Blankenburg l Das Kloster Michaelstein verändert sein Gesicht. Auf dem Gelände zwischen Musikscheune und Alter Schmiede entsteht ein großer, begrünter Wirtschaftshof. Am Schafstall wird ein Regenrückhaltebecken in die Erde gebracht. Während der Bauarbeiten sind auch Archäologen vor Ort, um historische Spuren zu sichern.

Gewissenhaft legt Torsten Montag seinen rot-weißen Zollstock in die freigelegte Baugrube am Michaelsteiner Schafstall. „Hier befand sich eine Feuerstelle“, beschreibt er die ein mal ein Meter große, schwarz gefärbte Fläche, die sich gut sichtbar von der Umgebung abhebt. Fein säuberlich skizziert der Archäologe die Fundstelle, die unmittelbar an freigelegten Mauerresten neben dem Schafstall liegt. „Hier handelt es sich eindeutig um mittelalterliche Fundamente“, beschreibt Montag die Reste der einstigen Klosterbebauung, die baubegleitend freigelegt und dokumentiert werden.

Nur zwei Meter dahinter weitere, knapp 40 Zentimeter hohe Mauerreste. „Die stammen wohl eher aus dem 19. Jahrhundert“, so Montag, der bei seinen Untersuchungen auf einen „sehr gestörten Untergrund“ gestoßen ist, wie er sagt. Zeichen für eine seit jeher rege Bautätigkeit im Kloster. Und die geht auch in diesen Tagen weiter.

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Mittelalterliche Fundstücke entdeckt

Stück für Stück schieben dazu Arbeiter mit schwerem Gerät die Erdoberfläche ab, dann wird vorsichtig gegraben, freigelegt, dokumentiert. Sensationelle Funde sind allerdings bisher nicht ans Tageslicht befördert worden: Zwei mittelalterliche Scherben und ein kleiner Bronzefuß – vermutlich von einem Wasserkessel. Das war‘s. Dafür geben die Mauerreste einen Überblick, wie die Bebauung im Kloster einmal ausgesehen haben könnte. „Das zeigt, dass der Komplex an dieser Stelle länger war. Eventuell hat er zum bestehenden Schafstall gehört“, mutmaßt Museumsleiter Simon Sosnitza.

Wenn das Areal archäologisch untersucht und dokumentiert ist, wird es sich baulich wieder stark verändern: „Hier wird ein Regenrückhaltebecken eingebaut“, so Sosnitza. Dies sorge nicht nur im Fall von Starkregen und eventueller Hochwassergefahr für mehr Sicherheit im Kloster, sondern diene künftig auch als zusätzliche Löschwasser-Entnahmestelle für die Feuerwehr und als Wasserreservoir für die Klostergärten.

Parallel gehen die Arbeiten zur Umgestaltung des Wirtschaftshofes zwischen Musikscheune und der Alten Schmiede ebenfalls voran. So sind bereits Ver- und Entsorgungsleitungen in die Erde gebracht worden. Gesetzte Borde aus portugiesischem Granit vermitteln bereits einen Eindruck davon, wie sich die geplante „grüne Insel“ künftig ins Gelände einfügen wird. Auch dort waren zunächst die Archäologen am Werk. Sosnit­za: „Der Hofbereich war aber weitgehend leer.“