Wernigerode l Zweideutige Sprüche, Beleidigungen, Schmierereien: Die Unterführung vom Parkplatz zum Wernigeröder Bahnhof bietet keinen schönen Anblick. „Es ist beschämend“, schreibt Johanna Rogosch. Die Wernigeröderin hat sich mit einem Brief an die Volksstimme gewendet, um ihrem Ärger Luft zu machen. Sie klagt über Unrat und stinkende Urinpfützen. Dies würde Urlaubern ein falsches Bild von der bunten Stadt vermitteln.

Bei der Deutschen Bahn (DB) sind die Missstände bekannt, bestätigt DB-Sprecherin Erika Poschke-Frost auf Volksstimme-Nachfrage. Gemeinsam mit der Stadt Wernigerode werde derzeit eine dauerhafte Lösung erarbeitet. Zur Vorbereitung haben Bahn- und Stadtmitarbeiter den Schandfleck besichtigt. „Der Bahnhof ist die Visitenkarte einer Stadt, ein wichtiger Anlauf- und Ausgangspunkt für Touristen. Zudem verkehren hier jeden Tag viele Berufspendler. Darum ist so ein Zustand nicht tragbar“, sagt Burkhard Rudo, Baudezernent in Wernigerode. Man wolle gemeinsam mit der Bahn Hemmschwellen schaffen, damit die Wände nicht mehr beschmiert werden. Was bürokratisch klingt, verspricht künstlerisch zu werden. „Die Mauer am Sportplatz Kohlgarten ist ein gutes Beispiel“, so Rudo.

Viele Jahre lang wurde die Mauer mit Graffiti verschandelt. Vor rund fünf Jahren begannen dann Projekt-Teilnehmer der Oskar-Kämmer-Schule, die Wand mit Bildern von Sehenswürdigkeiten zu bemalen, und das illegale Sprayen hatte ein Ende. „Das hat sich als Erfolg erwiesen. Etwas Ähnliches planen wir für den Tunnel“, berichtet der Baudezernent.

Plakate mit Ausflugtipps

Die Idee dürfte Volksstimme-Leserin Johanna Rogosch freuen. Sie schlug vor, Plakate mit Ausflugstipps in der Unterführung aufzuhängen. „Ob es Plakate werden oder eine andere künstlerische Gestaltungsform, wissen wir noch nicht“, sagt Burkhard Rudo. „Denkbar ist eine themenbezogene Gestaltung. Etwas mit Zügen oder der Harzer Schmalspurbahnen würde sich anbieten.“ Auch stehe noch nicht fest, wer die Gestaltung übernimmt.

Im kommenden Jahr soll das Projekt von der Stadtverwaltung konkretisiert werden – in Absprache mit der DB. „Die unterirdische Verbindung zwischen den Gleisen gehört zur Bahn, der nördliche Zugang sowie der Parkplatz mit rund 130 Stellplätzen zur Stadt“, informiert der Dezernent. Dass die Unterführung so aufgeteilt ist, sei ein Präzedenzfall in Deutschland. Es habe deshalb viele Planungsrunden gegeben, bis der Bau realisiert werden konnte. Erste Pläne für einen Bahnhofszugang aus nördlicher Richtung gab es bereits in den 1930-er Jahren, sagt Rudo.

Umfassende Renovierung 2006

Entstanden ist die Unterführung aber erst 2006 im Zuge der Landesgartenschau in Wernigerode. Die Stadt kaufte damals ungenutzte Flächen von der Bahn ab. „Es waren Industriebrachen, die wir rekultiviert haben“, so der Baudezernent. Die Renovierung des Bahnhofs, der Haltestelle der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) und des Busbahnhofs habe einen mehrstelligen Millionenbetrag gekostet und wurde von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa) gefördert.

„Seitdem sind der Bahnhof und das Umfeld in einem guten Zustand – von der Unterführung abgesehen“, sagt Rudo. Trotz Anzeigen bei der Polizei, dem Einsatz von Sicherheitsleuten, die Kontrolle fahren, und regelmäßigen Säuberungen, käme es immer wieder zu Verunreinigungen und Vandalismus. Schmierereien lässt die Stadt regelmäßig entfernen und überstreichen – wie erst in der vergangenen Woche. „Das ist jedes Mal Geld, das auch anderweitig genutzt werden könnte.

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