Wernigerode l Im Sommer sollen Gäste wieder auf die Harburg hoch über dem Zwölfmorgental wandern können. Mit seiner Familie möchte Thorsten Ahrend das Lokal hoch über Wernigerodes Zölfmorgental zu einer Wohlfühloase mit Kultur in der Natur gestalten. Wie ernst es der 54-Jährige mit der Harburg meint, beweise er mit dem Umbau, mit dem der selbständige Handwerker unmittelbar begann, nachdem er das geschichtsträchtige Gebäude – älteste Spuren deuten auf eine romanische Burg aus dem 11. oder 12. Jahrhundert – 2015 ersteigert hatte. „Wir haben aus einer Beinahe-Ruine ein Schmuckkästchen gemacht.“

Der Wernigeröder setzt bei der Renovierung auf recycelte Materialien und nachhaltige Bauweise sowie auf die Ästhetik rustikaler Almhütten. Die nach modernsten Standards gedämmten Wände sind holzvertäfelt – teilweise mit 100 Jahre alten, aufgearbeiteten Brettern, der Boden in drei Gast- und Veranstaltungsräumen wird mit Eichendielen ausgelegt. Damit ist vor allem sein Schwiegervater beschäftigt. „Seit 2016 werkeln wir hier oben jeden Tag - ich bin vom Harburg-Virus infiziert“, so Klaus Sittka, der bis 2015 als selbstständiger Holzmodellbauer arbeitete. Dazu kommt die reaktivierte Dachterrasse von 1890 mit Rundumblick auf Brocken, Kaiserturm, Schloss und Stadt Wernigerode.

„Die Nachfrage nach der Harburg ist riesig“, berichtet Thorsten Ahrend. Bei seiner Familie meldeten sich fast täglich Wernigeröder, um die Räume mit Übernachtungsmöglichkeiten zu reservieren. Eine Konkurrenz zum Waldgasthaus Armeleuteberg sehe er nicht. „Wir ergänzen uns vom Angebot – so wird die traditionelle Runde durchs Zwölfmorgental wieder komplett.“

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Ahrend will Grundstück kaufen

Die Frage sei nur noch, wie man die einst beliebte Berggaststätte wieder zum Ausflugsziel machen könne. „Unsere Familie steckt ihr ganzes Herzblut in den Umbau, dementsprechend möchten wir das Grundstück gern kaufen“, sagt der Wernigeröder. Über den Verkauf der 3200 Quadratmeter bebauter Fläche und Zufahrt muss der Stadtrat entscheiden. Davon hänge maßgeblich ab, ob er die Harburg auch als Ausflugsziel öffnen, oder sie nur als Veranstaltungsort betreiben kann. Ahrend brauche Planungssicherheit sowie die Möglichkeit des nachhaltigen Wirtschaftens.

„Wenn wir das Okay bekommen, könnte ich meinen Job als Metallbauer an den Nagel zu hängen und mich voll und ganz auf die Harburg zu konzentrieren“, versichert Ahrend. Seit Ersteigerung des Gebäudes sei ihm seitens der Stadtverwaltung wiederholt unkomplizierte Hilfe zugesagt worden. „Oberbürgermeister Peter Gaffert, Ordnungsdezernent Volker Friedrich, Stadtjustiziar Rüdiger Dorff und Baudezernent Burkhard Rudo waren mehrmals hier und hellauf begeistert von dem, was wir schaffen“, sagt der Harburg-Besitzer. Nur sei von der versprochenen Hilfe bisher nicht viel angekommen.

Mindestens 200.000 Euro müsse Ahrend noch für Möbel,einen Shuttle-Service vom Parkplatz am Schanzenhaus im Zwöfmorgental und eine moderne Küche ausgeben. In der sollen Speisen ganz im Stile einer Berghütte zubereitet werden. „Dafür habe ich bereits eine Zusage von einem Koch mit 20 Jahren Erfahrung in den österreichischen Alpen“, sagt Ahrend, der selbst als Gastronom zehn Jahre das Humphrey in Wernigerode betrieb. „Die Harburg soll mehr werden als nur eine Berggaststätte – dafür brauchen wir aber die Unterstützung der Stadt.“