Wernigerode l Die Fahrt mit dem Harz-Elbe-Express Richtung Berlin war für Doreen Lindner bereits am Bahnhof Wernigerode beendet. Rund 40 weitere Passagiere warteten am Sonntag gegen 17.50 Uhr mit der Wernigeröderin auf den Zug. „Er hatte zehn Minuten Verspätung, hielt um 17.54 Uhr an und fuhr weiter, weil kein Platz mehr war“, berichtet sie.

Die Ursache für den Vorfall: Das private Bahnunternehmen, das im Nordharz ein Streckennetz von 269 Kilometern betreibt, wurde vom „unerwartet erhöhten Fahrgastaufkommen“ überrascht. Das teilt die HEX-Pressestelle auf Volksstimme-Anfrage mit. Bereits bei der Abfahrt in Goslar sei der Zug proppenvoll gewesen. 300 zusätzliche Fahrgäste hätten den einzelnen Triebwagen schon in der Kaiserstadt im Westharz an seine Kapazitätsgrenze gebracht.

HFC-Fans auf Rückreise aus Meppen

Für den außerordentlichen Andrang hätten Fußball-Fans gesorgt, die mit HEX-Zügen Richtung Halle reisten. Der Hallesche FC hatte am Sonntag in der Dritten Liga beim SV Meppen 2:2 gespielt.

Im Emsland hatte die Polizei 93 gewaltbereite Fans aus der Saalestadt in Gewahrsam genommen. Sie traten am Sonntagnachmittag die Heimreise an.

Auf die Frage, warum nur ein Triebwagen im Einsatz war, heißt es vom Bahnunternehmen: „Die Anzahl der Fahrzeuge ist vertraglich vorgegeben und richtet sich nach dem Fahrgastaufkommen zu bestimmten Tageszeiten.“ So fahren zu stark frequentierten Zeiten die HEX-Züge in sogenannter Doppeltraktion. Dazu werden zwei Triebwagen aneinander gekoppelt, informiert die Pressestelle des Bahnunternehmens mit Sitz in Halberstadt.

Wisse das Unternehmen von Veranstaltungen, durch die mit mehr Passagieren als üblich zu rechnen ist, könnten einzelne Fahrten mit einem zusätzlichen Triebwagen verstärkt werden. „Dieses Betriebskonzept hat sich in den letzten 13 Jahren im Nordharz bewährt“, heißt es weiter vom Nahverkehrsanbieter.

Kein Durchkommen am Servicetelefon

Das nächste Problem der Fahrgäste am vergangenen Sonntag: „Wir konnten uns an niemanden wenden“, sagt Doreen Lindner. An der HEX-Hotline habe niemand den Hörer abgenommen. Das sei sehr ärgerlich. Fahrgäste erreichen den Kundenservice der Transdev-Tochter rund um die Uhr, heißt es dagegen von HEX.

Je nach Anzahl der Anrufer könne es dabei zu Wartezeiten kommen, erklärt die Pressestelle weiter. „Außerdem können sich Fahrgäste mit Ihren Beschwerden direkt an uns per Mail oder über unser Kontaktformular auf der Webseite wenden.“