Wernigerode l Staubgeruch und Baulärm durchzieht das ehemalige Lehrlingsheim in der Wernigeröder Kohlgartenstraße. In wenigen Tagen sollen die ersten Asylbewerber in das Gebäude einziehen. Unbegleitete Kinder und Jugendlich werden die ersten Bewohner des dreistöckigen Plattenbaus sein, sagt Wernigerodes Sozialdezernent und Flüchtlingskoordinator Andreas Heinrich. Diese Gruppe wurde bis vor wenigen Monaten noch zentral in Hamburg und München betreut. Jetzt werden auch die Jugendlichen auf die Kommunen verteilt.

Für die Minderjährigen ist die erste Etage des Gebäudes vorgesehen. Dort sind die Bauarbeiten bereits am weitesten fortgeschritten. In Zweibettzimmern werden die jungen Flüchtlinge leben, Duschen und Toiletten sind auf ihrer Etage bereits eingebaut. Einfacher Standard herrscht im Haus vor: Wasserhähne statt der üblichen Einhebelmischbatterien, PVC-Boden statt Fliesen, Strominstallationen auf Putz.

„Das ist praktisch wie ein Kinderheim“, sagt Andreas Heinrich, der gemeinsam mit Kollegen aus der Stadtverwaltung durch das Haus führt. Zwei Duschen sollen reichen für die 10 bis 15 Jugendlichen, die die erste Etage des Hauses bewohnen. Dazu gibt es eine Gemeinschaftsküche, einen Speise- und einen Aufenthaltsraum.

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„Zu einem wesentlichen Teil werden die Zimmer mit Spendenmöbeln ausgestattet“, sagt Heinrich. Es fehle allerdings an Betten, einige Schränke müssten zugekauft werden.

Frauen und Kinder

Da die unbegleiteten Jugendlichen in einer besonderen psychischen Situation sind, wird sich voraussichtlich auch die Zusammensetzung der Bewohner der restlichen zwei Etagen ändern. Frauen mit Kindern und Familien sollen dort einziehen, so Heinrich.

In deren Etagen sind die Bauarbeiten noch weniger weit fortgeschritten. Eine alte Badewanne steht auf dem Flur, in den früheren Sanitärräumen liegen verrostete Rohre und Reste von vergilbten Fliesen. Die Wände sind in rosa gestrichen, auf dem Fußboden liegt zerschlissener PVC-Belag aus alten Zeiten. Bis Ende Februar sollen die Zimmer auch in den oberen zwei Etagen bezugsfertig sein. Die Ausstattung soll der im Erdgeschoss gleichen. Saniert wird im laufenden Betrieb, während im Erdgeschoss bereits die Jugendlichen leben.

„Keine Abstriche bei der Sicherheit“ gibt es im Haus, erklärt Heinrich. Zwei Treppenhäuser und entsprechende Notausgänge bietet das Gebäude. Gespart wurde allerdings bei der Sanierung. So sind die alten Fenster lediglich ertüchtigt worden, da Bauvorschriften aufgrund der Flüchtlingssituation außer Kraft gesetzt wurden. 132 000 Euro hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung des Jahres für die Sanierung des Gebäudes außerplanmäßig und mit großer Mehrheit genehmigt. Das Geld muss reichen, um die drei Etagen, die mehrere Jahre lang ungenutzt waren, zu sanieren.

Chance für die Stadt

Die Kinder und Jugendlichen aus dem Erdgeschoss sollen in Wernigerode intensiv betreut werden. „Alles hängt davon ab, wie gut man sie integrieren kann“, sagt Andreas Heinrich. Ein Ziel ist es, die jungen Menschen in der Stadt zu halten. Erwachsene Flüchtlinge verlassen Sachsen-Anhalt oft sobald sie ihren Aufenthaltsstatus habe und ziehen zu Verwandten in Großstädte in den alten Bundesländern. Den unbegleiteten Jugendlichen fehlen in der Regel diese Kontakte. Bislang ist vorgesehen, dass die Kinder und Jugendlichen täglich nach Halberstadt zum Sprachunterricht fahren und danach in Schulen vermittelt werden, sagt Heinrich.