Wernigerode l Weihnachtsmarkt bis zum 29. Dezember? Die Idee hat in der Sitzung des Finanzausschusses für heftige Reaktionen gesorgt. Der Vorschlag stammt von CDU-Stadtrat Matthias Winkelnmann – und die Stadtverwaltung zieht mit. „Wernigerode ist eine Touristenstadt“, begründete Winkelmann seinen Vorstoß. „Die Touristen fahren in Städte, wo was los ist.“ Goslar würde es vormachen. Dort endet der Weihnachtsmarkt erst am 30. Dezember. „Wernigerode muss mit der Konkurrenz mithalten“, so Winkelmann. Zudem vermeide man so den „Tumult“ des Abbaus kurz vor dem Fest.

Dabei war der 22. Dezember in Wernigerode bislang so gut wie unantastbar. Zwar wird die Verlängerung des Marktes fast jedes Jahr im Ordnungsausschuss diskutiert. Bisher wurde sie aber stets von der Verwaltung und der Mehrheit der Mitglieder abgeschmettert. Denn: Am Abend des 22. Dezembers beginnt der Abbau der Buden, damit der Markt an Heiligabend geräumt ist.

Kritik an Marktgestaltung

Um Wernigerödern und Gästen während und nach den Feiertagen etwas zu bieten, öffnet seit einigen Jahren der privat veranstaltete Wintermarkt ab dem 23. Dezember seine Pforten. Zwischen Markt und Blumenuhr können Besucher bis zum 6. Januar Musik, Leckereien und den ein oder anderen Glühwein genießen. Der Marktplatz bleibt bis auf wenige Buden und ein Karussell frei. Pyramide, Baum, die hölzerne Krippe und die Beleuchtung sorgen für besinnliche Stimmung.

Genau daran hätten sich Touristen gestört, weiß Ordnungsamtschefin Anja Münzberg. Die vereinzelten Stände auf dem Markt würden „unfertig“ und „nicht schön“ aussehen. Ziel sei es, ein attraktives Gesamtbild zu gestalten, so Münzberg. Soll heißen: Alle Buden bleiben bis zum 29. Dezember stehen. Danach wird abgebaut, so dass der Marktplatz zu Silvester frei ist.

Wie Ordnungsdezernent Volker Friedrich ergänzte, könne der Wintermarkt an Blumenuhr und Rathausinnenhof parallel laufen und ab dem 30. Dezember die „alleinige Nachversorgung“ übernehmen. Er habe sich immer gegen eine Verlängerung gewehrt, hoffe aber nun „die Diskussion beruhigen“ zu können, so Friedrich. „Wenn es politischer Wille ist, kann ich den 29. Dezember mittragen, auch wenn ich das nicht so betreiben würde.“ Allerdings werde es Händler geben, die nach dem Fest nichts mehr verkaufen. „Dann ist eben zwischendurch mal eine Bude zu. Damit müssen wir leben.“

Purer Kommerz?

Bei den Mitgliedern des Finanzausschusses stieß die Idee auf wenig Gegenliebe. „Ich bin entsetzt“, sagte André Weber (CDU). „Zwischen 2014 und 2016 haben wir mit allen Akteuren zusammen gesessen, um eine Satzung zu entwerfen, mit der sich alle identifizieren können.“ Dabei hätten die Händler „klipp und klar gesagt, wann es sich für sie nicht mehr rechnet“. Winkelmanns Vorstoß hebele die Satzung aus, so Weber. „Mit dem christlichen Gedanken von Weihnachten hat das nichts mehr zu tun.“

Reinhard Wurzel ging mit Fraktionskollege Winkelmann hart ins Gericht. „Purer Kommerz“, tadelte der CDU-Stadtrat. Zumal der Weihnachtsmarkt kein schönes Bild abgibt, wenn die Hälfte der Buden zu sei. „Das finde ich viel schlimmer als das geschlossene Ensemble des Wintermarktes“, so Wurzel.

Der Wintermarkt sei völlig ausreichend, argumentierte Kevin Müller (SPD). „Wer will denn am 27. Dezember einen Adventskranz kaufen. Das ist Blödsinn.“ Seine Fraktion plädiere dafür, den 22. Dezember beizubehalten. Thomas Schatz (Linke) hält Winkelmanns Idee dagegen für „nachdenkenswert“. Seine Fraktion wolle sich damit auseinandersetzen.

Die Mitglieder des Finanzausschusses votierten mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Weihnachtsmarktes. Mehr Zuspruch fand der Vorschlag, Blumenuhr und Rathausinnenhof aus dem Weihnachtsmarkt herauszulösen und die Flächen stattdessen im Wege einer Sondernutzung zu vergeben. Ihre endgültige Entscheidung treffen die Stadträte am Donnerstag, 22. März.