Bauprojekt

Bauboom verzögert Sanierung der Holzkirche Elend

Die Holzkirche in Elend soll eine neue Fassade erhalten. Doch obwohl Fördergeld fließt, können die Arbeiten noch nicht starten – wegen der starken Konjunktur im Bausektor.

Von Katrin Schröder 09.07.2021, 08:00
Der Förderverein kleinste Holzkirche Deutschlands in Elend muss zwar die Renovierung des Gebäudes verschieben, trotzdem haben Holger Launitz, Ulrich und Isolde Förster sowie Lina Hahn und Karin Fuchs (von links) alle Hände voll zun tun. Ein Aushängeschild des Vereins ist die knallrote Ape.
Der Förderverein kleinste Holzkirche Deutschlands in Elend muss zwar die Renovierung des Gebäudes verschieben, trotzdem haben Holger Launitz, Ulrich und Isolde Förster sowie Lina Hahn und Karin Fuchs (von links) alle Hände voll zun tun. Ein Aushängeschild des Vereins ist die knallrote Ape. Foto: Katrin Schröder

Elend - Unter normalen Umständen wäre die Holzkirche in Elend derzeit von Gerüsten umstellt, auf denen sich Handwerker tummeln. Doch rund um das Gotteshaus herrscht Ruhe – abgesehen von den zahlreichen Gästen, die das Wahrzeichen des Oberharz-Ortsteils am Rande des Harzer Hexenstiegs besuchen.

Damit dies in Zukunft weiterhin möglich ist, haben sich die Mitglieder des Fördervereins kleinste Holzkirche Deutschlands zusammengeschlossen, um die Kapelle zu sanieren. Über das Leader-Programm erhalten sie für den ersten Schritt 95.000 Euro Fördergeld. Mitte April ist der Förderbescheid eingetroffen, berichtet der Vereinsvorsitzende Ulrich Förster.

Eine Firma wurde ebenfalls gefunden, die die Aufgabe erledigen kann – zumindest war dies bis vor kurzem Stand der Dinge. Der derzeitige Bauboom brachte aber den Auftragnehmer an seine Kapazitätsgrenzen, sagt Holger Launitz, Schatzmeister des Vereins. Und angesichts der steigenden Holzpreise und allgemeinen Preissteigerungen am Bau müsse man erneut nachrechnen, ob die bisher eingeplante Summe reiche.

Antrag auf Verschiebung an Geldgeber

Für die Mitglieder des Fördervereins heißt das nun erneut: Anträge schreiben und abwarten. Denn Ende Oktober müsste laut Leader-Regularien das Bauprojekt abgeschlossen und abgerechnet sein. Weil das nicht zu schaffen sei, habe der Verein eine Verschiebung des Projektbeginns beantragt und hoffe auf die Genehmigung.

Denn ob und jetzt oder später: Der Turm, der 1904 auf das bereits 1897 errichtete Gotteshaus aufgesetzt wurde, braucht eine Generalüberholung. Die Holzverkleidung sei alt und zu oft überstrichen, um erneut frische Farbe aufzunehmen, so die Einschätzung von Gutachtern. Daher solle der Turm komplett neu aufgebaut werden (die Volksstimme berichtete).

Bis es soweit ist, haben die Vereinsmitglieder noch viele andere Dinge im Umfeld der Kirche zu erledigen. Zum Beispiel soll bald der Vorplatz seine endgültige Gestalt erhalten. „Als er im vergangenen Sommer gebaut wurde, sind die Findlinge hochgekommen“, berichtet Holger Launitz.

Roteichen und Fahrradständer

Die großen, schweren Steine sollen bleiben: Erst sollen sie bearbeitet, dann zu zweit gruppiert und mit hölzernen Sitzflächen verbunden werden – als Unterbau für Bänke, die Besucher zum Verweilen einladen. Sofern diese mit dem Rad gekommen sind, können sie dieses bald an den Fahrradständern abstellen, die die Pension „Eli Lenti“ gesponsert hat. Derzeit werden sie in der Werkstatt von Vereinsmitglied und Ortsbürgermeister Attila Projahn (parteilos) bearbeitet. Bereits im Frühjahr haben die Vereinsmitglieder eine Pflanzaktion organisiert. 19 Roteichen säumen nun auf beiden Seiten die Allee zur Kirche. Abwechselnd wässern die Vereinsmitglieder die Setzlinge, die gut gedeihen.

Ein besonderer Baum soll künftig noch sicherer verankert werden. Für den Weihnachtsbaum, der zu den Feiertagen festliches Flair verbreitet, haben Jochen Witzel und Holger Launitz nun eine stabile Halterung gebaut.

Damit können bis zu sieben Meter hohe Bäume sicher befestigt werden. Darüber hinaus schauen die Vereinsmitglieder regelmäßig nach dem Rechten und erledigen das, was anliege, sagt Ulrich Förster, der zuletzt den Rasen gemäht hat.

Werbung in knallrot

Mit einem besonderen Gefährt macht er seit einiger Zeit Werbung für Holzkirche und Verein. Förster hat eine Ape angeschafft, einen knallroten Kleintransporter mit drei Rädern, den der Schriftzug des Fördervereins ziert. Das Rollermobil bietet Platz für eine mobile Küche und soll weiter aufgerüstet werden, berichtet der Vereinsvorsitzende. Mithilfe des Gefährts, das sich seitlich aufklappen lässt, können er und seine Mitstreiter an der Kirche und auf Veranstaltungen Präsenz zeigen, kleine Speisen und Getränke verkaufen und Einnahmen für den Verein erzielen.

Das Interesse für die Holzkirche ist groß, wissen die Mitglieder. Zahlreiche Wanderer und Radfahrer steuern die Sehenswürdigkeit an, die direkt am Harzer Hexenstieg liegt. Zum Anziehungspunkt habe sich der Sonderstempel der Harzer Wandernadel entwickelt, der seit vergangenem Herbst an der Kirche zu haben ist. Gestiegen ist die Nachfrage nach Führungen, die nun in größerer Zahl angeboten werden können – unter anderem weil das Team kürzlich engagierte Verstärkung erhielt.