beruf“, sagte er.

Seit 1926 befindet sich die Werkstatt der Bahn in dem Gebäude. Seit 1972 ist die Schmalspurbahn technisches Denkmal. 34 Menschen arbeiten in dem Werk zwischen Ilsenburger Straße und Westerntorbahnhof. Wenn in zwei Jahren die Gläserne Werkstatt auf dem nahegelegenen Ochsenteichgelände eröffnet wird, bleibt die Halle als Reparaturwerkstatt erhalten. Nach 30 Tagen in Betrieb, muss eine Lok zur Durchsicht in die Werkstatt, zum Beispiel um Kesselschlamm herauszuspülen und die Armaturen zu kontrollieren.