Wernigerode l Wernigerodes Altstadt wird zur Baustelle. Am Montag, 6. Mai, rollen die Bagger an. Grund ist die Verlängerung der Fernwärmetrasse.

Die Trasse verläuft aktuell bis zur Turnhalle „Unter den Zindeln“ in der Ringstraße, informiert Katja Bröker, Sprecherin der Stadtwerke Wernigerode. Ziel sei es, noch in diesem Jahr das historische Rathaus mit Fernwärme zu beheizen. Neben dem Rathaus sollen später auch das Harzmuseum inklusive Bibliothek, das Stadtarchiv, das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium sowie das Landesmusikgymnasium an das Netz angeschlossen werden. Für die Erweiterung der Fernwärmertrasse investieren die Stadtwerke laut Katja Bröker über 500 000 Euro.

Abschnitte

Gebaut wird in mehreren Abschnitten: Begonnen wird am Klint. Der Bereich ist dann für den Verkehr gesperrt. Um Fahrzeugen weiter die Zufahrt zum Parkhaus „Gothisches Haus“ und zum Rathaus zu ermöglichen, hat das städtische Ordnungsamt eine Umleitung von der Marktstraße über den Marktplatz festgelegt - „erstmalig, weil es anders nicht geht“, wie Ordnungsamtschefin Anja Münzberg gegenüber der Volksstimme sagt.

„Der Markt gehört zur Fußgängerzone“, so Münzberg weiter. „Autofahrer sollten mit äußerster Vorsicht und erhöhter Aufmerksamkeit fahren.“ Es gelte Schrittgeschwindigkeit. Die Leitungen am Klint sollen bis zum 24. Mai in der Erde liegen.

Wenig Beeinträchtigungen

Der zweite Abschnitt in der Hinterstraße umfasst mit 125 Metern die umfangreichste Strecke. Die Anwohner seien bereits schriftlich von den Stadtwerken über das Bauprojekt informiert worden, so Baustellenkoordinator Steffen Hartmann. „Die beauftragte Baufirma ist von uns angehalten, die Beeinträchtigungen für die Betroffenen so gering wie möglich zu halten.“ Deshalb werde die Verlegung der Leitungen auch abschnittsweise erfolgen, informiert der Stadtwerke-Mitarbeiter. Versorgungsunterbrechungen seien nicht vorgesehen. Die Bauarbeiten in der Hinterstraße sollen bis zum 19. Juli abgeschlossen sein.

Damit das Rathaus Ende September als erster Kunde im Stadtzentrum mit Fernwärme versorgt werden kann, muss die Trasse zuvor noch die Fußgängerzone in der Westernstraße queren. Dies sei für Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli vorgesehen. Für Ende Juli ist die Anbindung an die Ringstraße geplant.

Herausforderung

Insgesamt verlegen die Stadtwerke rund 315 Meter Leitungen für die Fernwärmeversorgung des Wernigröder Zentrums. „Baumaßnahmen in der historischen Altstadt sind immer eine große Herausforderung“, sagt Baustellen-Koordinator Steffen Hartmann. „Nicht nur wegen der touristisch exponierten Lage, sonder auch aufgrund des engen Bauraums.“ Doch der Aufwand werde sich für alle lohnen, ist sich der Stadtwerke-Mitarbeiter sicher. Der Ausbau des Fernwärmenetzes leiste einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Luftqualität.

Hintergrund: Vor neun Jahren haben die Stadtwerke eine zwei Kilometer lange Trasse vom Blockheizkraftwerk im Wohngebiet Harzblick bis zum Harzklinikum verlegen lassen. Seither wird nicht nur das Krankenhaus mit Heißwasser versorgt. Die Trasse wurde für weitere Objekte rund um den Ochsenteich „angezapft“ – wie die Raabeschule, das HKK-Hotel, die Diesterweg-Grundschule, die Sekundarschule „Thomas Müntzer“, die Turnhalle „Unter den Zindeln“, das Neue Rathaus und das Seniorenpflegeheim im ehemaligen Finanzamt. Darüber hinaus versorgen die Stadtwerke in Wernigerode rund 10 000 Einwohner mit Fernwärme.