Über Strategien gegen den Ärzte-Mangel im Harz sprach Volksstimme-Redakteurin Katrin Schröder mit Stefan Andrusch und Henrik Straub – beide sind Hausärzte und Verbandsvertreter.

Volksstimme: Im Harzkreis fehlen derzeit 36 Hausärzte. Künftig könnten es mehr werden, weil viele Kollegen 50 Jahre und älter sind und bald in Ruhestand gehen. Wie wollen Sie dem begegnen?
Stefan Andrusch: Wir wollen verhindern, dass es zu einem größeren Mangel kommt – und wir sind in Sachsen-Anhalt auf einem guten Weg. Es gibt an der Universität Halle seit einigen Jahren eine Klasse für Allgemeinmedizin, eine Klasse Hausärzte wird nun auch in Magdeburg angeboten. Studenten sollen so an die Fachrichtung herangeführt werden – mit Erfolg. Wir haben in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in diesem Jahr insgesamt dreimal so viele Teilnehmer wie noch vor zehn Jahren.

Warum wollten offenbar bisher nicht so viele Studenten Hausarzt werden?
Andrusch: Im Studium hat man bisher sehr wenig über Allgemeinmedizin erfahren. Wir vom Hausärzteverband haben uns auf die Fahnen geschrieben, dem Nachwuchs das Fach näher zu bringen. Wir bieten etwa beim Hausärztetag in Wernigerode ein Seminar für Studenten aus Magdeburg und Halle an, in dem wir Rede und Antwort stehen.
Henrik Straub: Früher war das Bild vom Allgemeinmediziner nicht unbedingt positiv. Das Vorurteil besagte, dass der Hausarzt nichts richtig könne. Das wandelt sich heute. Hausärzte werden als Generalisten gesehen, die viel von Medizin verstehen und intelligent vermitteln. Ihre Aufgabe ist zu entscheiden, welcher Patient eine fachärztliche Behandlung braucht, damit die Spezialisten gezielt und wirtschaftlich arbeiten können.

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Das klingt, als ob Nachwuchs nicht mehr das Problem sei.
Andrusch: Wir brauchen mehr Studienplätze für Medizin insgesamt, das ist eine zentrale Forderung des Hausärzteverbandes, aber auch der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung. Und wir wissen natürlich nicht, ob die Studierenden nach dem Abschluss in Sachsen-Anhalt bleiben. Hier muss man schauen, dass man den jungen Ärzten attraktive Arbeitsplätze bietet. Unser Problem ist im Übrigen aber auch kein Problem der Köpfe, sondern eins der Arztarbeitszeit.

Das müssen Sie erklären.
Andrusch: Viele Ärzte, gerade auch junge Ärztinnen, wollen oder müssen verstärkt in Teilzeit arbeiten, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Ein weiterer Faktor ist die Verbreitung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), in denen Ärzte oft mit geringerer Arbeitszeit angestellt sind. Zum Vergleich: Niedergelassene Ärzte arbeiten im Schnitt rund ein Drittel mehr als die angestellten Kollegen.

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